Montag, 14. August 2017

Radwanderung Teil 6: Auf dem hessischen Bahnradweg

Unsere Unterkunft in Dankmarshausen hatte alle Annehmlichkeiten zu bieten, da gab es Kaffee, Tee, Getränke im Kühlschrank, eine Waschmaschine mit Pulver und Klopapier mit einer blumigen Duftnote. Wir nutzten alles und genossen am Morgen den heißen Kaffee. Der Bäcker war in der Nähe, so dass wir uns selbst ein Frühstück kreieren konnten, was auch mal wieder schön war. Leider ging es mit dem Wetter nicht so schön los und den ganzen Tag über regnete es relativ stark, so dass wir ganz schön an unsere Grenze kamen. Die Landschaft war aber, bis auf die tiefhängenden Wolken, ganz idyllisch und bei Sonne wärs sicher auch eine wunderbare Tour geworden. Unseren ersten Stop machten wir an einer Bahnunterführung, die uns etwas Regenschutz bot. Wir wurden sicher immer mal wieder von Autofahrern bedauernd angesehen, aber als Brillen- und Kapuzenträger ist man bei so einem Wetter irgendwie außen vor. Schön wurde es aber immer, wenn wir andere Leidensgenossen auf dem Fahrrad trafen. Wir versuchten zu lächeln und zu grüßen, aber wenn wir genauso jämmerlich ausgesehen haben, wie die anderen, wars eher ein trauriger Anblick. Die Schnecken mochten aber wohl das Wetter, wir sahen tausende mit und ohne Häuschen, bevorzugt auf dem Fahrradweg, was dann manchmal bei uns einen Slalom auslöste, leider fanden wir am Ende unserer Tagestour dann doch einige suizidgefährdete Kreaturen unter dem Rahmen. An einem Rasthäuschen wollten wir uns dann mal kurz unterstellen, aber der Regen war so heftig, dass auch unter dem kleinen Dach alles nass war, irgendwie war das gesamte Ding eine Fehlkonstruktion. Schade. Nebenan auf der Straße wurde die Fahrbahndecke erneuert und der Asphalt dampfte und roch auch nicht gerade angenehm. Das wurde also irgendwie keine erholsame Rast. Wir machten uns bald wieder auf den Weg, um auch nicht komplett kalt zu werden. Das war schon ein sehr anstrengendes Wetter. Leider mussten wir mitten durch die Stadt Bad Hersfeld, was uns mächtig aufregte, denn sowohl Fußgänger, Autos oder Bordsteine schienen hier nicht auf Fahrradfahrer eingestellt zu sein. Es war ein Höllentrip und wir überhaupt nicht mehr an Stadtverkehr gewöhnt. Wir waren froh, lebend da raus gekommen zu sein. Aber der Tag war ja noch nicht zu Ende, denn in Schlitz riss irgendwann einfach der Schaltzug an 2Talls Fahrrad. Aber das Glück war uns nicht ganz abhanden gekommen, denn exakt an der Stelle des Unglücks war ein Plakat eines Fahrradladens aufgehängt. Zu dem fuhren wir dann auch und sie waren so nett, das Rad sofort zu reparieren. Es dauerte dann doch noch eine gute Stunde, aber wir konnten dann die letzte Strecke bis Bad Salzschlirf, kalt, durchnässt, aber erleichtert in Angriff nehmen. Die Unterkunft war wohl weislich schon etwas warm gemacht worden, und so konnten wir uns und unsere Klamotten trocknen und das große Zimmer innerhalb kürzester Zeit in ein absolutes Chaos verwandeln. Wir waren von dem Tag dann so ko, dass wir beschlossen, nicht mehr in den Ort fürs Abendessen raus zu gehen, sondern unsere Notrationen zu vertilgen. Wir fragten nach einem Wasserkocher, den gab es leider nicht, aber eine Thermoskanne voll mit dem entsprechenden Nass erhielten wir und innerhalb von 5 Minuten hatten wir ein wohlschmeckendes 2-Gänge Menü. Der nächste Morgen war erstmal trocken und wir hofften auf einen ruhigeren Tag. Der Regen hatte unsere Fahrradketten aber ordentlich mitgenommen, denn die zwitscherten laut, so dass wir beim Bäckerstop auch erstmal Öl auftragen mussten. Leider stellten wir fest, dass der Mechaniker in Schlitz vergessen hatte, die Klingel an 2Talls Lenker wieder festzuschrauben. Also gings in Lauterbach in den nächsten Fahrradladen, um einen neuen Signalgeber käuflich zu erwerben. Irgendwann waren wir dann wieder auf einem tollen Bahnradweg, mitten in der Natur, ohne Autos, allerdings ging dann auch der Regen wieder los. Neben Nässe, Wind und Kälte gibt es noch eine weitere Option, die jede Radlerin und jeden Radler erfreut, genau, bergauf fahren. Am höchsten Punkt der Strecke machten wir dann an einem Unterstand Pause, da gab es glücklicherweise auch eine Tankstelle, die uns mit heißem Kaffee versorgte. Erholt und ein bißchen aufgewärmt ging es auf eine lange Abfahrt, die uns die feinen Regentropfen ins Gesicht schleuderte. Denn das war ja der große Vorteil zum gestrigen Tag, die Regentropfen waren viel kleiner und wir wurden tatsächlich weniger nass... kein Scherz. Unsere kleine, gemütliche Unterkunft in Bad Soden Salmünster erreichten wir relativ spät und auch ganz schön müde. Der Regen und die Kälte kosteten doch immer etwas mehr Kraft als trockene, wärmere Tage. Das merkten wir auch abends im Brauhaus, wo wir unseren letzten Abend gemütlich ausklingen lassen wollten. Das ging ungefähr so, Getränke bestellen, Essen bestellen, schweigend und kaputt aufs Essen wartend, zügig und mit großem Hunger, die großen Portionen verschlingen, bezahlen und ab in die Koje... ok, wie an den letzten Abenden warfen wir immer nochmal einen Blick ins Fernsehen zu den Leichtathletik Weltmeisterschaften. Aber länger als 22 Uhr schafften wir es wegen akuter Bettschwere fast nie. Am Morgen waren wir in unserer "Löwen-Unterkunft" allein im Frühstücksraum und genossen das letzte, schön hergerichtete Frühstück unserer Tour. Es nieselte zwar ein wenig auf den ersten Kilometern, aber das Wetter wurde immer besser und wie es sich für einen Sonntag Morgen gehört, waren die Leute mit ihren Hunden, Kindern oder Sportgeräten unterwegs. Der Bahnradweg war nun nicht mehr so idyllisch, er ging direkt an der Autobahn entlang und ständig mussten wir größere Straßen kreuzen oder per Unterführung umgehen. Wir kamen an einer Anlage vorbei, auf der wir Männer sahen, die mit ihren ferngesteuerten Modellautos um die Wette fuhren. Und dann gabs auf einer Wiese noch riesige Anhänger mit Brieftauben zu bestaunen... es gibt schon ungewöhnliche Leidenschaften, die wir Menschen ausüben, oder? Mit dem Zug ging es dann von Hanau über Frankfurt nach Koblenz und zurück nach Bonn.
Fazit der letzten 4 Wochen: wir haben eine absolut tolle Tour durch Deutschland gemacht. Ich habe meine Liebe zu Störchen und Kranichen entdeckt... man kann mit dem Fahrrad unglaubliche Strecken fahren und trotzdem mitten in der Natur sein. Wir würden es wieder tun ;-)

Donnerstag, 10. August 2017

Radwanderung Teil 5: Über den Harz an die Werra

Wir hatten das Harzvorland schon mit den Augen bewundert, jetzt durften wir den Harz selber mit jeder Faser unserer Beinmuskeln erspüren. Es fing mit sanften Hügeln hinter unserer Pension in Hessen an und steigerte sich stündlich. Aber Wetter und Kopf spielten wieder mit, denn am Abend vorher hatte es noch "trail like" Pizza und Softdrink vom Lieferservice gegeben, welche uns ausgiebig mit Kohlenhydraten versorgt hatten. Die Onlinebuchung beim Pizzaservice war zwar etwas holperig, aber das passte irgendwie auch zu den Wegen tagsüber, so dass wir uns über nichts mehr zu wundern brauchten. Außerdem ist unser Geduldsfaden seit der Radtour viel dicker geworden, und so nahmen wir es gelassen hin, dass wir 1,5 Std auf die beiden Pizzen warten mussten. Am nächsten Morgen stand das Frühstück schon für uns bereit und wir freuten uns über den Sonnenschein, der da durchs Fenster lugte. Sollte es mal wieder ein schöner Sommertag werden? Wir radelten durch Felder und Örtchen, immer mit Brocken-Blick. 2Tall nannte ihn inzwischen liebevoll "Bröckchen" und wir kamen ihm immer näher. Mittags machten wir einen Kaffee-Stop im “Holzwurm“ und bewunderten die riesige Dogge, die neben dem Cafe ihr Domizil mit Shelter und Matratze hatte, bizarr. Den Besitzer der Pension in Hessen fragten wir am Abend noch nach dem besten Weg nach Elend, schlussendlich entschieden wir uns dann aber doch für die Waldvariante, die er uns nicht empfohlen hatte, weil sie angeblich wohl zu matschig sei. Der Weg war perfekt und wir waren so froh, dass wir nicht auf der Hauptstraße dicht neben den Autos gefahren sind, denn es gab auf dieser Strecke keinen Radweg. Wir fuhren also ganz allein durch den Wald, meisterten die Steigungen bravourös auf dem guten Schotterweg und kamen irgendwann an einem riesigen Parkplatz raus, der mit einer erheblichen Zahl an Autos, Bussen und Wohnmobilen besetzt war. Das Geräusch und der Rauch verrieten uns dann, dass wir am Bahnhof der Brockenbahn waren. Uff, was für ein Menschenaufkommen nach dieser Waldruhe. Wir machten uns nach ein paar Bildern auf den Weg zum letzten Stück in Richtung Elend. Da gab es noch einen Hügel zu erklimmen, dann waren wir am Ziel und waren total begeistert, dass wir solch tolle Wege genießen konnten.
Nach einem genialen Frühstück in Elend besuchten wir noch kurz die drei Harzer Hexen, um etwas Proviant für die Fahrt zu kaufen, aber der Laden hatte nur einen originellen Namen und leider keine vernünftigen Radler-Snacks. Das wurde also auf später verlegt und wir fuhren erstmal los und kamen an einer großen Wiese mit Massen an Dixi Toiletten vorbei. Aha, wir hatten das Festival "Rocken am Brocken" nur um ein paar Tage verpasst und waren sehr froh darüber. Die Hinterlassenschaften von Menschenmassen waren auch noch im Waldstück dahinter zu sehen und das fanden wir mal wieder total abstoßend... wir haben für solche Fälle ja immer den "Kackspaten" dabei, um wenigstens ein Loch für sein Häufchen zu buddeln... ist eine echte Investition.
Das grüne Band wurde kurz hinter Sorge heftig steil und leider waren noch die alten Platten im Wald verlegt. Die haben 28 Löcher und machen es einem Radler nicht einfach, es wachsen zwar Grasbüschel aus den Löchern, aber trotzdem hoppelten wir heftig über die Piste. Als es dann noch steiler als steil wurde, entschlossen wir uns, zu schieben. Was aber auch irgendwie nervig war. Das war bisher das heftigste Stück auf dem "Grünen Band" und wir waren sehr froh, als wir zur Straße abbiegen konnten, um in den Ort Hohe Geiß zu fahren. Dort gab es dann die ersehnte Bäckerei und noch ein Lädchen, wo wir für den Tag noch einiges einkauften. Es war gut, dass wir ausreichend Futter dabei hatten, denn der gesamte Weg war von Hügeln durchzogen, die wir immer wieder erklimmen mussten. Aber wer hoch fährt, hat ja manchmal auch die Chance auf eine coole Abfahrt, die sich direkt hinter Hohe Geiß anschloss. Mehr als 45 km/h fuhren wir wohl nicht, aber es fühlte sich schon mächtig schnell an und ich hatte bei jeder Kurve so meine Bedenken. Aber wir kamen heile "unten" an und bedauerten einen Radwanderer, der das gesamte Stück in die andere Richtung noch vor sich hatte, er guckte auch nicht unbedingt euphorisch. Im Ort Ellrich ging es auf einem Kopfsteinpflasterweg zum alten Bahnhof. Der Weg war für den normalen Verkehr gesperrt und wir wunderten uns, dass wir plötzlich mitten in der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Ellrich-Juliushütte standen. Eine Gedenkstein, von Belgien gestiftet, erinnerte an all die Menschen, die hier umgebracht und gequält wurden. Wer sich darüber informieren will, kann bei Wikipedia einiges erfahren. Wir waren jedenfalls sehr erstaunt, dass nicht noch mehr auf diese Gedenkstätte hingewiesen wurde, die Wege nicht besser gepflegt waren, irgendwie in einer anderen Form, an diesen Ort mit seinen Menschen gedacht wurde.
Nach weiteren Steigungen und Abfahrten mit großem Schotter standen wir plötzlich vor einer verschlossenen Bahnschranke und mussten mittels gelbem Knopf um die Öffnung der Schranke bitten. Sehr ungewöhnlich. Irgendwann gab es dann die große Belohnung für all die heftigen Aufstiege am heutigen Tag, wir rollten durch ein Tal, hatten wenig zu treten und genossen ausnahmsweise mal die Landschaft, die locker an uns vorbei zog. Es war mit den Hügelchen dann immer noch nicht ganz zu Ende und unsere Beine brannten schon ganz gut. Es kam dann noch eine 7% Steigung, die wir so gerade noch schafften, bevor wir nach Duderstadt rollten. Wir fuhren aber nur am Rande der Stadt vorbei und passierten noch das Tierheim, aus dem plötzlich ein Hund lief, der offensichtlich das erste Mal seit langem wieder seine Freiheit genoss. Bald nach Duderstadt kamen wir bei unserem Ziel in Bernigerode an. Die ältere Dame war etwas überfordert, gab aber auch zu, dass sie nur hier die Vertretung wäre. Es war alles einfacher, aber wir freuten uns über das Zimmerchen. Am Abend waren diverse Firmen-Transporter auf dem Hof. Wie auch in Hessen werden diese Landpensionen eher von Monteuren als von Urlaubern frequentiert. Das Frühstück war dann aber ganz entzückend dekoriert und auch wenn wir wegen baulicher Massnahmen im Windfang des Hauses saßen und von der Sonne gebrutzelt wurden, hat sich die Besitzerin doch sehr viel Mühe gegeben. Wir hatten wieder sonniges Wetter, 2Tall hatte einen tollen Weg herausgesucht, das grüne Band geht nämlich fast immer über die höchsten Hügel, die wir auch mal umradelten. Da wurde es dann auch mal so einsam und waldig, dass wir einen Fuchs trafen und immer wieder begegneten uns Rehe oder Hörnchen. Punkt 12 Uhr mittags kamen wir in einen Ort, wo es auch noch eine Bäckerei gab, ist ja in manchen Orten gar nicht mehr so üblich, dass es da noch irgendetwas gibt. Die Bäckerei wollte gerade schließen, aber wir konnten noch die letzten Teilchen ergattern, um etwas unterwegs zu beißen zu haben. Dann aber war es wirklich soweit, wir rollten zur Werra herunter und prompt waren da all die Radwanderer, perfekt gestylt, die Ortlieb-Taschen farblich passend zu den Helmen und der Sonnenbrille.... da konnte ich mit meinen rot-rosa-orange-farbenen Mix nicht dagegen an, aber so isses eben, ich bin eben ein Rot-Typ. Neben den stylischen Radlern sahen wir aber auch wunderschöne Schlösser und Burgen, bei Sonnenschein und pittoresken Wölkchen ein toller Anblick. An einem Campingplatz machen wir einen Kaffeestop und es dauerte keine 5 Minuten, dass wir vom Herren am Nachbartisch angesprochen wurden. Er erzählte und textete über die schöne Gegend hier und anderswo. Wir hatten das Gefühl, er brauchte dringend ein bis vier Ohren zum Zuhören, aber hatte er uns gefagt, ob wir ihm die überhaupt bieten wollten? Es ging weiter Richtung Eschwege, wo das nächste Festival auf uns wartete. Jetzt war uns auch klar, warum hier keine Unterkünfte frei waren. Wir umfuhren das Städtchen und hatten noch eine feine Strecke bis nach Wanfried. Ein Ort, der mit Fachwerk protzte und auch unsere Unterkunft im "Schwan" war historisch. Wir ließen es uns gut gehen, genossen einen Hauch von Luxus mit frischen Pfifferlingen ;-) Der nächste Tag hatte sehr viel Regen angekündigt, aber zum Glück täuschte sich auch mal die beste Wetter App. Es war zwar kühler und wir hatten mal wieder die Arme bedeckt, aber die kurzen Hosen blieben. Es gab den ganzen Tag höchstens 3 Tropfen und wir waren nicht nur wegen des Wetters total begeistert, sondern auch wegen der naturnahen Wege an der Werra entlang. Da gabs auch mal Schotterwege, aber insgesamt wars ein absoluter Traumweg, den wir auch oft ohne andere Menschen genießen durften. Wow. In Dankmarshausen war unsere Unterkunft und wir hofften, dass sie sich nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Monte Kali befand. Diese riesigen Abraumhalden sind schon von weitem zu sehen und stammen vom Kalisalzabbau. Diese Berge auch Kalimandscharo zu nennen, hat schon was euphemistisches, denn sie schwemmen auch viele Schadstoffen ins Grundwasser und haben nix mit Fernweh oder Afrikaromantik zu tun.
Schön wars im Harz und an der Werra, nun geht es auf den Bahnradweg quer durch Hessen.

Sonntag, 6. August 2017

Radwanderung Teil 4: Grünes Band Richtung Harz

Wir radeln weiter an der ehemaligen innerdeutschen Grenze nach Süden. Auch an diesem Morgen regnete es erstmal kräftig, als wir dann aber um 10 Uhr vom Arendsee starteten, war es trocken und warm. Wir fuhren auf sehr einsamen Wegen, sahen mal wieder einige Kraniche und wunderten uns über die menschenleere Gegend. Wir waren wenig redselig und die Landschaft zog einfach so an uns vorüber. Bis mittags war es auch noch möglich, mal eine Zeitlang 20 km/h zu flitzen. Das änderte sich dann aber mit der Beschaffenheit der Wege: super schlechte, holprige Plattenwege. Die großen Gedenktafeln, dass bis 1989 hier die Grenze entlang lief, und den ehemaligen Wachtürmen, machten uns nachdenklich. Wie muss es hier vor 1989 gewesen sein, wie ging es den Menschen hier in der Zeit und wie ist jetzt eigentlich das Verhältnis zwischen den Ossis und Wessis? Wir haben definitiv noch übergroße Schubladen in unseren Köpfen, die prompt aufspringen und sich in mancher Situation in den Vordergrund drängen. Ab mittags frischte plötzlich der Wind auf und auch die Landschaft wurde etwas hügeliger. Die Kombination ist bei Gegenwind natürlich blöd und unser Tempo nahm drastisch ab. Ich hatte den großen Vorteil, hinter 2Tall Windschatten zu fahren und war dafür sehr dankbar. Wir kämpften uns durch die Landschaft, hatten aber keinen Regen mehr. Ziemlich abgekämpft kamen wir in Diesdorf beim Landgasthof Niemann an, es waren an diesem Tag nur 78 km, aber mit dem Gegenwind fühlte sich es eindeutig nach über 85 km an... Hoffentlich kommt morgen der Wind mal wieder aus der "richtigen" Richtung.
Das kam er leider nicht. Wir hatten am Morgen zwar das Gefühl, die Windstärke hätte etwas abgenommen, aber im Laufe des Tages hatten wir immer wieder heftige Böen, die uns zum Schwanken brachten und uns über den gesamten Weg auch ganz schön zäh und müde machten. Interessant war ein Gedenkpfad, den wir uns ansahen, an dem die verschiedenen Stacheldrahtzäune, Gräben und Mauern sichtbar wurden, die im Laufe der Zeit zur innerdeutschen Grenze wurden. Es waren nur kurze Stücke, aber es reichte uns, um einen unbehaglichen Eindruck zu bekommen... In einem größeren Ort gönnten wir uns an einem Supermarkt kalten und warmen Kaffee. Ein paar Mal fiel uns auf, dass die Leute uns schräg anguckten. So auch diesmal. Sind es die Fahrradtaschen? Unsere Größe? Komisch, denn so dreckig und abgerissen wie teilweise auf dem Appalachian Trail sahen wir eigentlich nicht aus. Wahrscheinlich ist es einfach eine für manche Menschen etwas ungewöhnliche Form des Urlaubs. Fahrrad fahren hier entweder nur Kinder oder Leute, die sich kein Auto leisten können. Vielleicht sind wir deswegen hier wie Aliens. Nach 78 km erreichten wir nach dem finalen Schlussanstieg den Campingplatz Mariental-Horst. Unsere Bleibe war für 2 Tage ein Wohnfass, was sich bei dem Wetter als echte Alternative zum Zelt entpuppte. Denn wir hatten eine trockene Sitzgelegenheit, viel Platz im "Schlafgemach" , sogar Wasserkocher und Kühlschrank und der Campingplatz bot uns all die Annehmlichkeiten, wie eine Waschmaschine und einen Trockner, die wir für einen "vernünftigen "Zero-Day" (Null geradelte Kilometer) brauchten. Glücklicherweise gab es einen Bäcker und einen Supermarkt in Fahrraddistanz, so dass wir uns auch am Zero-Day irgendwie versorgen konnten. Der gesamte Tag bot übrigens Regenwetter vom Feinsten, so dass wir sehr froh waren, ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Sogar die Räder standen auf dem Campingplatz trocken und wir hatten das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Der Ruhetag hatte uns allerdings etwas " aus dem Tritt" gebracht, wir kamen nur langsam im Lappwald voran, aber das konnte auch an der Steigung liegen, die uns stetig begleitete. An diesem Sonntag Morgen trafen wir viele Hundespaziergänger und einige Jogger, sogar ein Laufreff mit entsprechenden T-Shirts war am Start. Es war noch kühl an diesem Morgen, auch wenn die Sonne schien, und wir bibberten etwas bei den Abfahrten. Als wir aus dem Wald raus waren, blies uns der böige Wind mal wieder direkt ins Gesicht. Oh, wie doof, denn darauf hatten wir nur sehr wenig Lust. An einem Punkt hatten wir einen wunderschönen Weitblick über das Harzer Vorland. Der Brocken war eindeutig zu identifizieren und die vielen Windräder zeigten uns auch klar, von wo es pusten würde. Bei einer Straßensperrung, wegen einer Baustelle, konnten wir uns am Rande vorbei quetschen, ansonsten boten uns die Wege von Kopfsteinpflaster über Plattenwege alles an, was ein Radfahrer nicht braucht. Dazu noch der Wind, da hatten wir "viel Spaß". Aber der Tag war mit den Gedenkstätten Marienborn und Hötensleben schon auch eindrucksvoll. Sehr schwer vorstellbar, wie die Menschen, besonders in Hötensleben so eng am Todesstreifen leben konnten. Es ist wichtig, dass die Erinnerungen an diese Zeit präsent bleiben, aber wir fühlten uns dort unwohl und waren froh, nach einer Pause, dort wieder wegfahren zu können. Mit den schönen Ausblicken und den diversen Rehen in den Kornfeldern war es aber auch idyllisch und schön. So schön, dass wir kurzzeitig überlegten, noch weiter als Hessen zu fahren. Aber die Unterkünfte waren hier entweder telefonisch nicht zu erreichen, ausgebucht oder kosteten ein Vermögen, auch wenn es sich Pilgerunterkunft nannte und ein Schnäppchen von 120€ war... Die Pension an der Bahn entpuppte sich als kleine, schöne Unterkunft und wir waren froh, genau hier und nicht "da" zu sein ;-)

Donnerstag, 3. August 2017

Radwanderung Teil 3: Elbe - Müritz und zurück

Hinter Schnackenburg gings erstmal mit Matschwegen los, aber unsere Räder sind inzwischen zu Mountainbikes mutiert. Das schlammige Aussehen steht den schwarzen Rahmen nun nicht unbedingt optimal, aber die Fahrtauglichkeit ist auf allen Wegen super und wir radelten flott und mit Rückenwind gen Müritz. Wir sahen auf den Wiesen wieder eine Menge Störche, aber da gesellten sich auch Schwärme von anderen großen Vögeln dazu. Wir brauchten eine Weile, bis wir die Kraniche identifiziert hatten, aber dann waren wir schon sehr beeindruckt. In Wittenberge überquerten wir die Elbe auf der Eisenbahnbrücke. Die Radfahrer durften auf ratternden Bohlen neben der Bahn fahren, was sich als äußerst ruckelig und nicht unbedingt handgelenkschonend erwies. In Wittenberge mussten wir dann erstmal meine zwitschernde Kette ölen lassen, die Regenfälle waren wohl doch heftiger und haben uns alle schön geduscht. In Wittenberge erlebten wir auch die ersten Kopfsteinpflaster-Straßen, die uns im Laufe der Zeit noch mächtig auf den Geist gingen. Die nerven nämlich nicht nur mit dem Fahrrad, wenn man darüber hoppelt wie eine Kartoffel auf dem Band, auch die Geräuschbalstung ist unsäglich, wenn ein Auto an einem vorbei fährt. Aber nicht nur die besonderen Straßen versprühten noch den spröden, ostdeutschen Charme, da gab es auch noch ein paar alte Häuser und Plattenbauten, die wie aus einer anderen Welt schienen. Die wunderschönen Abschnitte durch den Wald, die mit guten Plattenwegen aufwarten konnten, wollen wir aber auch nicht unerwähnt lassen. Motto dieses Tages war aber eindeutig: "Ich kann Alleen sehn". Diese alten Bäume beeindruckten uns sehr und wir konnten immer schon sehen, wo es uns hinführte. Wie aus dem Nichts passierten wir am frühen Nachmittag ein Café mit angegliedertem Demeterhof-Laden. Wir gönnten uns Erdbeerkuchen und Capuccino und konnten diese Idylle kaum fassen. Nach 86 km erreichten wir Heiligengrabe. Unsere Unterkunft war drinnen deutlich besser als von außen und das Abendessen nahmen wir im gegenüberliegenden Bistro ein, der uns türkische und italienische Pizza bot. Der Besitzer unserer Unterkunft kam mit seinen trockenen Sprüchen nicht so gut bei uns an und insgesamt war es ein etwas bizarrer Aufenthalt in einem Ort, der zwar das Kloster Heiligengrabe hat, aber ansonsten auch etwas verloren zwischen den Autobahnen sein Dasein fristet. Beim Frühstück begegneten wir einem Pärchen, was sehr in die etwas merkwürdige Kulisse passte. Er summte die ganze Zeit bei der Auswahl am Buffet, zwischendurch wies er seine Partnerin darauf hin, sich gerade zu halten und am Gürtel trug er sein Taschenmesser im Täschchen ganz adrett vor sich her....hmmm. Passend zu der etwas angespannten Stimmung grummelte draußen ein Gewitter, was sich dann bei Aufbruch aber wieder beruhigte. Es war zwar sehr bedeckt, aber von dem Temperaturen tropisch schwül und so waren wir über den Fahrtwind mal wieder sehr dankbar. Der Wind frischte sogar noch auf und kam trotzdem weiterhin aus der richtigen Richtung, so dass wir einen kräftigen Rückenwind genießen konnten. An der Müritz gabs dann natürlich einen top Radweg durch den Wald, den noch einige andere Jogger, Spaziergänger und Radler mit und ohne Packtaschen nutzten. Die Anzahl der Menschen nahm kontinuierlich mit der Nähe zum größten Binnengewässer zu und als wir durch Waren rollten, hatten wir schon fast wieder genug von all den Touristen und Eiscafes. Wir mussten noch ein Stück weiter zu unserem Campingplatz Ecktannen, der uns mit der riesigen Zahl von Wohnmobilen, Wohnwagen und Zelten beeindruckte, nicht unbedingt positiv, aber in der hintersten Ecke konnten wir dann doch ein ruhiges Plätzchen für unser kleines "Zeltchen" finden. Wir nutzten die Vorteile des Campingplatzes und schmissen eine Ladung Wäsche an und gingen auch noch schwimmen. Es kam dann irgendwann ein mächtiger Regenguss runter, den wir im Sanitärgebäude trocken überstanden. Das Zelt hielt dem Regen mehrmals stand, denn in der Nacht regnete es nochmals heftig. Wir schliefen etwas unruhig in der kleinen Unterkunft, was nicht nur an der Straßenlaterne lag, die mir genau ins Gesicht schien. Wir waren mit dem Liegekomfort irgendwie noch nicht so vertraut, hoffen aber auf weitere, gemütliche Nächte in dem kleinen grünen Domizil.
Der nächste Morgen begann, dank eines perfekt organisierten Campingplatzes, mit frischen Brötchen. Den Bestellzettel hatten wir am Tag vorher abgegeben und mit Croissant und Orangensaft lässt es sich sogar mit Tüte unterm Hintern aushalten. Denn leider gab es keine Sitzgelegenheiten oder Bänke, so dass es für unsere langen Glieder ein wenig unbequem wurde, aber wir genossenen das gute Wetter und radelten bald wieder los, um die Müritz zu umrunden. Mit uns waren mal wieder eine Menge Leute unterwegs und es herrschte reger Verkehr auf den perfekten Asphaltstrecken durch Wälder und tolle Gegend. Bei einem Fahrradverleih fragten wir nochmal nach Kettenöl für meine Quietschkette und einem Zug für die defekte Gangschaltung. Aber leider konnte uns der Typ nicht helfen und wir machten noch einen kleinen Stop am Captain's Inn am Hafen, was sich aber als komisches Etablissment herausstellte. Nach einem schnellen Kaffee waren wir froh, wieder aus dem Retortendorf mit Hochhäusern und einer bizarren Infrastruktur zu entfliehen. Toll ist es jedesmal, einfach weiter radeln zu können, und das Unbehagen einfach wie eine Wolke weiterziehen zu lassen. Die Wolken sind sowieso toll hier ;-) Ich könnte auch stundenlang in den Himmel gucken, wenn ich nicht auch mal auf den Weg achten müsste. Denn zwischen Kopfsteinpflaster und Plattenwegen gab es immer mal wieder das eine oder andere Schlagloch, was uns überraschte und aufmerken ließ. Es ging bis Warenthin, einem Ort mit 16 Einwohnern, den wir auf einem sehr abenteuerlichen Weg erreichten. Die Wegplatten standen zur Abwechslung nämlich auch mal senkrecht hoch. Direkt am Rheinsberger See lag das Gast- und Logierhaus Mischke, wo wir ein großes Zimmer mit Blick auf den See hatten. Das alte Haus hatte einen wunderschönen Garten, in dem wir abends essen konnten. Die Bedienung hatte richtig Lust, 2Tall ein vernünftiges, schnitzelhaltiges Abendessen anzuschwatzen, was man als Mann nach so einer Tour ja auch braucht ;-) Ich kann mich über diese Sprüche inzwischen köstlich amüsieren und habe meine Bratkartoffeln mit den frischen Pfifferlingen trotzdem sehr genossen. Das Haus hätte auch noch Kanuverleih und sogar eine Sauna gehabt, aber wir waren doch so ko, dass wir nichts mehr davon nutzen konnten. Aber der See bot uns am Abend noch eine grandiose Stimmung mit absoluter Ruhe, was für ein idyllisches Plätzchen.
Am Dienstag Morgen regnete es noch etwas und die grauen Wolken sahen nicht unbedingt nach Sommerwetter aus, aber tatsächlich klarte es auf, als wir wieder auf die Räder stiegen. Was für ein Glück! Am Oblisken des Rheinsberger Schlosses machten wir noch einen Stopp und bewunderten die Schlossanlage bevor wir in den Ort zum nächsten Fahrradladen fuhren, um 2Talls Gangschaltung checken zu lassen. Aber dazu hätte der Laden mehr Zeit gebraucht und so kauften wir nur ein Döschen Öl, was tatsächlich auch bei einer verdreckten und wohl leicht angerosteten Gangschaltung funktionierte, denn nach einigen Kilometern lief das Ding wieder einwandfrei. Leider hatte 2Tall bei dieser Aktion wohl etwas von dem Treibgas des Ölsprays eingeatmet. Denn er klagte dann über Übelkeit und Nebenhöhlenbeschwerden... uff, was hatten wir denn da gekauft? In Neuruppin kauften wir deswegen Emser-Salzlösung, um den Dreck wenigstens ein bißchen wieder auzuspülen. Zum Glück wurde es dann im Laufe des Tages besser und wir konnten weiterradeln. Es drohte allerdings ein Unwetter mit Tornados und wir wurden bei den dunklen Wolken echt unruhig und erhöhten sogar etwas unser Tempo. Aber es tröpfelte dann doch nur ein wenig und wir konnten bis zum Supermarkt in Wusterhausen wieder bei sonnigem Wetter fahren. Dort kauften wir unser Abendessen, denn das Lohmer Schloss bot uns eine Gemeinschaftsküche, die wir nutzen wollten. Als wir nach weiteren 10 km am Schloss ankamen, waren wir schon beeindruckt von dem Gebäude, dem Park drumherum und auch dem renovierten "Innenleben". 2Tall fragte im Spaß, ob es denn im Schloss spuken würde. Die Schloßherrin bejahte dies und meinte, dass er, der männliche Geist, sich vorwiegend im Erdgeschoss sehen liess....ah ja. Sie zeigte uns noch alles und ließ uns dann in der oberen Etage allein, denn die hatten wir komplett für uns, es waren keine weiteren Gäste da und wir genossen den Abend bei Vollkornnudeln, Arrabiata Soße, Möhren und Gurken. Was für ein Festmahl nach so einem Tag.
Auch das Frühstück am nächsten Tag nahmen wir in der Gemeinschaftsküche ein: Schwarzbrot mit Erdbeermarmelade, Trauben, dazu wurde schwarzer Tee gereicht. Nach einem kleinen Abschiedsplausch mit dem Schlossherren radelten wir bei schönstem Sommerwetter los und fuhren mal wieder an menschenleeren Alleen entlang. Alte Bäume, wenig Menschen, das gefiel uns alles sehr gut. In Havelberg kümmerten wir uns um den Proviant für den Tag, aber auch um das Abendessen, denn die "Wildgans" am Arendsee hatte Mittwochs Ruhetag und wir konnten zum Glück wieder ein Zimmerchen mit Kochnische buchen. Aber bevor wir den See erreichten, überquerten wir die Havel mittels Brücke und die Elbe dann mit einer Fähre. Sobald wir die Elbe erblickt hatten, kamen auch wieder die Störche, die nah am Deich umher staksten oder in ihren Nestern herumklapperten. Schon ein besonderes Bild mit diesen großen Vögeln. Der Elberadweg war leider in diesem Bereich schlechter und so hoppelten wir immer mal wieder über Grasbüschel oder fuhren um Schlaglöcher herum. Es waren noch andere Radler unterwegs, mit einer Truppe sprachen wir kurz und schwärmten vom dem tollen Schloss Lohm. Etwas vor dem Arendsee durchfuhren wir ein Waldgebiet, in dem wir uns nicht sehr wohl fühlten. Es war mal wieder kein Mensch unterwegs und die dunklen Wolken tauchten den Wald in ein besonderes Licht. Bizarr. Wir erreichten das grüne Band und es fing dann tatsächlich noch an zu regnen. So gerade eben kamen wir an der "Wildgans" an, ohne komplett durchzuweichen. Nach über 80 km waren wir mal wieder stolz auf unsere geradelte Strecke. Well done! Übrigens haben wir inzwischen die 1000 km Marke (seit Dinslaken) überschritten!

Dienstag, 1. August 2017

Radwanderung Teil 2: Bremen - Schnackenburg

Nach einigen sonnigen, aber auch sehr regnerischen Tagen in Fischerhude, ging es auf die Sättel, um weiter in Richtung Norden zu radeln. Das Wetter hatte sich wieder beruhigt, so dass wir schon bald hinter Fischerhude in kurzen Sachen die Sonne genießen konnten. Auf dem Bremen-Hamburg- Radweg ging es durch hübsche kleine Örtchen und tatsächlich gab es noch andere Radfahrer, die an diesem Tag unterwegs waren. Zum Beispiel trafen wir mehrmals einen Mann, vermutlich mit seinem Sohn, der in Trainingsanzug, Office-Radtasche und Karte in der Hand ein ungewöhnliches Bild abgab. Sein Begleiter war mit kleinem Rucksack und seinem Rennrad auch nicht unbedingt für eine große Tour auf Feldwegen ausgestattet. Ich hatte die Idee, dass die beiden auf einem Kurztrip nach HH waren, vielleicht um eine letzte gemeinsame Ferienaktion zu erleben. Die Wege waren von dem Dauerregen ziemlich aufgeweicht und so mancher Schlammspritzer schaffte es an meinen Unterschenkel. Wir kamen trotzdem gut voran und sahen Störche, Hasen, Rehe und auch Katzen. Eine hätte mich fast den Asphalt küssen lassen. Denn durch einen kurzen Blick nach rechts kam ich vom Weg ab, strauchelte und sah mich schon dem Asphalt sehr nahe kommen. Aber irgendwie habe ich mich gehalten, das Herz schlug mir bis unters Kinn und meine Beine schlackerten etwas vor sich hin... Glück gehabt. Nach 78 km kamen wir in Dibbersen bei Bucholz in der Nordheide an und waren froh, dass wir wieder on Tour waren.
Von Bucholz ging es am nächsten Tag trocken los, aber in Maschen tröpfelte es etwas. Maschen stellte uns leider auch vor eine andere größere Herausforderung, denn die Brücke über den Güterbahnhof war gesperrt. Ankündigung oder Umleitungsschilder..? Bloß nicht, da können sich die Radler mal schön selber was suchen. Über Matsch- und Feldwege kamen wir dann aber mit etwas Verspätung wieder an die Stelle, wo wir hin wollten und radelten weiter gen Elbe. Als wir sie dann endlich sahen, mussten erstmal Fotos und eine Mittagspause gemacht werden. So ein großer Fluß ist ja immer wieder beeindruckend. Wir beobachteten ein paar Schiffe und nahmen Kurs auf Südost, mit Wind von Achtern konnten wir hinterm Deich entlang düsen. Leider war das Flüßchen deswegen auch nicht so häufig zu sehen und einige von uns, waren davon leicht genervt... Wir steuerten mittags dann ein Café an, was einen großen und auch hohen Balkon hatte, ideal, um über den Deich hinweg auf die Elbe zu gucken und auf dem anderen Ufer badende Kühe zu beobachten. Bei Marzipan- und Stachelbeertorte ließen wir es uns so was von gut gehen und genossen unsere Sommerferien bis in jede Zelle. Der Wind stand immer noch gut und wir rollten bis Bleckede und trafen diverse Radwanderer, die ihre Räder hochbepackt hatten, teilweise sogar mit eingeschlagenen Camouflageschlafsäcken in Mülltüten. Aber wir sahen auch die durchgestylten Ortlieb Konsumenten, die mit ihren brandneuen Elektrorädern an uns vorbei peesten. Spannend. In Bleckede stoppten wir nach 89 km im Gästehaus Christa, was wir absolut empfehlen können. Geschmackvoll eingerichtet, Frühstück mit leckerem Müsli und fußläufig auch noch eine gute Pizzeria, die gleichzeitig für den Nachtisch auch Eis anbot, da waren manche Gemüter dann wieder beruhigt.
Das Wetter sah prima aus und wir freuten uns auf einen Sommertag an der Elbe. Noch kurz zum Supermarkt für etwas Tagesproviant, dann rollten wir in Richtung Hitzacker. Am Frühstückstisch erfuhren wir, dass es vor Hitzacker sehr hügelig werden sollte. Hier, direkt an der Elbe? Hmm, wir lächelten noch etwas überheblich, entschieden uns aber dagegen, die Elbseite nur deswegen mit der Fähre zu wechseln. Opa und Enkel, mit denen wir im Gästehaus Christa frühstückten, hatten das nämlich vor und erzählten erfurchtsvoll von Hügeln, bei denen man sogar schieben müsste, weil es so steil werden würde. Als wir an die Abzweigung kamen, die eine Strecke mit 13% Steigung ankündigte, entschieden wir uns für eine etwas flachere Variante- wir Weicheier ;-) Wir hatten zwar dadurch ein Stück an einer Kreisstraße, ohne Radweg, und mit einigen Rasern, aber es gab auch für uns mal eine Abfahrt, wo wir nur rollen lassen konnten. In Hitzacker sahen wir ein paar schöne Fachwerkhäuser, wir stoppten aber nur kurz, um unsere Getränkevorräte beim Netto aufzufüllen. Nach einer sehr sonnigen Rast mit diversen Störchen, die über uns schwebten, ging es bald danach mit dem ersten, kräftigen Regenschauer los. An der Schwedenschanze gabs dann noch einen wässrigen Weg bergauf und eine rutschige Abfahrt wieder runter... weitere Regenschauer folgten, aber wir konnten uns an einer Bushaltestelle unterstellen und am Ende erreichten wir gerade noch die alte Schule in Schnackenburg , bevor es wieder anfing zu schütten. Nach 87 km waren wir froh, dass wir nicht im Garten zelteten, wie wir es mal angedacht hatten, sondern dass wir ganz gemütlich unterm Dach die Aussicht auf den Kirchturm vom Ort hatten. Schnackenburg ist übrigens die kleinste Stadt Niedersachsens und hier treffen sich an der Elbe 4 Bundesländer: Mecklenburg Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen Anhalt. Es gibt auch ein Museum über die Zeit, als hier noch der eiserne Vorhang bestand. An der Hauswand hängt eine Gedenktafel, die an die Opfer erinnert, die hier in der Gegend bei Fluchtversuchen ums Leben gekommen sind. Erschreckend und für uns kaum mehr vorzustellen, was das für eine Zeit gewesen sein muss, dass die Menschen, bei 5° C Wassertemperatur versucht haben, durch die Elbe schwimmend oder mit selbstgebauten U-Booten in den Westen zu flüchten.
Am nächsten Morgen werden wir die Elbe verlassen und in Richtung Müritz radeln, damit wir auch mal Seen sehen.