Sonntag, 23. Juli 2017

Radwanderung Teil 1: Bonn - Bremen

Endlich Sommerferien, lange ersehnt, heraufbeschworen, und nun gehts ans erholen. So richtig und das ganz tief. Dafür haben wir uns überlegt, die Räder zu polieren und erstmal nach Norddeutschland zu fahren. Gestartet sind wir allerdings dann doch erst in Dinslaken, was wir mit dem Zug gut erreichen konnten. Von dort gab es das Rotbachtal zu bewundern, was sich als ein tolles Gebiet mit Flüsschen, Wald und lauschigen Wegen präsentierte (ein guter Tipp von 2Talls Vater, vielen Dank). An diesem Sonntag waren viele Spaziergänger unterwegs, die wie wir die schöne Gegend genossen. Auch wenn wir sowohl zu Hause als auch in Dinslaken Regen hatten, konnten wir die Strecke bis Wulfen im T-Shirt und kurzer Hose zurücklegen. Als Einstiegsetappe waren die 30 km gut zu machen und auch mit kleiner Einkehr am Wesel-Datteln-Kanal, kamen wir um 16 Uhr an unserem heutigen Etappenziel an. Kaffee und Kekse überbrückten das kleine Müdikeitsunterzuckerungsloch bevor es dann mit einem Freund zum asiatischen Buffet ging. Schmeckt ja dann doch immer wieder gut, wenn man so unterwegs war...
Wulfen-Nottuln (41 km)
Wir verbrachten noch einen ruhigen Vormittag in Wulfen, an dem wir den schmerzenden Rücken des Schwiegervaters und den unrunden Mantel von 2Talls Fahrrad richteten... zu viert ging es dann mit den Rädern nach Klein Reken, wo wir gemeinsam zu Mittag gegessen haben. Dort trennten sich unsere Wege wieder. 2Talls Eltern wollten noch eine Tour Richtung Haltern machen, wir radelten weiter nach Norden. Das Wetter war ein Traum, gepinselte Wolken, Sonnenschein, perfekte Temperaturen. Welch ein Urlaubstag, wir fühlten uns so frei, auch wenn wir lange an einem Munitionsübungsgelände vorbei fuhren, es waren vereinzelt ein paar Radler unterwegs, aber wir waren auch immer mal wieder ganz allein auf den Wirtschaftswegen zwischen Getreide- und Maisfeldern. So schön. In Nottuln überlegten wir kurz, ob wir noch weiter wollten oder den Allerwertesten in einer schönen Unterkunft entlasten. Wir entschieden uns für die Wellness-Variante und schnell war ein Hotelzimmer gebucht, was sogar eine Garage für unsere Räder hatte. Sollte das der perfekte Urlaubstag werden? Am Abend entschieden wir, dass dies einer von den perfekten Tagen war, von dem hoffentlich noch viele in diesem besonderen Jahr folgen werden.
Nottuln-Bad Iburg (79 km)
Wir schliefen wie die Steine... die Kilometer nach Nottuln am gestrigen Tag haben uns wohl doch etwas Körner gekostet. Ein paar Kilometer hinter Nottuln füllten wir unsere Provianttaschen im Dettener Dorfladen. Wie schön, wenn es in den kleinen Örtchen noch solche Läden gibt. Nicht nur für uns Radfahrer. Der Tag war geprägt von Umleitungen, die uns einige zusätzliche Kilometer einbrachten. Aber dank dieser zusätzlichen Kilometer, gabs auch einen schönen Ponyhof zu bewundern, der sehr idyllisch im Wald lag. Wir waren beeindruckt von so vielen Mädels und dem einen männlichen Reitlehrer. Das ist wohl doch kein Klischee, dass es auf Reiterhöfen nur so von Mädels wimmelt. Wir hatten an dem Tag viel Wind, der uns vorwiegend direkt ins Gesicht blies. Besonders am Ende des Tages hatten wir damit ganz schön zu kämpfen. Nicht nur der Wind begleitete uns an diesem Tag permanent, auch die Umleitungen waren ein Motto an diesem Tag. Bei der ersten Umleitung interviewten wir noch den Bauarbeiter, der uns zwar durch die Absperrung gelassen hätte, der uns aber prognostizierte, dass wir 2,7 km schieben müssten... nee, dann doch lieber 3 zusätzliche Kilometer radeln. Irgendwann überquerten wir dann den Dortmund-Ems-Kanal, konnten sogar ein paar Fischchen beobachten und später sahen wir noch einige Störche, die in einem Naturschutzgebiet umherstocherten. Wir fuhren durch wunderbare Gegenden, die ab und zu nur von Mähdreschern durchzogen wurden, die uns etwas zustaubten, aber trotzdem irgendwie zum Sommer gehören. Wir hatten manchmal das Gefühl, Deutschland bestehe nur aus Feldern und kleinen Waldstücken. 2Tall hatte mit seiner App tolle Strecken herausgesucht und wir fühlten uns schon sehr im Urlaubsmodus. Die letzte große Umleitung war dann kurz vor dem Ziel von Good Grips Freundin in Bad Iburg. Glücklicherweise war der Radweg aber frei und wir konnten uns in den Ort rollen lassen. Wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag und Abend mit Erinnerungen an die Schulzeit und spannenden Konstruktionen aus Bauklötzen ;-)
Bad Iburg-Diepholz (86 km)
Der Tag sollte heiß werden und so war es ein toller Start durch den Freeden zu rollen, der uns wunderbaren Schatten und Kühle am Morgen bot. Es waren schon ein paar Radler und Wanderer unterwegs, die wie wir das schöne Gebiet des Teuteburger Waldes genossen. Wir hatten bei der Streckenplanung am Abend vorher wegen der Steigungen etwas Bedenken, aber es erwies sich als sehr gut machbar und besonders schön waren dann auch die langen Abfahrten durch die Kornfelder. Es ist also auch bei hohen Temperaturen gut möglich, mit dem Rad zu fahren, denn der Fahrtwind macht es immer etwas kühler und frischer als es wirklich ist. Im Laufe des Tages wurden die Temperaturen aber dann doch noch so hoch, dass 2Tall einen Wasserverbrauch von 1l auf 10km Strecke hatte... entsprechend hoch war sein "Verbrauch" bei den knapp 90 km... Am Dümmer See fuhren wir lange durch Natur- und Vogelschutzgebiete, was mich sehr an Gegenden an der Nordsee erinnerte. Es gab aber auch einen Strandbereich, den wir kurz ansteuerten, um die Beine mal abzukühlen und Plastikflamingos zu beobachten. Die letzten 10 km nach Diepholz gingen teilweise auf dem Hunteradweg entlang, der uns auf dieser Strecke aber nicht so überzeugte. Inzwischen hörten wir, dass der Teil von Wildeshausen nach Elsfleth wohl deutlich schöner sein soll. In Diepholz übernachteten wir in einem kleinen Hotel, was uns auch Abends ein warmes Abendessen bot. Wir waren sehr froh, nicht mehr raus gehen zu müssen, denn das drohende Gewitter kam dann wirklich runter und wir hofften sehr, dass der Wanderer, den wir kurz vor Diepholz mit seinem Hund trafen, nicht im Zelt übernachten musste.
Diepholz-Fischerhude (100km)
Es regnete am Morgen immer noch, aber wir beschlossen, mit unserer Regenmontur loszufahren. Regenhose, Überschuhe und Regenjacke sind ja immer dabei, aber man schwitzt leider doch etwas unter den Klamotten, obwohl sie angeblich inzwischen auch atmungsaktiv sind... der Regen wurde aber immer weniger und so konnten wir auch irgendwann die Hosen wieder einpacken. Wir wählten die Strecke über Bassen, Twistringen und Syke und sahen Erdölförderung wie in Texas und sogar einen Hirschen, der mit seinem großen Geweih durchs Kornfeld spazierte. Beides war beeindruckend. Auf den Zug nach Bremen verzichteten wir dann doch und radelten die 100 km bis zu Good Grips Schwester. Wow, was für eine lange Etappe. Wir waren stolz auf unsere Beine und freuten uns auf die nächsten Tage mit lieben Menschen in wunderbarer norddeutscher Landschaft, mit Liegestuhl und Wellness im Otterstedter See.Leider waren an 2Talls Fahrrad schon einige Speichen von dem Weg in Mitleidenschaft gezogen, dass wir beschlossen, ein neues Laufrad zu erwerben. Das war also auch noch eine Aktion, die wir erledigten, denn wir planen, noch weiter zu radeln. Das war unsere erste Tour in den Ferien bzw. im Sabbatjahr, die wir sehr genossen haben. Wir haben liebe Leute wieder getroffen und sind herrliche norddeutsche Landschaft durchradelt. So kann es weiter gehen!

Donnerstag, 20. Juli 2017

Goldsteig Marktredwitz - Neunburg v. Wald

Die Anfahrt mit dem Auto nach Marktredwitz ist schon ganz schön lang, und bei sommerlichen Temperaturen brauchen wir nicht nur viel Sitzfleisch, sondern auch ab und zu mal die Klimaanlage. Wir malten uns schon in den schönsten Sonnenfarben aus, wie wir in den nächsten Tagen mit kurzen Hosen und T-Shirt durch die Landschaft wandern würden, aber dann kommt es doch alles ganz anders als man denkt, gell?
Wir gönnen uns ein kleines Päuschen auf dem Zimmer und schlendern dann aber nochmal los, denn direkt hinter unserem ersten Hotel befindet sich ein schönes Waldstück, was wir bei dem herrlichen Wetter noch nutzen, um uns nach der langen Fahrt die Beine zu vertreten. Wir gehen zu den Wendener Steinen und genießen ein wunderschönes Abendlicht, was wir als einen gutes Omen unseres Osterurlaubes nehmen.
Am Montag starten wir morgens gut ausgeruht und nicht mehr autbahn-seekrank ein letztes Mal mit unserem Vehikel nach Waldershofen, wo wir das Auto für die 10 Tage stehen lassen wollen. Direkt hinter dem Gartenzaun an unserem Parkplatz zeigt sich eine Dogge, die auf unser kleines Autolein hoffentlich gut aufpasst. Sie wirkt erst ganz ruhig, aber als 2Tall sie fotografiert, blafft sie plötzlich los und erschreckt uns mit ihrer tiefen Stimme erheblich. Der kleine Adrenalinstoß hilft aber beim Start, macht die Beine schnell und lässt uns schnell das gelbe Goldsteig- Schild finden. Los geht’s, auf dem Premiumwanderweg in Bayern.
Das Wetter ist perfekt, nicht zu heiß, aber sonnig. Wir müssen erstmal einige landwirtschaftliche Wege nutzen. Die Traktoren stauben uns leider kräftig ein, wenn sie mit ihren Gülleanhängern an uns vorbei rasen. Wir treffen aber auch auf einige MTB Fahrer und Hundespaziergänger, die alle sehr freundlich grüßen. Auf ein „Grüass Gott“ können wir uns aber irgendwie noch nicht einlassen, na, mal sehen, vielleicht nach den 10 Tagen im Ausland. Nach einiger Zeit sehen wir vor uns einen anderen Wanderer mit einem ziemlich großen Rucksack. Er schwankt auch ganz schön, mit seinem Gepäck. Kurz vor dem Marktredwitzer Haus sehen wir ihn dann auf einer Bank verschnaufen, aber wir gesellen uns nicht zu ihm, denn wir wollen einkehren und freuen uns schon auf eine kleine Mahlzeit mit bester Aussicht, die uns schon im Rother Wanderführer angekündigt wurde. Zur Weißensteinruine geht es nach Süppchen und Apfelstrudel schneller als erwartet und wir überholen sogar einige Familien, die mit ihren Kindern auf dem Ausflug interessante Debatten führen. Familienausflüge sind eben nicht immer entspannt, oder?
Wir klettern nacheinander auf den Turm der Burgruine (13. Jh.), der zwar restauriert wurde, aber bei diesem starken Wind doch irgendwie unsicher auf uns wirkt. Im Rother wird von einer einsturzgefährdeten Burg gesprochen und wir sind deswegen etwas irritiert, kommen aber beide wieder heile unten an und gehen weiter bergab am Kiebitzstein (ein natürlicher Bogen aus Fels) vorbei bis nach Friedenfels. Wir sind gut in der Zeit und deswegen recht früh an unserer Unterkunft der Schloss Schänke. Das Hotel sieht schon von weitem mit der angegliederten Brauerei eindrucksvoll aus und wir freuen uns schon sehr auf Dusche und Abendessen. Leider sind die Türen zu, aber 2Tall hatte ja telefoniert und wir rufen erstmal auf der Festnetznummer an, die auch am Eingang steht. Leider ist nur ein AB dran, aber was soll es, das Wetter ist super, wir sitzen auf der Terrasse vor dem Eingang und trinken erstmal einen Tee, wird ja sicher gleich einer kommen, war ja alles geregelt. Tja, dem ist dann aber auch nach 1 Stunde immer noch nicht so. So langsam werden wir schon etwas unruhig, aber das Hotel sieht jetzt nicht komplett verlassen aus, und 2 Nachrichten auf der Mailbox müssten doch eigentlich reichen, dass da gleich irgendeiner um die Ecke kommen wird, um uns zu begrüßen. Nix da, keine Anzeichen von Nichts… wir forschen nochmal auf der Homepage des Hotels und finden noch eine andere Festnetznummer, die wir anrufen. Und zum Glück geht ein „Trailangel“ ran, denn diese Frau verschafft uns ein Zimmer in der Pension nebenan. Es ist ihr alles sichtlich unangenehm, denn es gab vor ein paar Wochen ein Pächterwechsel in der Schloss Schänke, der neue Pächter ist noch nicht da und der Typ, mit dem 2Tall alles geregelt hat, ist raus. Wie jetzt… und keine Nachricht über unsere Reservierung?? Das muss ja ganz übel gelaufen sein. Nicht nur die Frau kümmert sich um uns, nein, auch der Geschäftsführer (Schänke, Brauerei..) kommt irgendwann mit seinem fetten SUV vorgefahren und möchte uns zum Essen in den nächsten Ort fahren. Am Montag ist nämlich in Friedenfels alles dicht und er hat angeblich schon eine tolle Idee, wo er uns hinfahren will. Der Tag scheint aber unter keinem guten Stern zu stehen, denn am Marktredwitzer Haus (kennen wir ja schon ;-) steht ein Schild „Wegen Trauerfall geschlossen“ und auch die Pizzeria im nächsten Ort hat zu. In Erbesdorf findet sich dann schlussendlich eine Pizzeria und wir sind von der gesamten Situation ziemlich geplättet und wissen nicht so ganz, ob wir lachen oder nur den Kopf schütteln können. An dem Abend gibt es dann noch ein heftiges Gewitter, was absolut zu diesem Tag passt. Bizarr. Unser Zimmer ist übrigens besonders, es gibt nämlich kein Badezimmer im eigentlichen Sinne, sondern ein Zimmerchen mit Toilette und Dusche und ein Waschbecken im Schlafraum. Die Nasszelle ist allerdings etwas eng, Tür und die Toilette sind so nah beieinander, dass wir mit unseren langen Beinen nur schräg aufm Pott sitzen können, sonst geht die Tür nämlich nicht zu… nein, dazu gibt es kein Bild im Blog, vergesst es!
Es gibt leider Handwerker in der Pension, die mich pünktlich um 6.30 Uhr wecken. Gut, die Matratze war nun auch nicht unbedingt so gemütlich, dass ich da noch eine Stunde hätte drauf rumrollen können, aber ausgeschlafen bin ich nicht. Nach einem leckeren Frühstück und selbstgebackenem Kuchen sind wir kurz vor 10 Uhr startklar und gehen ein letztes Mal an der Schloss Schänke vorbei und werfen nochmal einen bösen Blick in die dunklen Fenster. Hilft ja alles nix… wir verlassen den Ort bei deutlich reduzierten Temperaturen und streifen uns schon nach ein paar Metern Handschuhe und Mütze über. Die Seenlandschaft, die dann bald kommt, sollen wir, laut Wegführung, eigentlich umgehen, weil ein Bahnübergang gesperrt ist. Das ignorieren wir aber einfach mal und freuen uns über eine tolle Gegend, in der wir sogar brütende Schwäne sehen. Beim Bahnübergang müssen wir noch nicht mal unter den Schranken durchtauchen, sondern können einfach den ausgetrampelten Weg außen herum und über die Schienen nehmen. Da waren wir wohl nicht die Ersten, die das so geregelt haben… Weiter gehts an Fischinformationstafeln und dem Trimm-dich-Pfad vorbei, der mit seinen Anweisungstafeln tatsächlich exakt nach Turnvater Jahn aussieht. Hier ist die die Zeit irgendwie stehen geblieben… auch die Biber fühlen sich hier wohl, wir sehen viele alte und recht frische angespitzte Bäume, leider aber keine Biberburg und auch keinen lebenden Kandidaten. Dann kommen uns Waldarbeiter in die Quere und wir müssen ausweichen und schlendern idyllisch an einer Autobahn entlang. Die Waldarbeiter haben mit Wanderern, glaube ich, so gar nix am Hut, denn da wird einfach mal ein Stück gesperrt, ob es eine andere Möglichkeit gibt, zum Ziel zu kommen, ist denen völlig wumpe…. Dank GPS und guten Karten, lotst 2Tall uns da aber immer ganz sicher wieder raus.
Unsere Unterkunft "Zum goldenen Stern" hat um 15.30 Uhr zwar noch nicht auf, aber wir klingeln und uns wird prompt aufgemacht, tolles Gefühl ;-) Auch wenn am Nachmittag noch im Goldenen Stern die Heizung ausfällt, wird es uns mit der entsprechenden zünftigen Musik und dem angefeuerten Kachelofen schön warm in der Gaststube. Die veganen Absichten werden von einigen von uns mal einfach über den Haufen geworfen und plötzlich steht ein einsames Jägerschnitzel auf unserem Tisch… also, ich wars nicht.
Das Frühstück ist nach dem guten Abendessen etwas mau , es besteht aus Filterkaffe mit Kaffeesahne, weißen Semmeln und Stachelbeermarmelade. Deswegen kehren wir noch in den kleinen Dorfladen neben der Burg ein und decken uns mit süßen Teilchen ein, die uns aber gar nicht so gut bekommen, ein zünftiges Lunchpaket finden wir dann zum Wandern doch irgendwie besser. Auf gehts ins liebliche Waldnaabtal mit bizarren Felsformationen mit ungewöhnlichen Namen wie Kammerwagen, Teufelsbutterfass und Gletschermühle. Es ist dort wirklich sehr idyllisch an und wir lassen uns an diesem Tag viel Zeit, die schönen Stellen bei Sonnenschein auf den diversen Bänken zu genießen. Das Bächlein plätscherte links, die Felsen und Douglasien zieren den rechten Hang, sehr hübsch... einzig und allein die vielen Taschentücher hinter Büschen und Bäumen nerven und stören unsere Augen sehr. Liebe Mädels, denn ich gehe mal davon aus, dass ihr dafür verantwortlich seid, auch Damen können "abschütteln". Dazu braucht es nicht ein ganzes Taschentuch, und wenn schon Papiertuch, dann doch bitte einbuddeln, das geht mit jeder Fußspitze am Wanderschuh ganz ordentlich. Ihr selber kommt vielleicht nicht nochmal an eurer "Markierung" vorbei, aber diverse andere Leute müssen sich das dann ansehen und sind definitiv „not amused“.
Auch an der Waldnaab sehen wir wieder einige angespitzte Biberbaumstämme, aber leider keinen Biber. Es ist ein toller Weg, und auch wenn eine Gastwirtschaft „Blockhütte“ direkt am Weg liegt, kehren wir nicht ein, sondern wandern wir einfach den angeblich kraxeligen Weg, für den man unbedingt Trittsicherheit benötigt, weiter. Es ist halb so wild, es gibt Treppen, kleinere Felsen und viele Wurzeln. Also, alles gut machbar für uns, auch mit kleineren Blasen und einem mal wieder beginnenden Schienbeinkantensyndrom. Es ist wirklich kaum zu fassen... auf dem Soonwaldsteig hatten wir nix und hier beginnen die ersten Blessuren schon nach 2 Tagen, das muss an der Höhenluft liegen, in Bayern ist eben doch alles anders ;-)
Wir laufen an der Waldnaab bis Neuhaus, wo wir beim heimischen Bäcker noch einen Kaffee draußen an der Hauptstraße trinken. Da sitzt wahrscheinlich sonst kein Mensch, denn jeder, der mit seinem Auto vorbei fährt, guckt uns mit großen Augen etwas ungläubig an. Unser Hotel liegt nur ein paar Schritte weiter und das Beste an diesem Etablissement ist die Sauna, die ich am Nachmittag für mich allein habe und ausgiebig nutze. Herrlich!
Wir sehen hier an den Häusern übrigens häufig das Wort Zoigl. Das ist ein selbstgebrautes Bier, was wir aber bisher nicht probiert haben. In der Zeit, wo man in der Stube sein Bierchen schlürft, hängt draußen der sechszackige Bierzeigl. Inzwischen ist aus dem Zeigel ein Zoigl geworden, aber das kann nach einem gewissen Konsum von Selbstgebrautem ja schon mal passieren.
Die Nacht endet mit einem extremen Glockengeläut, um 7 Uhr gibt es hier gratis Kirchenglocken-Konzert im Ort. Ich kann es aber mit einem Hechtsprung zum Fenster etwas eindämmen und unsere Schlummerstimmung noch bewahren. Das Frühstück macht dann aber alles wieder wett und mit einem super leckeren Cappuccino (fr)essen wir das halbe Buffet leer und den Rest packen wir dann auch noch in unsere Dosen. Die Frau am Nebentisch guckt etwas pikiert, aber als Wanderer sind wir da schon, was komische Blicke angeht, immun. Wir starten bei noch trockenem Wetter und schlendern durch das beschauliche Neuhaus bis zur Waldnaab, wo es einige Kilometer entlang geht. Leider müssen wir mal wieder die AB kreuzen und das Rauschen begleitet uns noch eine ganze Weile. Unter der AB Brücke kreuzen wir den Weg eines Rehs, was sich panisch in den nächsten Zaun stürzt. Das sind Schreckensmomente für uns und ist furchtbar mit anzusehen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass bei so einer Wucht, nicht auch Verletzungen entstehen, Zäune helfen also nicht nur...
Etwas später passieren wir eine Pferderennbahn, eine sehr kleine, für kleine Pferde. Die gehörte wohl zu dem angrenzenden Isländer-Gestüt. Leider sehen wir aber nur diverse Hufspuren und Böppelhaufen, aber kein Pferdchen, schade :-( Mit einigen Schauern und Schlumpf-Kostüm kommen wir um ca. 16 Uhr am Sparrer-Wirt an. Trotz einiger Pausen und Fußbalsamierungen finden wir uns für die 21 km ganz schön flott und genießen den „Regenwaldduschkopf“ in einem relativ neuen Gästehaus, auch wenn es direkt an einer viel befahrenen Straße liegt
Wir sind für jedes Frühstücksbuffet eine Plage. Wenn wir einige Tage gewandert sind, knurren uns am Morgen schon so die Mägen, dass es uns selbst manchmal etwas unheimlich ist. Und wenn es dann endlich soweit ist, stürzen wir uns auf Kaffee, Brötchen, Orangensaft, Kuchen, Müsli... das ist schon erstaunlich, was wir so wegputzen können. Aber es schmeckt natürlich auch immer viel besser, wenn wir uns nur an den gedeckten Tisch setzen müssen. Beim Sparrer-Wirt wars mal wieder so lecker, dass wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben und bei den ersten Kilometern, nur rollend vorwärts kamen. Vielleicht liegt es aber auch an dem langen Vortag, die 21 km sitzen uns doch noch etwas in den Knochen und wir müssen uns erst einmal wieder locker laufen. Zum Glück können wir direkt über die Straße beim Sparrer in den Wald gehen, um auf den Goldsteig zu kommen. Das ist ein schöner Zuweg, deutlich besser, als auf Asphalt zu latschen. Das Wetter ist sonnig, trocken und eignet sich hervorragend für einen weiteren Wandertag.
Die Streckenführung verläuft durch Waldstücke, aber auch über Felder. Da kreuzen dann mal ein Reh, ein Eichhörnchen und ein Mountainbiker den Weg und wir schlendern gemütlich unserer Wege. An der Wolfslohklamm treffen wir auch endlich mal wieder Menschen, aber ansonsten ist es sehr ruhig auf dem Goldsteig, was uns gut gefällt. Das Teufelsbutterfass (eine Felsformation) lassen wir dann kurz vor dem finalen Schlussanstieg doch rechts liegen, denn zusätzliche Wege sind bei 2Tall am Nachmittag einfach nicht mehr drin („I hate side trips…“). Die letzten 100 Höhenmeter schaffen wir, ganz langsam und mit Blick auf die Leuchtenburg. Wir erreichen um 15.30 Uhr die Gaststätte und Pension "Zum Burgkrug". Das Zimmer ist ok, ausnahmsweise gibt es mal keinen Fernseher, aber eine heiße Dusche, was uns wichtiger ist und außerdem einen Burgblick, wenn man sich weit genug aus dem Fenster lehnt.
Am Abend wird dann extra für uns die Gaststube angeheizt und das Licht angeschaltet, nachdem wir den Hausherrn beim Snookergucken unterbrechen müssen... das Essen ist ok, auch wenn das Allzweck-Allerlei-Gemüse sowohl in der Gulaschsuppe als auch dann auf unserer vegetarischen Pizza zu finden ist. Das macht uns aber nichts aus. Komisch wird es allerdings, als eine Gruppe junger Männer, die sich das Bier reinziehen, laute Musik auf ihrem Handy hören und auf dem rollbaren Billardtisch ein paar Runden spielen, die Gaststube „entern“. Sie haben wohl schon einiges getankt, denn nicht alle können überhaupt noch gerade stehen und rülpsen frei raus. Ich bitte den einen, sein Handy etwas leiser zu stellen, was er sofort macht und mir weismachen will, dass er heute Geburtstag hat. Na, herzlichen Glückwunsch. Wir sind froh, als sie irgendwann wieder los ziehen und wir allein an unserer Pizza knuspern können.
Wir befürchten fürs Frühstück schon ein reduziertes Angebot, weil das Abendessen auch eher „schlicht“ daher kam, aber wir werden mit kleinen Teilchen, Saft und diversen Brötchen überrascht. Das war für unser Lunchpaket perfekt und so schmierten wir kräftig und kamen um 9.35 Uhr los. Wir machten noch einen kleinen Abstecher zum Bäcker, in der Hoffnung, dass es ein schokoladiges Quengelregal gäbe, dem war aber leider nicht so. Ein paar Schlümpfe und andere Gummitiere, sonst nix. Immerhin noch ein Schokocroissant und einen Donut mit Schokoglasur, die wir dann noch für den Weg käuflich erwerben, um für die 20 km gerüstet zu sein. Wir sind nach dem Ort in einem schönen Waldstück und werden von knatternden Jungs auf Mopeds belästigt. Wir wechseln mehrmals Blicke und auch die Jungs fühlen sich wohl nicht ganz wohl, durch den Wald zu lärmen. Im Laufe des Tages wandern wir dann durch ein weiteres Flußtal, dem schönen „Pfreimdtal“. Die Pfade sind toll und die Ruhe hier gefällt uns sehr. Kurz vor unserem Ziel gehen wir noch durch Kaufnitz. 2Tall ist in kreativer Robert-Gernhardt Stimmung: Bilden sie mal einen Satz mit Kaufnitz! „Trotz Werbung sagt die Antje heuer, ich kauf nitz, Alter, viel zu teuer.“
Unser Bedarf nach Zucker und Süßkram ist inzwischen so groß, dass wir in Thännesberg die Tankstelle stürmen und uns eindecken. Die haben wir für die nächsten Jahre erstmal finanziell saniert. Am Abend essen wir in einem anderen Hotel, weil unser Etablissment nichts anbietet. Das wird aber zur bizarren Veranstaltung, weil das Essen doch so ganz anders ist, als erwartet. Im Grunde genommen werden wir immer satt und es ist ja auch ein wahnsinniger Luxus, jeden Tag Essen zu gehen, aber wir nehmen auch nicht mehr alles hin, und wenn man auf der Karte eine Pizza con tonno bestellt, und dann aber eine Salami Pizza erhält, weil im Kleingedruckten der Karte steht, dass die Pizza Tonno ohne Thunfisch sei, werden wir stutzig.
Der Tag fängt damit an, dass meine Thermoskanne nur mit lauwarmem Wasser gefüllt wird und ich bei jedem Schluck aus meiner Kanne darüber genervt bin, dass ich das nicht gecheckt habe. Es wird kalt und regnerisch und ein heißer Tee wäre da eine echte Hilfe gewesen, nun gut. Wir starten auf dem geologischen Pfad, der zwar eine Menge Infotafeln bereithält, aber leider auch viel Schotterautobahnen bietet. Am Ende des Pfades gibt es eine Grube mit Steinen, die natürlich alle ganz geologisch sind und auch zum Mitnehmen dort rumliegen. Ich kann mich gerade noch zurückhalten, mir den Rucksack mit Steinen vollzuladen… Wir passieren die Burgruine Wildenstein, die Jakobus Kapelle mit dem Beginn eines Jakobsweges und kämpfen uns durch Wind und Regen. Insgesamt ist es eher eine ernüchternde Etappe, die ihren Höhepunkt am späten Nachmittag hat, als die Unterkunft in Oberviechtach nicht auf hat, und wir als Antwort auf einen Anruf eine dreiste SMS zurück geschickt bekommen. Zum Glück gibt es eine Konditorei in Ort, die tolle Kuchen und Kaffee anbieten, so dass wir die Zeit überbrücken können. Als es dann endlich Zeit zum Einchecken ist, ist der Typ sowas von unverschämt, dass wir uns um eine andere Übernachtungsmöglichkeit kümmern und zum Glück auch noch was finden, nämlich wieder in der leckeren Konditorei, die auch Fremdenzimmer anbieten. Wir sind schon noch länger irritiert über so viel Dreistigkeit von der eigentlich gebuchten Unterkunft und können das Erlebte nicht einfach so abhaken… Für das Abendessen gehen wir in die Pizzeria nebenan und freuen uns über die gute Atmosphäre und die leckere Pizza dort.
Die Wetteraussichten hören sich nicht gut an und mit voller Montur, Skiunterwäsche, Mützen und Handschuhe ziehen wir am nächsten Tag durch den Ort. Es gibt aber auch noch nette Leute in Oberviechtach, denn wir werden gefragt, ob wir uns verlaufen hätten und zum Goldsteig wollten. Klar, wollen wir, aber wir wissen, Dank GPS, wo es lang geht ;-) Die erste Tee Pause können wir in einem überdachten Bushäuschen machen und wir sind froh, dass wir etwas Schutz haben, denn es fängt an zu schneien und im Laufe der Zeit, werden die Flocken immer dicker und fallen ganz langsam und idyllisch in die schöne Landschaft. Wir können uns nicht satt sehen, an diesem Schauspiel. Immer wieder bleiben wir stehen und bewundern die weiße Pracht. Nach 4,5 Stunden Dauerschnee, völlig verfroren, nass und kaputt reicht es uns aber komplett mit der Idylle und wir wollen nur noch in die Unterkunft. Wir sind echt fertig und genießen die heiße Dusche im Krämerhof noch mal viel mehr als an den anderen Tagen. Wir hoffen, dass sich das Wetter etwas beruhigt, denn einen weiteren Schneetag können wir uns nicht vorstellen.
Der Schnee ist am Morgen immer noch da und wir sind uns unsicher, ob es eine gute Idee ist, weiter zu wandern, aber die Wetteraussichten sehen besser aus und wir starten in unseren letzten Wandertag in Richtung Eixendorfer-See.
Wir wagen uns hinter Thanstein ins Kulzer Moos, auch wenn unser Wirt davon abrät, aber der Rother empfiehlt diesen Abstecher, den wir auch nicht bereuen. Da gibt es einen schönen Plankenweg, viele Birken und natürlich Infotafeln über den Torfabbau. Kurz hinter dem Moorstück teilt sich der Goldsteig in einen nördlichen und südlichen Teil. Wir gehen ein Stück auf dem südlichen Teil, passieren noch die Schwarzenburg und verlassen dann aber bald den Goldsteig, um zum Stausee zu gelangen. Der Weg am See entlang ist für Radfahrer sicher toll, aber wir haben das Gefühl auf Asphalt zu latschen und so kommen wir ganz schön platt am Panoramahotel an. Auch hier gibt es wieder eine Saunalandschaft, die ich ausgiebig nutzen kann. Ich war zwar diesmal nicht allein, aber was gibt es Schöneres nach einem Wandertag, den Körper richtig durchzuheizen.
Am Abend gibt es dann nach dem Essen noch Champions-League auf Großbildleinwand, aber leider verlieren die Bayern gegen Real und die Stimmung ist entsprechend schlecht, denn wenn Bayern verliert und auch der Urlaub quasi vorbei ist, sinkt die gute Stimmung schon mal ins tiefe Tal der Traurigkeit *sniff*.
Der letzte Tag unserer Tour. Wir laufen ca. 5km nach Neunburg vorm Wald, um dort in den Bus nach Schwandorf zum Bahnhof zu kommen. Es klappt alles gut, denn Busse und Bahn sind pünktlich. Für das letzte Stück von Marktredwitz nach Waldershofen gönnen wir uns ein Taxi, was uns zu unserem Auto mit Dogge bringt.
Fazit dieser Osterferien? Das Stück Goldsteig, was wir jetzt gesehen haben, ist immer noch geprägt von viel Landwirtschaft. Aber wir haben eine Ahnung bekommen, wie einsam es in bestimmten Gegenden in Bayern sein kann. Vielleicht wird es im weiteren südlicheren Verlauf noch etwas pfadiger und wilder, denn dann gibt es ja auch noch ein paar Hügel, die es zu erklimmen gibt und die sicherlich auch nochmal dem Goldsteig einen besonderen Flair geben. Happy trails!


Montag, 17. Juli 2017

Soonwaldsteig

Freitag: Jägerhaus im Bingerwald nach Bingen
Endlich hatte die jecke Zeit begonnen und wir durften mal wieder raus. Wir waren ganz schön schulmüde und freuten uns sehr, ein paar Tage in der Natur zu sein, dabei bekocht zu werden und sich täglich an den gedeckten Tisch zu setzen. 2Tall hatte mal wieder einen logistisch hervorragenden Plan im Vorfeld erstellt, so dass wir mit dem Auto Mittags bei einem Wanderparkplatz am Jägerhaus ankamen, um das Auto dort abzustellen und loszumarschieren.
Leider war der erste Blick auf den Weg etwas ernüchternd, denn da war ein großer Zaun, der anzeigte, dass wir diesen Weg nicht nehmen konnten. Wir ignorierten die Sperrung aber einfach, was auch schon viele andere vor uns getan hatten, wie man am ausgetrampelten Weg neben dem Zaun sehen konnte und stapften los. Nach einiger Zeit trafen wir ein anderes Wanderpärchen, was wir sofort wegen des Weges interviewten. Sie gaben grünes Licht, meinten, dass es nur eine Stelle gab, die etwas schmaler werden würde, weil vom Pfad etwas abgebrochen sei. Na dann...
Der Weg war mit dem Bach und dem Wald sehr idyllisch und dazu hatten wir ein Traumwetterchen.
Irgendwann kam dann der Rhein in Sicht und an einem schönen Aussichtspunkt mit Bank und Sonne, entdeckten wir eine Kopie eines Heimatliedes am Baum... ungewöhnlich, merkwürdig. Wir wanderten weiter auf dem Eselspfad, Richtung Bingen, passierten das Schweizer Haus und genossen einen tollen Blick auf Rhein und Mäuseturm. Unsere erste Übernachtung war dann im Hotel in Bingen, leider hatte die Jugendherberge keinen Platz mehr für uns, sonst wären wir natürlich dort eingekehrt.
Samstag: Bingen-Kirn-Forellenhof
Es waren ja eigentlich nur ca. 13 km am gestrigen Tag, aber das Gepäck und der Weg hatten uns doch etwas müde gemacht. Meine Hüftmuskeln waren wohl wegen des Radfahrens etwas verkümmert, aber Dank meiner kleinen Faszienrolle konnte ich alle Teile meines Bewegungsapparates wieder so bearbeiten, dass ich beschwingt am nächsten Morgen in den Zug steigen konnte. In Bingen auf dem Bahnhof begegneten wir grölenden Fußballfans und schon recht angeheiterten Karnevalisten. Die Mischung machte es auch nicht unbedingt besser...
Es ging von Bingen über Bad Kreuznach nach Kirn, an den Ausgangspunkt des Steiges, wo wir Mittags ankamen. Wir mussten erstmal etwas durch den Ort und einige sonnige Hänge bergauf laufen, bis wir wieder so richtig in Wanderstimmung kamen. Das Wetter war weiterhin traumhaft, so dass wir in der Sonne sitzend unsere Mittagspause auf einem kleinen Spielplatz machten. Im Wald überfiel uns dann das totale Trailgefühl, denn die Umgebung war dem Trailhead in Georgia so ähnlich. Leider waren die Traillegs noch nicht halb so gut wie damals und wir quälten uns, schwitzten und keuchten bei jeder kleinen Anhöhe.
Bis zu unserer nächsten Unterkunft, dem Forellenhof, kürzten wir dann etwas ab und wählten die Zufahrtsstraße zum Hotel. Der Forellenhof lag abseits von Straßen und jeglicher Zivilisation (kein Handyempfang), war aber von der Ausstattung ganz schön gediegen. Uns gefiel es sehr, denn es war ausgesprochen ruhig und die Sauna konnte ich am späten Nachmittag auch noch für meine müden Knochen nutzen. Sehr genial.
Sonntag: Forellenhof nach Gemünden
Wir waren am Morgen tatsächlich die ersten beim Frühstück und ließen es uns ausgiebig am noch üppigen Buffet schmecken. Nachdem die Brotdosen wieder reichlich gefüllt waren, ging es bei Sonnenschein am Bach entlang in den Wald. Wir trafen unterwegs diesmal ein paar Leute, einen einsamen Angler, Mountainbiker und etwas abseits sogar 2 Zelte. Leider wurde der Weg dann etwas kraxelig, weil es nicht nur bergauf ging, sondern auch Hindernisse in Form von diversen gefällten Bäumen gab. Das Zeug lag da natürlich noch so rum, wurde mit einem Flatterband abgesperrt, aber wie man als Wanderer auf dem Weg nun weiterkommen sollte, konnte uns keiner sagen.
Aber wegen des Wochenendes ignorierten wir auch diese Absperrung und schlugen uns durchs Gehölz.
Die Belohnung ließ nicht lange auf sich warten, denn als wir auf der Höhe am Aussichtsturm ankamen, gab es eine phantastische Sicht und die entsprechende geschwungene Bank zum Sonnenbaden. In der Ferne hörten wir Stimmen und nach einiger Zeit kam das Wanderpärchen vom ersten Tag aus der entgegengesetzten Richtung. Sie machten nur einen kurzen Stopp, wirkten etwas gehetzt, denn sie wollten den Steig an diesem Tag unbedingt beenden. Er jammerte etwas über Knieprobleme... wir vermuteten, dass sie sich etwas zuviel vorgenommen hatten, denn sie hatten in nur 3 Tagen die 85km gemacht.
Nach dem Turm ging es dann eine Zeit lang auf dem Höhenrücken entlang und diverse Steinmännchen säumten den Weg. Das war schön anzusehen, auch wenn der Untergrund immer noch sehr steinig und felsig war und wir balancieren mussten. In der Ferne erblickten wir dann irgendwan schon unseren Zielort, aber am roten Fels hieß es nochmal richtig, die Wadenpumpe anzuschmeißen.
Bis Gemünden waren es noch ein paar Kilometerchen, aber wir schafften es wohlbehalten, am Gasthof anzukommen. Das Etablissment war etwas einfacher als der Forellenhof, aber das Restaurant machte schon um 18 Uhr auf... das war wunderbar. Komischerweise entwickelten sich die Traillegs nur halb so schnell, wie unser Wanderhunger...
Rosenmontag: Gemünd- Argenthal
Wir ließen uns am nächsten Morgen auf die Höhe zurückfahren und starteten bei eisigem Wind. Also, erstmal wieder die komplette Ausrüstung angelegt: Halstuch, Mütze, Handschuhe. An der Altenburg gabs "mal wieder" einen Turm, den ich diesmal auch nutze, um die Aussicht zu bewundern. Aber der Wind pfiff doch recht frisch da oben und so wurde es nur ein kurzer Weitblick in die Gegend. Mit dem Wetter hatten wir auch diesmal wieder Glück. Es regnete nicht und zwischen dem grauen Himmel gab es sogar mal ein paar blaue Flecken.
Irgendwann trafen wir dann auf eine Schutzhütte mit einer Infostafel über das Herkuleskraut... aha, das könnte die Ursache gewesen sein, warum meine Augen am gestrigen Abend so gejuckt und gerötet waren. Entgegen dem Motto, "nur gucken-nicht anfassen" habe ich mir da wohl was eingehandelt, als ich unbedingt an dem Kraut riechen wollte und die Blätter ausgiebig zwischen meinen Fingern zerrieben habe. Wird mir hoffentlich eine Lehre sein.
Auf dem Wanderparkplatz, wo wir unsere Wanderung an dem Tag beendeten, wollten wir gerade die Pension anrufen, als ich zwei Hundespaziergänger entdecke, die mit ihrem großen Auto auf dem Parkplatz standen. Ich sprach die beiden kurzerhand an, bat um einen Lift für uns. Das Ehepaar und auch der Hund waren kurz irritiert, nahmen uns dann aber mit in den Ort und brachten uns bis vor die Tür unserer Unterkunft. Es gibt sie also doch, die deutschen Trailangels.
Wenn die Tanke um die Ecke noch aufgehabt hätte, wäre das ein perfekter Abschluss für den Tag geworden, aber wegen der Karnevalstage hatten sie geänderte Öffnungszeiten. Ach ja... es war ja immer noch Karneval, hatten wir schon fast vergessen, aber "es" erwischte uns dann doch noch am Abend, als wir nämlich die Gaststube betraten, kamen uns Pharaos und Prinzessinnen entgegen. Aus dem Nebenraum wurde gegrölt und mit einer Trompete versucht, "Alle meine Entchen" zu spielen. Das war alles so absurd! Und genau aus dem Grund, feiern wir keinen Karneval.
Dienstag: Argenthal-Jägerhaus im Binger Wald
Nach einem tollen Frühstück und gutem Marschproviant, brachen wir zur letzten Etappe auf. Wir ließen uns vom Chef des Hauses zum Wanderweg zurückfahren und konnten bei Wind und Sonne direkt vom Schanzer Kopf starten. Es dauerte nicht lange, bis wir die ersten Windräder hörten, denn die Dinger rauschten enorm und der Wald war leider durchzogen von Schotterzufahrtsstraßen zu diesen futuristischen Windmühlen. Leider blieb dann der Untergrund vermehrt auf Schotter oder Asphalt, was wir mit unseren zarten Füßen einfach nicht gutheißen konnten. Der Plan war ja, keine Regenponchos an diesem verlängerten Wochenende zu benutzen. Am Salzkopf konnten wir noch eine kurze, trockene Rast machen, dann fing der Regen doch noch an und wir mussten passend zu Karneval, das Schlumpfkostüm auspacken.
Die letzten Kilometer gingen dann nur noch bergab und wir rasten zum Auto und waren entsprechend froh, als es in Sicht kam und wir ins Trockene springen konnten.
Das war er also, der Soonwaldsteig... ganz schön, kann man machen, aber leider von den Wegen nicht uneingeschränkt perfekt. Trotzdem waren wir sehr froh, dass wir wieder wandernd ein paar Tage draußen verbringen konnten. Happy trails!

Freitag, 14. Juli 2017

Ski-Langlauf in der Eifel

Nur 11km, und noch dazu keine „wirkliche“ Wanderung, aber der Tag war so gut, darüber müssen wir berichten. Auch wenn wir erst stundenlang anstehen mussten, um die Langlauf-Ski ausleihen zu können…
An einem schönen Tag im Januar begab es sich, dass sowohl tolles Wetter als auch gute Schneebedingungen vorhergesagt waren. Also beschlossen wir auf Betreiben einer nicht näher benannten einzelnen Dame, zum „Schwarzen Mann“ in die Eifel zu fahren, wo es nicht nur einen Abfahrtshang samt Skilift und ein entsprechendes Gasthaus gibt, sondern auch gespurte Loipen. Und schon nach einer Stunde Anfahrt und anderthalb Stunden Warterei beim Skiverleih konnten wir los! (Wir mussten natürlich nur wegen den Abfahrtski-Verrückten so lange warten, und irgendwann gab es gar keine Abfahrt-Ski mehr zum Ausleihen, aber wir standen in derselben Reihe, obwohl nur ungefähr dreieinhalb Leutchen Langlauf-Ski haben wollten!) Beim Warten froren wir uns fast zu Tode, aber wir konnten uns ja abwechseln, einer ging dann immer ins Gasthaus und wärmte sich kurz am offenen Kamin etwas auf.
Es waren wirklich traumhafte Verhältnisse wie aus dem Bilderbuch: Sonne, blauer Himmel, tiefverschneiter Wald, und die Loipe fast für uns allein. Die Fotos geben es hoffentlich annähernd wieder. Wir haben es auch geschafft, uns nicht auf die Klappe zu legen, selbst in scharfen Kurve am Ende der einzigen halbwegs ernst zu nehmenden „Abfahrt“. Dabei stehen wir nur ungefähr genau einmal pro Jahr auf solchen Rutschbrettern.
Der krasse Gegensatz dazu offenbarte sich natürlich, als wir zurück am Gasthaus waren: Überall Leute und Lärm, quengelnde Kinder, Schneematsch und fettige Pommes. Aber es gab ja das schöne Feuer im Kamin, und so mussten wir leider, leider auch etwas zu Essen bestellen, um noch ein bisschen in der Wärme sitzen zu dürfen ;-)

Montag, 10. Juli 2017

Wanderungen im Bayerischen Wald

Zwischen den Jahren und über Neujahr waren wir im Bayerischen Wald, um vielleicht ein wenig Schnee zu haben. Das hat auch ein bisschen geklappt, aber nur in den höheren Lagen.
Unser Stützpunkt befand sich in der Nähe von Sankt Englmar. Wir verließen uns auf den Rother Wanderführer „Bayerischer Wald“ und auf das Wanderbuch „Bayerischer Wald – Wandern & Einkehren“ aus demselben Verlag. Als erste Tour wählten wir bei mäßigem Wetter „Durchs Perlbachtal nach Mitterfels“, und die ist wirklich empfehlenswert. Wir hatten zu dieser Jahreszeit das Tal fast für uns allein. In den Tagen danach war es weiter neblig und wir fuhren zum Berggasthaus Zottling und gingen auf den Erlebnispfad Panoramablick, allerdings ohne Blick. Auch der Hirschenstein lag am nächsten Tag im Nebel, aber es gab oben ein bisschen Schnee, und die Forstwege waren gefährlich glatt gefroren, sodass wir uns wie auf einer Eisbahn fortbewegen mussten.
Ein Höhepunkt war die Uferwanderung am Schwarzen Regen entlang von Markt Teisnach aus. Wir konnten leider keine Biber beobachten, aber ihre Spuren waren allgegenwärtig, und der Pfad erinnerte uns stellenweise an den Appalachian Trail. Aber auch die Wanderung zum kleinen Arbersee konnte überzeugen, schließlich gingen wir fast die ganze Zeit durch Puderzucker-Schnee, und endlich hatten wir auch mal blauen Himmel. Ein Traum!
Jetzt waren wir vom Schneewandern angefixt und fuhren zum Hohenbogen, um von der Diensthütte aus zum Eckstein und zum Ahornriegel zu gehen. Wald, Schnee, Sonne, Ausblicke – da gings uns gut. Außerdem wanderten wir hier einige Schritte auf dem Goldsteig, was uns auf die Idee brachte, diesen doch mal im Frühling in Angriff zu nehmen, doch dazu später mehr.
Fazit: Der Bayerische Wald ist eine Wanderung wert. Oder sogar noch ein paar Wanderungen mehr. Außerdem lohnt es sich, eine Unterkunft mit Sauna im Haus zu buchen, das fördert die Entspannung nach dem Wandern. Was für ein Luxus!