Sonntag, 23. April 2017

Radwanderung: Rhein - Lahn - Main - Tauber - Altmühl - Donau

Skandal! "Ein Jahr wandern" geht fremd - und fährt Fahrrad! Oder zählt etwa das "Radwandern" auch als wandern? Wie auch immer, wir hatten beschlossen, im Sommer mal mit dem Fahrrad eine längere Tour zu machen.
Wir starteten von Bonn aus den Rhein hinauf, und es hatte definitiv was, dass wir da einfach mit den Rad von zu Hause aus losfahren konnten, ohne erst irgendwelche anderen Verkehrmittel zu benutzen. Am ersten Tag, der schon richtig heiß war, erreichten wir Koblenz. Wasserverbrauch war bei mir (2Tall) über 8 Liter pro 100 km, obwohl wir ja immerhin den Fahrtwind hatten. Wir hielten während dieser Tour überall, wo es ging, um unsere Wasserflaschen aufzufüllen oder sonstwie ein kaltes Getränk zu bekommen. An der Lahnmündung fanden wir ein kleines Hotel, aber wir konnten kaum schlafen, weil es so heiß war. Wir legten uns immer wieder Handtücher, die wir mit kaltem Wasser getränkt hatten, auf den Körper, aber es half fast nichts.
Am nächsten Tag radelten wir die Lahn hinauf, und es gab einige wunderschöne Abschnitte. Am besten gefiel uns der Teil, wo man eigentlich nicht radeln soll, weil es direkt am Ufer nur einen schmalen Pfad gibt, aber wir waren nicht die einzigen Radler, die sich hier durchschlugen, denn wer hat schon Lust, auf der Straße aus dem Tal zu klettern (was der offizielle Weg gewesen wäre). Gerade in dem Teil des Tals, wo es keine Straße gibt, ist es doch am ruhigsten und schönsten. Das fand auch die Entenfamilie, die sich direkt mit Good Grip anfreundete...
Wir verließen dann irgendwann durch das Seitental des Flüsschens Weil die Lahn und überquerten den Taunus, um an den Main zu kommen. Wir hatten Glück und fanden sogar ein bezahlbares Zimmer mit Klimaanlage, auch wenn Good Grip zunächst vom Personal recht unfreundlich empfangen wurde. Wer weiß, vielleicht lag es am verschwitzten, abgerissenen Aussehen? ;-)
Auch am Main hatten wir weiter Glück mit dem Wetter, es war zwar höllisch heiß, aber wir waren abends rechtzeitig im Hotel, um das Unwetter mit Starkregen aus dem trockenen Zimmer zu beobachten. Wir erreichten schließlich unser nächstes Zwischenziel, das romantische Taubertal, das seinen Namen wahrlich verdient hat. Auch Rothenburg ob der Tauber war sowas von romantisch, und die einheimischen Hotelbediensteten waren uns ebenfalls auf Anhieb sympathisch, denn sie duzten uns direkt und gaben ihre Vorurteile über Norddeutsche zum Besten...
Heiß wars immer noch, und so fuhren wir weiter über ein paar kleine Hügel hinüber zur Quelle der Altmühl, der wir dann komplett bis zur Mündung folgten. Hier erwischte uns zwar doch noch ein halber Regentag, aber abends in Eichstätt war schon alles wieder trocken. Nur waren wir etwas erschöpft und mussten uns am Buffet des örtlichen China-Restaurants wieder aufpäppeln, bevor wir dann in einer urig-bayerischen Pension einschliefen.
In Kelheim "gönnten" wir uns mal eine Nacht in der Jugenherberge und durften die üblichen Erfahrungen machen: Erstens gibt es zur Jugendherberge schließlich am Ende zu guter Letzt immer den finalen Schlussanstieg, zweitens gibt es immer eine Gruppe, die irgendwie die ganze Zeit lärmt und nervt, und drittens fühlt man sich im Speisesaal einer Jugendherberge doch sofort wieder ca. 30 Jahre zurück versetzt.
Am nächsten Morgen bestiegen wir samt Fahrrädern ein Schiff, das uns durch den Donaudurchbruch zum Kloster Weltenburg brachte, von wo aus wir noch eine gewisse Strecke die Donau entlang gondelten. Dieser Abschnitt war aber zeitweise recht langweilig und wurde nur durch bizarre Bahnübergänge aufgepeppt, wo die Schranken nur nach Anforderung und halbstündigem Warten aufgehen... und über die lange Bahnfahrt von Donauwörth nach Bonn und die Unfähigkeit der deutschen Bahn, die Fahrradbeförderung sinnvoll zu organisieren, schweigen wir hier besser.
Fazit: Eine Radwanderung ist auch eine Wanderung und eine gute Alternative zu den üblichen Wanderschuhen!

Sonntag, 2. April 2017

Vogesen Durchquerung

Da wir ja schon vor dem Sabbatjahr den ersten Teil der Vogesen-Durchquerung auf dem GR53 von Wissembourg nach Rothau gewandert hatten und uns die Gegend sehr gefallen hatte, beschlossen wir, noch einmal dort hinzufahren, um unsere Strecke fortzusetzen.
An unserem ersten Urlaubstag ging es mal direkt fett zur Sache, mit 700 Höhenmetern Aufstieg kamen wir ziemlich ins Schwitzen, aber trozdem genossen wir diesen Tag sehr, denn das Wetter konnte schöner nicht sein. Die Blätter waren schon ein wenig verfärbt und die die Sonne blitzte nur so durchs Blätterdach. Kitschig schön.
Nach nur einigen hundert Metern in Rothau waren wir auf einem Wanderweg, der uns zum GR5 bringen sollte und schon bald gabs wunderbare Ausblicke auf Wälder, Heidelbeer-Flächen und auf die ein oder andere Kuh- und Ziegenheerde. Es waren nur wenige Menschen unterwegs, schon mal gar keine mit Rucksack und wir mussten sehr viel an den Trail denken. Das sind so schöne, leichte Gedanken und wenn wir uns beamen könnten, dann würden wir jetzt wohl den Indian Summer in Maine genießen. Schon um kurz nach 16 Uhr kamen wir im Skiort Champs du Feu an und mit den großen Parkplätzen konnten wir uns den Rummel im Winter hier gut vorstellen.
Unsere Unterkunft  war neu renoviert und auch fast barrierefrei, wenn man die Brücke mit den Holzbohlen und die Schottersteine auf dem Weg zum Haus mal abzieht. Wir genossen eine heiße Dusche und unser erstes französisches Abendessen, wofür wir eine Übersetzerin brauchten, denn wir verstanden außer Pommes de terres nix. Wir sind mit unseren französischen Sprachkenntnissen etwas eingerostet, glücklicherweise sprechen hier im Elsass aber viele auch deutsch.
Unser Frühstück am nächsten Morgen war mit den Croissants und den Pains au chocolat alles andere als vegan, aber in Frankreich schmecken diese Leckereien einfach köstlich und so beschlossen wir, für den Urlaub mal das zu essen, was es hier so gab, wie gesagt, ein sehr hartes Schicksal.
Wir füllten unsere Brotdosen und zogen dann bei norddeutschem Nieselregen den Skihang hoch, wo wir einen Blick über einen riesigen Parkplatz hatten, sehr unheimlich. Wieviele Touris hier wohl im Winter die Hänge runter rasen? 
Glücklicherweise entschied sich das Wetter irgendwann dazu, den Schalter von Nieselregen auf Sonnenschein umzulegen und ausgerechnet an den Cascaden konnten wir unsere erste Pause im Sonnenschein genießen. Leider war nach diesem schönen Wasserfall ein Weg wegen Holzfällarbeiten gesperrt, so dass wir den Umweg auf der Straße durch den kleinen Ort nehmen mussten. Aber so gab es die Möglichkeit, den Trimmpfad und das Kneipp-Becken zu bewundern. Ausprobiert haben wir aber beides nicht.
Der Weg führte dann weiter am Grand Hotel vorbei, wo schon Konrad Adenauer nächtigte, der Glanz von damals besteht leider nicht mehr, aber ein Restaurant gibt es immerhin schon mal wieder, was wir aber links liegen ließen, denn wir wollten ja an diesem Tag zur Hotellerie im Kloster von Sankt Odile. Das Kloster hat eine grandiose Lage und bei relativ gutem Wetter hatten wir einen tollen Blick über die Rheinebene bis zum Schwarzwald. Die Hotellerie hatte den Charme einer gehobenen Jugendherberge, und auch das Essen bot mit dem Abendbrot- und Frühstücksbuffet ungefähr das gleiche Angebot. Aber bei der Lage nahmen wir das gerne in Kauf und zahlten auch gerne etwas mehr.
Am Abend und in der Nacht regnete es heftig und wir fürchteten schon am nächsten Morgen baden zu gehen, aber wir konnten morgens sogar ohne Jacke los und hatten schon bald am Männelstein einen tollen Blick auf Strassburg und diesmal sogar bis zu den Alpen. Von dort ging es dann stetig bergab und irgendwann leuchteten uns die ersten herbstlich verfärbten Weinberge entgegen. Bis Barr war es nicht mehr weit und dort wollten wir ein paar Sachen einkaufen. Leider hat es dann für eine neue Thermoskanne (meine ging nämlich am ersten Tag kaputt) nicht gereicht, aber ein paar Snickers und eine Tüte blaue "Schtrümpfe" , in Deutschland heißen sie Schlümpfe, kamen doch in den Rucksack. Leider kam dann doch mehr als ein Schauer runter und bis Andlau wurde es richtig nass und unser Schlumpf-Poncho-Kostüm kam zum vollen Einsatz. Wir sind weiterhin begeistert von unseren funktionellen Regenponchos, aber das Aussehen ist eher erschreckend. 
Das Hotel in Andlau sah sehr vonehm aus, aber dieser Eindruck hielt sich nur bis zu unserer Zimmertür. Dahinter verbarg sich ein Anblick aus den 70ern mit einem froschgrünen Badezimmer. Aber wenn die Dusche warm ist, sind wir zufrieden und dann ist uns auch die Fliesenfarbe egal. 
Der Ort Andlau ist sehr beschaulich und mit seinen Fachwerkhäuschen und engen Gässchen bei Touristen sehr beliebt. Wir entschieden, den Abend mit einer Pizza zu beenden. Standesgemäß, wie auf dem Trail quasi. 
Am nächsten Morgen stand uns ein ziemlicher Anstieg bevor, denn es sollte auf den Ungerberg gehen, und mit über 900 Höhenmetern hatten wir ordentlich was zu tun. Der Gipfel stand noch in den Wolken und nach dem ersten Teilstück Kraxelei beschlossen wir, doch nicht den höchsten Punkt zu stürmen, sondern auf einem Forstweg etwas unterhalb vorbei zu ziehen. Das war eine gute Entscheidung, denn unsere Kondition war alles andere als trailig. Der 2. Aufstieg zur Burg Bernstein wurde dann nämlich auch nochmal schweißtreibend und beim Abstieg nach Dieffenthal half noch nicht einmal das Notsnickers, um uns wieder Energie zu geben. Wir waren ko und sehr froh, dass es in den 3.Stock des Hotels einen Aufzug gab. Unser Zimmer war riesig mit einem Himmelbett und rosiger Bettwäsche, das musste ja zur Regeneration beitragen. Die Atmosphäre in dem Hotel war uns allerdings ein wenig zu gediegen und wir waren froh, als das Essen beendet war und wir wieder in unser Himmelbettzimmerchen gehen konnten. Leider knarzte das Bett fürchterlich und die Nacht wurde dann doch nicht so erholsam. 
Am nächsten Morgen mussten wir erstmal einiges an Straße latschen und leider war mein Schienbein darüber gar nicht "amused", aber dank Kinesiotape war ich bald wieder lauffreudig unterwegs. Als mir dann unterwegs noch 2 Äpfel geschenkt wurden, nahm ich das als gutes Omen für den Tag. Wir kletterten durch die Weinberge in die Höhe und hatten leider nur wieder Waldautobahnen unter unseren Füßen. Das war etwas schade, denn wir hatten gehofft, dass der Aufstieg zur Königsburg etwas romatischer würde. Dafür wurden wir dann oben aber mit einem grandiosen Blick verwöhnt und dazu gabs es aus dem Souvenirshop pseudomittelalterliche Flötenmusik gratis. Die Kombi von Touristen, Eselrucksäcken und Storchtrinkflaschen hatte was bizarres und wir genossen dieses Komplettpaket trotzdem ein wenig. Die Elsässer stehen total auf Störche. Irgendwo scheinen diese Vögel in Massen zu leben. Wir sahen nicht ein Storchennest, dafür aber diverse Bilder auf Bechern, Topflappen, Geschirrhandtüchern oder eben Trinkflaschen. Der Abstieg nach Thannheim war dann nur noch ein Klaks und wir waren gespannt auf unser heutiges Etablissment. Es wurde ein nobler Abend und eine ruhige Nacht. Das alte Gutshaus wurde nämlich wunderbar renoviert. 
Wir wanderten am Freitag unfassbar gut gesättigt los. Das Frühstücksbuffet war irre lecker, angeblich alles selbst gebacken, was wir dann aber doch nicht ganz glauben konnten. 
An diesem Tag stand uns mit diversen Burgen, Auf- und Abstiegen und dem Königsstuhl ein volles Programm bevor. Es wurde lang, es wurde schön und wir hatten am Ende des Tages richtig müde Knochen. Dafür gabs ein kleines Highlight für die Nacht. Die Gite ist nämlich im Hostelstyle eingerichtet und die Dusche war im Zimmer, im Gegensatz zur Toilette, die auf dem Flur war. Nach den ganzen super noblen Unterkünften, war das eine willkommene Abwechslung. Abends gabs  ein gutes Abendessen, nur das Frühstück am nächsten Morgen war etwas dünn und mit unserem Wandererhunger kamen wir mit dem trockenen Stück Baguette auch nicht so weit. Aber der kleine Ortsladen hatte am Samstagmorgen geöffnet und wir konnten noch Wegzehrung kaufen, um den Tag zu überstehen. Die Blicke der zwei Herren im Laden waren allerdings vernichtend und ich fühlte mich extrem unwohl. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass wir leicht als Deutsche zu erkennen sind, oder dass wir hier wandern? Vielleicht wars die Kombi aus beidem. 
Der Aufstieg aus dem Dorf war schweißtreibend, da ziemlich steil. Es dauerte nicht lange, da waren wir in den Wolken und wegen des Windes wurden immer mal wieder größere Wolkenfetzen über uns rüber geweht. Irgendwann sahen wir eine Gruppe Rotwild, ein Hirsch mit seinen Damen. Der Wolkennebel, die Tiere, es war eine mystische Stimmung, die uns gut gefiel.
Es ging dann bis hinauf auf den großen Brezouard auf 1228m und auf dem Weg nach oben trafen wir immer wieder Mountainbiker, die ebenfalls die tolle Landschaft genossen. Die Bäume auf dem höchsten Punkt hatten durch die Feuchtigkeit der Wolken eine schöne Moosschicht an den Stämmen und desöfteren dachten wir an einen Hexenwald. Ein Knusperhäuschen hinter der nächsten Biegung hätte uns irgendwie nicht gewundert. 
Auf dem Weg Richtung Le Bonhomme hatten wir dann noch die Möglichekeit der Einkehr, also fast so gut wie Knusperhütte, und mit einem warmen Kaffee und einem Apfelkuchen, war es eine erholsame Unterbrechung. Richtung Örtchen mussten wir dann tatsächlich noch den Weg mit einigen Kühen teilen, die aber absolut "wanderercool" waren, die Mädels zuckten noch nicht einmal mit den Ohren, als wir passierten. Unsere Unterkunft in Bonhomme war etwas einfacher, aber wegen des Wochenendes gut besucht. Die Besitzer waren Italiener und wir freuten uns schon auf Pizza, aber es wurde dann doch die Minestrone und die Lasagne. Auch lecker.
Nicht, dass wir mal einen Morgen mit Einlaufen hatten, nein, es ging immer sofort steil. Leider war es wieder sehr nebelig und wolkig und dadurch auch kalt. Wir kamen an diversen Relikten des 1. Weltkrieges vorbei und es war traurig, dass an diesem Ort über 10000 Menschen wegen dieser Unsinnigkeit "Krieg" ihr Leben verloren. Und am Ende kommen die Touristen, ein komisches Gefühl, dass wir dazu gehörten und dann über Schlachtfelder und Friedhöfe wanderten. 
Leider wurde die  schönste Etappe in den Vogesen zur Nebelpartie mit Sichtweiten unter 20m, die tollen Ausblicke im Les Haute Chaumes auf den Lac Blanc oder den Lac Vert verpassten wir, sehr schade, denn auch der Reiseführer schwärmte von dieser Gegend.
Unser Hotel befand sich am Col de la Schlucht auf 1139m, wir durften also noch einiges absteigen, bevor wir endlich nach einem langen und kalten Tag die heiße Dusche genießen konnten. 
Der Nebel war auch am nächsten Morgen noch dicht und dick, aber trotzdem gab es einige Wanderer, die wie wir unterwegs waren. Als wir dann vom höchsten Punkt abstiegen, klarte es langsam auf und wenigstens hatten wir dann bei unserem Picknick in der Sonne einen klaren Blick zurück auf den Hohneck. Untermalt wurde der Blick übrigens von klingelnden Almkühen, die mit ihren Glocken ganz schön Krach machten. Nach einem Abstieg zum Stausee, wurde der Weg am Bach weiter absteigend wunderschön und wir waren begeistert von der urwäldlichen Stimmung hier. Wir kreuzten viel Geröllfelder mit mächtigen Steinen und trauten uns kaum zu atmen, um keine Lawine auszulösen. 
Unser einfaches Hotel für die Nacht lag mitten im Örtchen und sowohl am Abend als auch am nächsten Morgen war Almabtrieb. Was für ein Geklingel und Geruch der Hinterlassenschaftten, sehr ländlich eben. Wir kraxelten auf 924m und hatten mal wieder einen sagenhaften Blick aufs Örtchen Mettlach.
Das war an diesem Tag aber immer noch nicht der höchste Punkt und weiter ging es in Richtung Wolken und Route des Cretes, die nämlich hier häufig parallel des Weges läuft. In der Ferne sahen wir dann sowohl Gleitschirmflieger und an anderer Stelle Hirsche und Rehe, da wurde uns nochmal richtig was geboten. Auch wenn es am Ende des Tages wieder durch ein "verseuchtes" Skigebiet" ging. Jeder Skifahrer sollte sich die Gegenden auch im Sommer ansehen, das ist nämlich erschreckend, was der Sport aus der Landschaft macht. Unsere Unterkunft war mitten in diesem Gebiet und leider gab es dann auch noch eine Baustelle direkt vor unserem Zimmer. Ungünstiger ging es nicht.
Am nächsten Morgen hatten die Blätter eine Eisschicht und die Kälte kroch uns ganz schön unter die Jacken. Wegen des Wetters und der schlechten Sicht gingen wir dann nicht ganz auf den Grand Ballon, aber etwas unterhalb dieses Berges gab es eine Einkehrmöglichkeit, die wir nutzten, um uns aufzuwärmen. Die Busladungen mit Touris und den Souvenirshop nahmen wir missbilligend in Kauf. Es gibt sie wirklich, Leute, die Kuhglocken en miniature mit der Aufschrift Grand Ballon kaufen. 
Bergab ging es zu unserer letzten Auberge Mehrbächel, die nochmal sehr schön gelegen war und einen tollen Blick ins Tal bot. Eselchen und Hähne gaben interessante Töne von sich und wir genossen am Abend ein sehr leckeres Abendessen. 
Als Fazit können wir sagen, dass es sich auf dem GR5 gelohnt hat, zu wandern. Die Landschaft ist toll, allerdings hätten wir es uns manchmal gerne etwas einsamer gewünscht. 
Die Elsässer sind allerdings extrem fleischliebend und als Veganer sollte man diesen Teil Frankreichs eher meiden. Bonne journee!

Donnerstag, 19. Mai 2016

Pfälzer Höhenweg

Der Pfälzer Höhenweg war für uns der letzte der drei Pfälzer Weitwanderwege. Inzwischen sind unsere Ansprüche an Mittelgebirgswanderungen in Deutschland sehr hoch, und wenn man das ein bisschen im Hinterkopf behält, dann finden wir den Pfälzer Höhenweg insgesamt ganz ok. Vielleicht ein bisschen zu viele geschotterte Feldwege. Aber das hat man wohl leider so in Deutschland.
Außerdem stehen wir ja total auf Wald, am besten muss es schöner dichter, naturbelassener Wald sein, aber den hat man auf dem Pfälzer Höhenweg natürlich nicht so häufig, schließlich sagt der Name ja auch schon, dass man auf den Höhen unterwegs ist, und da gibt es oft freie Felder mit weiten Blicken, was ja auch mal ganz schön ist. Außer man hat mieses Wetter, wie es ja im April mal vorkommen kann.
Besonders mies war ein Tag, an dem es fast nur geregnet hat, und die Temperaturen auch nur knapp über dem Gefrierpunkt lagen. Die Rotoren der Windräder verschwanden schon fast in den Wolken, und es gab noch nicht einmal ein Plätzchen zum Unterstellen für uns. Schließlich erreichten wir einen verlassenen Modellflugplatz, dessen verschlossene Hütte ein Dach hatte, was ca. 30cm über die Außenwand hinausragte - ein grandioser Platz zur Einkehr! Mit behandschuhten klammen Fingern verspeisten wir unsere Brötchen und machten, dass wir weiterkämen. Wir rasten förmlich zur nächsten Unterkunft und hatten Glück, dass wir schon am frühen Nachmittag hinein durften und heiß duschen konnten.
Aber eigentlich war ja der zweite Tag schon der schlimmste gewesen: Sturmwarnung, und wir im Wald! (Ja, Wald!) Ganz schön heftig, wie die Bäume geschwankt haben, aber wir leben noch und haben das Bastenhaus erreicht, wo Good Grip die Sauna genießen konnte. Zur Belohnung gings dann auch am nächsten Tag bei besserem Wetter ins höchst gelegene Dorf der Pfalz. Höhenweg eben!
Weitere Highlights bestanden aus einem Fischschwarm im Wald (siehe Foto) und einem Aufstieg zur Selberghütte, die unverständlicherweise gerade an Ostern geschlossen hatte - dafür war wenige Kilometer weiter die Rutsweilerhütte auf, und wir kamen doch noch zu unserer Feiertagseinkehr.
Fazit des Ganzen: Kann man machen, aber vielleicht lieber etwas später im Jahr, wenns mehr Grün gibt, weniger Regen, und höhere Temperaturen.

Montag, 16. Mai 2016

Eifelsteig Gemünd - Kornelimünster

Endlich wieder Karnevals-Session, endlich wieder ein langes Wochenende, was die einen nutzen, um sich als Sensenmann oder Pirat zum Affen zu machen, oder die anderen, um eine Wandertour in der Eifel zu genießen.
Wir haben uns mit unseren langen Unterhosen, Handschuhen, Mützen und Schlauchschals ausgestattet und sind bis nach Gemünd mit dem Auto gefahren, um von dort bis nach Kornelimünster, dem nördlichen Beginn des Eifelsteigs zu laufen.
2Tall hat für diese Tour einen neuen Rucksack in Gebrauch, den er selber genäht hat und der deswegen auch passt. Toll! Ich bin total beeindruckt, dass er Rucksäcke machen kann, ich kann noch nicht mal einen Reißverschluss einnähen...
Das Wetter war in den ersten Stunden unserer Etappe sonnig bis manchmal ganz schön windig. Sollte es die nächsten Tage so bleiben, wären wir super zufrieden. Denn die Aussichten hatten Regen von Westen versprochen und wir waren im Westen, tief im Westen ;-)
Die großen Schilder kündigten früh den Truppenübungsplatz an, wo immer wieder ein "Betretungsverbot" ausgesprochen wurde. Komisches Wort, aber wegen der "gefährlichen" Gegend wohl notwendig. Wir blieben also ganz vorschriftsmäßig auf den Wegen zwischen den roten Pfosten und sahen bald schon die Kasernenanlage, die immer noch von Holländern und Belgiern genutzt wird. An einer geschützten Stelle eines Gebäudes nutzen wir die Picknickbank für unsere Mittagsmahlzeit und genossen die Sonne dabei. Was gibt es Schöneres, als ein selbstgeschmiertes Hasenbrot mit Gürksken und Tomätchen, auf einem Sitzpad sitzend zu verspeisen und dazu aus der Thermoskanne Tee zu trinken.
Nicht weit weg von der Kaserne begann das Gelände der Ordensburg Vogelsang. Ein völlig übertriebener Bau der Nazis, der mit Abstand betrachtet immer mächtiger und absurder erschien. Völlig irre!
Etwas weiter folgte die nächste Besonderheit auf dem Steig, nämlich die Wüstung Wollseifen. Ebenfalls ein absurdes Beispiel verrückter Militärführung. 1946 mußten nämlich ca. 500 Menschen das Dorf wegen der Einrichtung eines Übungsplatzes "mal eben räumen". Nicht, dass man kurz nach dem 2. Weltkrieg nicht noch andere Dinge zu tun gehabt hätte, als sich eine neue Heimat zu suchen. Quasi Obdachlosigkeit leicht gemacht.
Einige Häuser und die Kirche stehen noch, was aber die Trostlosigkeit dieses Ortes nur noch unterstreicht. Wegen des Kosovokriegs, einige Jahre später, wurden nochmal kurzfristig ein paar einfache Häuser aufgebaut, um den Kampf auf der Straße zu üben. Es bietet sich ein bizarrer Anblick und der Nieselregen, der dann auch noch runter kam, machte alles itgendwie bizarr. Die Leute des Ortes sind aber mit ihrer Heimat wohl immer noch verbunden und pflegen die Ortschaft als Museumsdorf.
Wir hatten ab Wollseifen noch ein paar Kilometer vor uns und legten den Stechschritt ein, weil wir Sorge hatten, dass das Tageslicht nicht mehr reichen würde. Aber die Abendstimmung am Rursee hatte auch etwas, fast allein mit diesem besonderem Licht, gingen wir am Ufer entlang und konnten noch einige Eisfelder auf dem Wasser beobachten.
Unsere Unterkunft in Einruhr war schnell gefunden und die holländischen Gastgeber wollten erstmal Kohle sehen, ok, gut, zahlen wir eben vorher. Das Zimmer war übersichtlich, die Dusche warm, das Essen ebenso, also fast paradiesisch ;-) Nein, das wars nicht, aber die Leute sehr nett und zuvorkommend, immerhin. Ich wollte noch gemütlich abends lesen, aber um 21.30 Uhr schlief ich stumpf ein und wurde bis zum nächsten Morgen auch nicht mehr wach. Selbst 2Talls Betteinsturz hörte ich nicht, der Weg und das Wetter kosteten wohl doch mehr Energie als gedacht.
Am nächsten Morgen mußten wir erstmal aus dem Tal herauskraxeln, hatten dann aber einen schicken Blick über See und Örtchen. Die Sonne strahlte auch schon und wir freuten uns auf einen tollen Wandertag, der schon so schön trailig begann. Die Sonne wurde immer wärmer und als wir zum weißen Kreuz sehr steil gingen, schwitzten wir unfassbar und wir wunderten uns gar nicht über Leute, die uns im T-Shirt entgegenkamen. Dieser Abschnitt des Steigs erinnerte mich sehr an unsere ersten Tage auf dem AT, denn das Licht, die warme Sonne, die kahlen Bäume und Hänge, sahen der Gegend in Georgia so sehr ähnlich. Vor fast einem Jahr starteten wir von Amicalola Falls. Schon fast ein Jahr her? Unbelievable!
Wir hatten noch weitere Höhenmeter und Kilometer vor uns, so dass wir auch die Pause am Kreuz irgendwann beenden mußten. Die Strecke am Kluckbach kürzten wir etwas ab und das war gut so, denn der Uferweg mit der tiefstehenden Sonne war wildromantisch und 2Tall konnte seine Kamera kaum aus der Hand legen. Bis Höfen ging es dann weiter bergan, aber so richtig ausschreiten konnten wir wegen der vereisten und teilweise verschneiten Wege nicht. Es wurde rutschig bis eisig und da war ich mal wieder froh, dass ich meine Stöckchen dabei hatte, die mir auch in dieser Situation tapfer "zur Seite standen".
In Höfen suchten wir vergeblich die Hecken am Heckenweg, aber im Ort gabs dann endlich schicke Häuser mit Buchenhecken, endlich Hecken. Das Dorf hat wohl schon Preise eingeheimst, wegen dieses schönen Buschwerks, aber wir erfreuten uns über ganz andere Dinge. Als Wanderer ist ein warmes Plätzchen zwischendurch einfach mal schön, und dass wir dann noch Kaffee und frisch gebackenene Waffeln in der alten Molkerei bekamen, machte die Pause super. Da nahmen wir auch in Kauf, dass uns ein Polizist bediente und im Hintergrund "...und wenn das Trömmelsche geht" aus den Lautsprechern plärrte.
Von Höfen wars nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft am Perlenbach, aber die Sonne war hinter den Bäumen verschwunden und die Luft schnell kalt. Da mußten wir nochmal Handschuhe und Tücher rauskramen, um die letzten 2 km nicht zu frieren. Was für ein wunderbarer Tag auf dem Eifelsteig, traumhaft gute Aussichten, Landschaften, Bach- und Flußrauschen mit viel Sonne.
Unsere Unterkunft war wieder etwas belebter mit einigen Wandergruppen und holländischen Familien, aber das Zimmer super ruhig und groß, so dass wir uns voll ausbreiten konnten. Wir haben ja für drei Tage nie wirklich viel dabei, aber abends sahen die Zimmer immer wie nach einer Bombenexplosion aus. Irgendwo hingen stinkige Socken und schlammbespritzte Hosen und dazwischen Müll von Müsliriegeln oder Snickers ;-)
Am folgenden, vorletzten Tag sollte es auf den höchsten Punkt des gesamten Steigs gehen, über den Steling mit 659m. In Monschau hatten wit ein bißchen abgekürzt, denn da wurde es uns zu touristisch und beim Aufstieg Richtung Mützenich bekamen wir einen ersten Eindruck von den vereisten Wegen. Hoch gehts ja immer noch etwas besser als unkontrolliert runter zu rutschen, aber angenehm wars trotzdem nicht. Und es wurde immer kälter je höher wir kamen. An der angeblichen Bettstatt von Karl dem Großen (nach der Legende hat er hier mal mit seinen Mannen genächtigt) machten wir an der Schutzhütte unsere erste Rast und aßen unsere Brötchen. Trotz Hütte und Tee wurde es uns bald zu kalt und wir marschierten wieder los, um warm zu werden. Die Strecke über das hohe Venn war dann nur noch mit Mütze und Kapuze zu ertragen, es war so eisig. Aber die Sonne kam nochmal raus und wir legten die schnurgerade Asphaltkilometer wenigstens bei Sonnenschein zurück. Das belgische Hochmoor mit den vielen Birken und Sträuchern sah schon ganz idyllisch aus, aber die Asphalttreterei mit den vereisten Stücken war anstrengend.
Es waren an diesem Tag auch viele Wanderer unterwegs, aber wir trafen auch Radfahrer, wobei sich einer direkt vor unseren Augen wegen des Eis auf die Klappe legt, autsch.
Bis Roetgen waren es noch ca. 5km, aber irgendein Rosenmontagsumzug dröhnte uns entgegen. Wir hatten etwas Sorge, dass wir mit unserer Unterkunft an der Bundesstraße vielleicht mitten im Getümmel sein könnten, aber es wurde dann doch ganz ruhig im "Genagelten Stein". Denn wir waren die einzigen Gäste und eigentlich waren Montag und Dienstag Ruhetag, aber wir durften trotzdem bleiben, sollten uns im Restaurant einfach mit Getränken bedienen und anrufen, wenn was wäre. Vertrauensvoll sind wir wohl ;-)
Zum Abendessen gingen wir dann in die Pizzeria direkt nebenan. Wir hatten zwar am Nachmittag einen etwas unfreundlichen Wirt erlebt, der mich erstmal zum Schuhe putzen auf den Abtreter schickte, aber der Hunger war dann einfach zu groß, um noch ein anderes Restaurant in Roetgen zu suchen. Der Ort kommt jetzt nicht wirklich romantisch daher, da die befahrene Bundesstraße direkt durch den Ort führt, aber wir durften ja am nächsten Tag weiter ziehen ;-)
Das taten wir auch, und bei Nebel und vielleicht einem Grad über Null mußten wir erstmal in Gang kommen, um warm zu werden. Es wurde ein ganz guter letzter Abschnitt auf dem Eifelsteig. Wir kamen an riesigen Öfen vorbei, wo vor Jahren Kalk gebrannt wurde und auch die letzten Kilometer nach Kornelimünster wurden am Bächlein richtig idyllisch. Ein letzter Kaffee vor dem Münster, dann ging es mit dem Bus zurück nach Gemünd.
So gefallen uns die Karnevalstage am besten, alaaf!