Mittwoch, 20. September 2017

AT: Eckville Shelter - Rock 'n Sole Hostel

Der Ruhetag im Common Ground Retreat war klasse, wir haben uns gut erholt und hofften, dass 2Tall mit den neuen Schuhen besser zurecht käme. Mike brachte uns zum Eckville Shelter zurück und betonte nochmal, dass wir uns bei Schwierigkeiten melden könnten. Wir waren so froh, dass wir Mike und Lyndie kennengelernt haben und waren dankbar für dieses Angebot. Leider wurde deutlich, dass auch die neuen Schuhe nicht sofort Schmerzfreiheit bei 2Tall brachten. Er quälte sich ziemlich, schnürte die Schuhe mal fest und mal locker und war entsprechend frustriert, dass nichts half.
Der Weg zu den Pinnacles war stark frequentiert, denn es war sonnig und die Leute hatten wegen des Wochenendes frei für eine Wandertour. Wir trafen Hinz und Kunz und die entsprechenden Hunde dazu. Was für ein Gewusel auf dem AT. Die Aussicht war spektakulär und auch der Trail war weiterhin spektakulär felsig und rutschig. An einer Lichtung machten wir einen kurzen Stop, als uns ein Mann ansprach und mir statt des Plumpsklos eine richtige Toilette im Astronomical Park anbot. Das war ja schon mal ein Highlight, es kam aber noch besser, denn er ließ uns durch eines der sechs Teleskope schauen und gab uns noch eine kleine Führung. Wir konnten Sonnenflecken und Protuberanzen durchs Teleskop sehen, wow, das war mal eine ganz neue Art von Trailmagic. Wir waren total fasziniert und freuten uns über die bereichernde Pause. Bis zu unserer Campsite war es allerdings noch etwas Gekraxel, immerhin gab es direkt an unserem Schlafplätzchen eine Quelle. Das Schlafen im Wald war für uns nicht mehr ganz so stressig, aber unruhig waren wir schon. Leider regnete es die Nacht auch noch, so dass wir am Morgen mal wieder nasse und dementsprechend rutschige Felsen zu überwinden hatten. Die Waldstimmung mit dem Nebel war allerdings auch besonders und wir gingen langsam in Richtung Port Clinton, wo wir auf eine Einkehr hofften. Der Ort entpuppte sich aber leider als total unbrauchbare Trailtown, denn der Peanut Shop hatte nur Bonbons in sämtlichen Formen und Farben und das Hotel öffnete erst um 11 Uhr. Lange warten wollten wir nicht, deswegen gingen wir zurück zum Getränkeautomaten, der gegenüber der Kirche stand, um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Am Hotel war uns schon ein junger Typ aufgefallen, der dort mit einem Polizisten sprach. Als wir dann an dem Getränkeautomaten standen, kam er auf uns zu und wollte wissen, ob er mit uns bis nach Virginia wandern könnte... wir waren einen Moment irritiert und sagten ihm, dass wir allein sein wollten. Er zog dann los und lief tatsächlich auf den Trail, denn beim Anstieg aus dem Tal trafen wir ihn dann wieder und er bettelte uns um Wasser an. Das war eine total absurde Situation... wir redeten nochmal eindringlich auf ihn ein, dass er Wasser und Essen bräuchte, wenn er denn den Trail laufen wollte. Er meinte, er wäre obdachlos und hätte keine Wahl... er war eigentlich noch zu jung, aber seine Haut und die Zähne waren so schlecht, dass wir noch lange über diesen jungen Typen nachdachten. Wir überlegten schon, was wir machen könnten, wenn wir ihn an Shelter wieder getroffen hätten, aber wir sahen ihn nicht noch einmal. Das ging uns schon nahe, denn er war offensichtlich vom Polizisten aufgefordert worden, den Ort zu verlassen. Aber hätten wir ihm helfen können? Kurzfristig vielleicht, aber mehr leider auch nicht.
2Tall hatte bis zum Eagles Nest Shelter weiterhin viel mit seinen Füßen zu tun und litt erheblich. Was für ein großer Mist, so ausgebremst zu werden. Wir beschlossen am nächsten Morgen, nur einen sehr kurzen Tag zu machen, um dann im Rock'n Sole Hostel erstmal durch zu schnaufen. Das Hostel war auch eine umgebaute Garage, aber im Gegensatz zum Mechanical Man bot es noch diverse entscheidene Vorteile wie eine warme Außendusche, Frühstück und Abendessen und Bettwäsche in einem Stockbett und natürlich WiFi. Später kam noch Werner, ursprünglich aus Nürnberg, ins Hostel, den 2Tall schon am letzten Shelter kennengelernt hatte. Es war schön, mal wieder deutsch zu sprechen und sich über den Trail, die Amis an sich und im Speziellen zu unterhalten. Wir hatten einen gemütlichen deutschen Abend im Hostel. Da 2Talls Füße weiterhin schmerzten entschieden wir uns für einen Ruhetag hier, hinter dem Hostel floss ein kühler Bach, der perfekt war, um schmerzende Füße runter zu kühlen und sich auszuruhen.
Den Ruhetag nutzten wir, um einen Arzt zu konsultieren, um auszuschließen, dass sich vielleicht nicht doch das ein oder andere Knöchelchen durch die Belastung "verdünnisiert" hatte. Die Ärztin beruhigte uns und sprach von einer Tendinitis der kleinen Fußmuskeln. Ruhe, Kühlung und Ibuprofen sollten die nächsten Tage das Problem in den Griff bekommen. Wir hätten an einem anderen Ort vielleicht nicht so gute Bedingungen gehabt. Die Hostelbesitzer fahren uns überall hin, helfen uns sehr und wir sind sehr dankbar, doch noch ein kleines Stückchen Glück im Unglück hier zu haben. Mal sehen, wann es den Füßen gut genug geht, um weiter zu wandern.
Everything works out, hopefully ;-)

Samstag, 16. September 2017

AT: Mohican Outdoor Center - Eckville Shelter

Die Nacht in der Cabin im Mohican Outdoor Center war erholsam, weil wir dort gut essen konnten, es gab sogar Duschen und auch noch WiFi. Leider waren die Waschräume ein Alptraum und meine Dusche wurde nicht mal warm, aber manche Leute haben sich dort wirklich bemüht, uns zu helfen. Da konnten wir dann über den Schimmel in der Kaffeemaschine und den Dreck im Waschraum hinweg sehen. Immerhin konnten wir für ein kleines Vermögen am nächsten Morgen Pfannkuchen essen, die uns schon mehr Energie gaben als unsere Haferflöckchen, die wir ja sonst morgens essen. 2Tall musste noch viel im Internet recherchieren, ob es doch möglich wäre, den Schlafsack wieder etwas "fluffiger" zu machen. Er hatte die letzten Nächte gefroren und hatte den Verdacht, dass der Loft aufgrund von Schweiß zusammen gefallen war. Waschen wäre wohl eine Möglichkeit gewesen, aber in einer Badewanne oder in den etwas unheimlichen amerikanischen Waschmaschinen? Alles sehr schwierig. Wir gingen erstmal vom Outdoorcenter los und konnten bei bestem Wetter Wald, Aussichten und Ponds genießen. An einem Aussichtspunkt entdeckten wir eine Eule, die auf einem Stock saß. Wir konnten es kaum fassen, diesen Vogel so nah beobachten zu können... er flog auch gar nicht weg, als wir immer näher kamen. Die Attrappe war nicht schlecht und hatte sicher nicht nur uns verwirrt.
Am Sunfisch Pond bekamen wir einen ersten Eindruck, was es hieß, auf den Pennsylvannia Rocks zu wandern. Die spitzen Steine und Felsen machten es uns nicht leicht, voran zu kommen. Jeder Schritt musste da gut überlegt sein und wir freuten uns nach dieser Erfahrung nicht unbedingt, weitere Kilometer auf so einem "Geläuf" machen zu müssen. Wir trafen viele Tageswanderer, die wie wir das tolle Wetter nutzten. Das war uns fast schon ein wenig viel mit den Menschen, Hunden und Kindern. Um in die Stadt von Delaware Water Gap zu kommen, mussten wir noch die Brücke über den Fluss queren, leider fuhren ungefähr zwei Meter neben uns die dicken Trucks und diverse Autos, die auf dieser Interstate unterwegs waren. Es war unerträglich mit dem Verkehrslärm und wir wollten diese Brücke schnellstmöglich verlassen, auch wenn hier die offizielle Grenze von New Jersey nach Pennsylvania war. War ja ein weiterer Meilenstein auf dem AT für uns, aber das sollte später gebührend gefeiert werden. Wir kamen im Ort an und sahen erstmal Straßenabsperrungen. Das war Timing, denn wir kamen pünktlich zum Jazzfest in den Ort. Wir bekamen Äpfel geschenkt und wurden fröhlich begrüßt. Wir wollten aber erstmal zum Wanderladen, denn ich sehnte mich nach einer neuen Isomatte, die wir auch fanden, juchee! Leider war die neue Matte etwas schwerer, aber das nahm ich in Kauf. Dann kehrten wir erstmal ein und gönnten uns Nahrung in Form von Burgern und Fritten, es gab sogar einen vegetarischen Avocadoburger. Super. Unsere Unterkunft hatten wir nicht im Hostel der Kirche, sondern im ortsansässigen Hotel, auch wenn die Meinungen darüber unterirdisch waren. Aber wir hofften auf die Waschmaschine und etwas Ruhe ohne andere Hiker. Das klappte auch alles ganz gut, die Umbaumaßnahmen und den Schimmel in den Fugen ignorierten wir, soweit wir es konnten. Nachteil des Ortes war, dass wir mal wieder an der Tanke nebenan einkaufen mussten, was uns schon nervte, denn die Auswahl war begrenzt und auch in den Staaten gibt es an Tankstellen nicht unbedingt Sonderangebote. Aber der Townstop hatte uns trotzdem gut getan, wir fühlten uns am nächsten Morgen relativ ausgeruht, nicht unbedingt gestärkt durch das magere Frühstück des Hotels, aber immerhin ausgeschlafen. Das Wetter war toll und kurz vor dem Abzweig zum Trail trafen wir im Ort nochmal Hoba, der nicht uneingeschränkt begeistert von dem Kirchen-Hostel war, wo er übernachtet hatte. Dann hatten wir wohl doch alles richtig gemacht, auch wenn uns mehrere Menschen vor dem Hotel gewarnt hatten.
Wir stiegen aus dem Gap raus und kamen trotz der Höhenmeter und der vollgepackten Rucksäcke gut voran. Am Shelter mussten wir mal wieder ordentlich Wasser tanken, denn für die nächsten Meilen war die Wassersituation mal wieder mau. Das Wasser gab es diesmal aus einem Hahn von einem Retreat, was hinter dem Shelter lag. Sehr nett, denn im Sommer trocknen die meisten Quellen in PA aus und dann hat man als Wanderer echt ein Problem. Als wir also gerade so am Hahn rumzapften, kam ein Herr vorbei, der das so toll fand, dass wir wandern würden... und er würde das ja auch so gerne machen... und dann wollte er gerne ein Bild mit 2Tall und meinen Wandersöcken haben. Ich tat ihm den Gafallen, aber die Situation war natürlich wieder völlig bizarr. Später trafen wir übrigens noch eine Frau im Bauchtanzkostüm... mitten im Wald. Es gibt so Tage auf dem Trail...
Wir schleppten unsere Wasservorräte bis zu einer Campsite, nachdem wir vorher noch diverse Felsen und felsige Wege überwunden hatten. Mann, das war eine Schinderei. Wir waren dann erstaunlicher Weise doch relativ früh an der Campsite, entschieden uns aber dort im Wald zu bleiben und nicht noch bis zum nächsten Gap zu gehen. So konnten wir in Ruhe das Zelt aufbauen, die Bärenleine werfen und kochen. Ist ja doch immer ein bißchen was zu tun, beim campen. Wir waren diesmal nicht so nervös, ganz allein im Wald zu sein und gingen früh schlafen. Da wir für den nächsten Morgen auch noch genug Wasser hatten, konnten wir zum nächsten Shelter gehen. Die Meilen wurden uns dann aber doch ganz schön lang und als dann am Schild stand: "Happiness is here" waren wir überzeugt, das Richtige getan zu haben. Ich latschte leider dann doch eine ziemliche Strecke bis zur Quelle bergab und war entsprechend erledigt. Am Ende des Tages wurden es dann nämlich bis zu John, dem Mechanical Man, 14 Meilen, die wir beide ziemlich in den Beinen hatten. Aber die Aussichten auf eine Dusche und was Gutes zu Essen halfen über so manchen schmerzenden Knochen hinweg.
Die Übernachtung in der Garage war schon bizarr genug, dazu kam der Typ, der permanent quatschte und immer wieder sagte, wie toll das doch für Hiker wäre in seiner Garage zu pennen und er wüsste ja, was Hiker unbedingt bräuchten... bla, bla, bla. Dass John und seine Frau ihr privates Badezimmer für stinkende Hiker zur Verfügung stellten, war ja schon großzügig, die Fahrt in den Ort und das Abholen und Bringen zum Trail zurück, alles für 10 $, ok, nicht so übel, aber die Quatscherei nervte uns sehr. Mit uns war noch ein Thru-Hiker dort, der auch nicht ganz schussecht war, und wir fühlten uns wie in irgendeine bizarre Welt katapultiert. Konnte das alles wahr sein oder stand irgendwo doch noch eine Kamera, um unsere fassungslosen Gesichter abzufilmen? Erstaunlicherweise schliefen wir ganz gut, John allerdings auch, denn den verabredeten Zeitpunkt am nächsten Morgen für 8 Uhr verschlief er einfach. Wahrscheinlich wurde er erst wach, als 2Tall ihn angerufen hatte. Er entschuldigte sich zwar, Schuld war aber angeblich sein zweiter Dobermann, der gerade im Sterben lag... Oh man, ich war so genervt von dieser Unzuverlässigkeit und Abhängigkeit von solchen Pappnasen. Das war jetzt schon die zweite Erfahrung dieser Art und ich fragte mich, ob das wirklich so ein deutsches Ding war oder ob wir das etwas eng sahen. Ich war sehr froh, als ich aus diesem Auto steigen konnte und den Garagenmann hinter mir lassen konnte.
Der Trail wurde zunehmend felsiger und wir balancierten, rutschten, stolperten, fluchten und sehnten uns nach flachem Terrain. Wir wurden von ein paar Sobos überholt, die an diesem Tag 27 Meilen wandern wollten. Das Tempo war beeindruckend, aber auch sie stöhnten über das schwierige Gelände. Ein Teil des Trails ging an einer ehemaligen Zinkmiene vorbei, aber auch der Versuch der Aufforstung, sah nur kläglich aus. Selbst die Brombeerbüsche sahen übel aus und die sind ja bekanntlich hart im nehmen. Wir hatten vom Ridge die ganze Zeit einen "herrlichen" Blick auf die Industrie von Palmerton. Nicht der schönste Teil des Trails hier. Dann allerdings gabs nochmal einen spektakulären Abstieg. Es hätte auch eine leichtere Umleitung gegeben, aber ich wollte gerne den AT gehen und dann hatten wir richtig was zu tun. Wir hatten auch tolle Aussichten, aber die Felsen waren schon auch beängstigend. Wir hatten einige größere Stufen zu bewältigen und leider gabs diesmal keine Haken oder Leitern, die wir hätten benutzen können. Wir waren danach echt froh, dass wir uns bei diesem Abstieg nichts getan haben, das war nicht ohne. Zum Shelter ging es dann nochmal auf der anderen Seite wieder bergauf, als wir dann an der Wasserquelle ankamen, mussten wir uns erfrischen, trinken, durchatmen, wieder etwas runterkommen. Am Shelter trafen wir Greg, der seine Rente auf dem Trail genoss. Er grinste fast permanent und freute sich darüber, dass er essen konnte, was er wollte und trotzdem noch Gewicht reduzierte. Tja, so hat jeder seine ganz eigene Motivation, den Trail zu gehen. Leider begannn es am nächsten Morgen relativ schnell an zu fisseln und als wir an den fiesen Felsen ankamen, regnete es richtig. Och nöö, nicht wirklich toll. Meine Stimmung sinkt dann doch relativ schnell ab und als wir am Shelter eine Pause machten, kroch eine 2m lange schwarze Schlange ums Shelter herum und versetzte mich in Hochstimmung. Mir war bewusst, dass diese Rat-Snakes nicht giftig sind, aber der Anblick war schon erschreckend. Ich konnte tatsächlich erst wieder richtig durchatmen, als wir das Shelter verließen.
Felsen sind an sich ja schon fies, aber bei Regen übers Knife's Edge zu klettern, hat was von Selbstkasteiung. In diesen Situationen frage ich mich schon manchmal, warum wir hier sind und ob das einen tieferen Sinn haben könnte... hat es, denn fast täglich seine Grenzen auszuloten, macht etwas mit uns und mit den Leuten auf dem Trail. Das Gute an diesem Tag war die Aussicht auf eine heiße Dusche und ein Bett im Bed and Breakfast. 2Tall musste deswegen zwar mehrmals mit dem Besitzer telefonieren, weil er nicht kapiert hatte, dass wir an seinem freien Tag kommen wollten. Letztendlich legte er uns den Schlüssel unter die Fußmatte und wir konnten trotzdem schon mal ins Zimmer. Als wir am frühen Abend dann unsere schmackhaften Ramen Nudeln unter dem Vordach kochten, kam er doch noch nach dem Golfen mit seiner Freundin vorbei, um uns zu erzählen, dass er gleich Hummer Essen gehen würde und was er uns zum Frühstück machen könnte. Ein komischer Typ war das und als er 2Tall dann noch Komplimente machte, wie jung er doch aussah, im Gegensatz zu mir, die ja mindestens 46 sein müsste, war er bei mir natürlich unten durch. Blödmann, auch wenn ich zu meinem Alter stehe, solche Kommentare sind nicht gerade Gentleman-Like. Zwei Tage hintereinander solche Typen waren nur schwer zu ertragen. Wir waren schon auch etwas geschockt, denn für soviel Geld, so wenig zu bieten, ist echt schwach. Vom Frühstück erzähle ich jetzt lieber nix, erwähnenswert wäre noch, dass der Typ uns das Frühstück in Schlafanzughose servierte, aber wir wunderten uns ab diesem Zeitpunkt über gar nichts mehr.
Leider mussten wir morgens wieder im Regen starten und auch 2Talls Füße wurden nicht besser, sondern immmer schmerzhafter. Er hatte den Verdacht, dass die Felsen die Schuhe schon ruiniert hatten und das Gefühl von Barfuß-Schuhen wurde minütlich stärker. Schmerzhafte Füße, Regen und dann auch noch ein Sturz. 2Tall war gebeutelt und die Stimmung verständlicherweise im Keller. Beim Sturz stauchte er sich das Handgelenk und ließ einiges an Haut vom Finger am Felsen. Das hätte noch schlimmer ausgehen können, der Schreck saß uns noch eine Weile in den Knochen. Das Gelände wurde leider auch nicht leichter und so schlichen wir vorsichtig weiter und brauchten lange bis zum Eckville Shelter. Das Shelter hatte sogar einen Caretaker, der sich um das Gelände und die Annehmlichkeiten einer warmen Dusche und der Toilette kümmerte. Er war sogar so nett, dass er 2Tall telefonieren ließ, denn unser Smartphone hatte leider keinen Empfang dort. Wir hatten uns für zwei Tage in einem Retreat eingebucht und waren so froh, dass dort endlich alles passte. Die Leute waren super nett, das Essen lecker und gesund. Umwerfend war aber die Geste, das Auto am Abend zu benutzen zu dürfen, um in einen entfernteren Ort zum Essen zu fahren. War das grandios! Wir waren darüber so glücklich und dankbar.
An unserem Ruhetag galt es dann erstmal neue Schuhe für 2Tall zu organisieren und Proviant zu kaufen. Wir konnten morgens mit Lindy nach Hamburg fahren, wo es Cabelas und Walmart gab. Cabelas ist übrigens ein riesiger Laden mit Angel- und Jägerbedarf, es gibt aber auch einiges an Wanderzeug. Interessanterweise waren wir vor drei Jahren schon mal hier und hatten uns in diesem Laden umgesehen, als wir das Mietauto auf dem Weg nach New York hatten. Wir wunderten uns also nicht mehr über Massen an Schusswaffen und den Landschaften mit den ausgestopften Tieren. Absoluter Wahnsinn dieser Laden, in vielerlei Hinsicht.
Die gute Nachricht, 2Tall hat neue Schuhe. Nun hofft er auf schmerzfreiere Strecken :-) Happy trails!

Samstag, 9. September 2017

AT: Greenwood Lake - Mohican Outdoor Center

Nach einem guten Ruhetag in Greenwood Lake, hatten wir uns erholt, gut gegessen und für den nächsten Tag alles klar gemacht, dass wir vom Hotelbesitzer auch wieder zum Trail zurückgebracht werden. Wir standen also am nächsten Morgen auf und warteten auf das Frühstück, was immer mal neue Überraschungen bot. Am Vortag gabs zwar Milch, aber kein Besteck, dafür hatten wir an diesem Morgen Besteck, aber keine Milch... wir sahen es nicht so eng, die Hotelmitarbeiterin war total bemüht, aber es war klar, dass sie mit den ganzen Aufgaben etwas überfordert war. Insgesamt war das Hotel auch etwas abgeranzt und wir ärgerten uns schon, dass wir soviel Geld für so ein Zimmer bezahlen mussten. Immerhin gabs es Frühstück, wir konnten unsere Sachen waschen und es gab ja auch das Shuttle... dachten wir jedenfalls. Als wir aber an dem Morgen gestiefelt, abfahrbereit vor der Tür des Managers standen, guckte er uns völlig quer an und war noch hackedicht von seinen feucht fröhlichen Samstag Abend. An Autofahren war nicht zu denken und das Auto war wohl auch offensichtlich nicht da. Wir waren völlig perplex, standen etwas ratlos rum und überlegten, was wir tun können. Da kam die Mitarbeiterin des Hotels und fuhr uns einfach mit ihrem Wagen um Trail zurück. Was für ein Glück, mal wieder ein typischer Fall von Trailangel.
Wir waren sehr erleichtert, als wir los konnten, auch wenn es Bindfäden regnete. Erstmal weg aus diesem Ort mit den schrägen Leuten. Im Guidebook wurde vor dem kommenden Abschnitt gewarnt, denn es sollte wegen der Felsen recht anspruchsvoll sein. Wir waren nicht begeistert, dass das Ganze dann auch noch mit rutschigen, nassen Felsen stattfinden sollte. Nun denn, wir gingen langsam und vorsichtig und als wir dachten, dass der schwierige Teil fast beendet wäre, rutschte ich aus und rasierte mir die Haut vom Schienbein ab. Autsch. Mehr war zum Glück nicht passiert und mit Pflaster und Heilsalbe ging es vorsichtig weiter. Wir überquerten die Grenze von New York und betraten New Jersey. Nachmittags klarte das Wetter wieder auf und so trockneten wir etwas am State Park, wo wir auch das Wasser fürs Shelter holten. Da waren schon einige Leute, wir bekamen aber noch einen schönen Zeltplatz und hatten einen lustigen Abend mit den vielen Sectionhikern, die an diesem Abend auch hier Halt machten. In New Jersey gibt es einige Bären und deswegen gibt es die Bear Boxen, wo die Wanderer ihre Essensbeutel und ihr Zahnputzzeug verstauen können. Das ist schon eine tolle Sache, denn eine Bärenleine zu werfen ist nicht immer einfach, dafür muss der richtige Ast gefunden werden und man muss auch noch zielsicher sein. Die Boxen waren toll, leider werden sie von manchen Idioten auch als Müllhalde missbraucht.
Das Wetter war wieder sehr sonnig und wir genossen die Strecke bis zum Stairway to Heaven. Da wurde es richtig steil und wir mussten beim herunter kraxeln sehr vorsichtig die Füße voreinander setzen. Es wurde immer belebter und uns kamen Massen von Tageswanderern entgegen, die alle am Labour Day einen Ausflug machten. Da wurden Kinder die Felsen hochgezerrt und Hunde getragen... und alle rochen frisch und reinlich nach Deo und Waschpulver. Das erleben wir ja immer wieder, wenn wir wandernd unterwegs sind, dass wir stark parfümierte oder eben übermäßig nach Deo riechende Menschen kaum mehr ertragen können. Am Fuße des Berges gabs dann die Überraschung: eine Farm mit Bäckerei und Erfirschungsgetränken auf der einen Seite, auf der anderen Straßenseite ein Hotdog Stand. Wir wählten die Farm und genossen Blaubeermuffins, Kaffee und Schokomilch. Leider waren wir schon wieder voll im "Fress-Modus" angekommen, aber die Lust auf Zucker, Fett und Mehl überkam uns so dermaßen, dass wir dieser auch nachgingen. Wir wunderten uns schon sehr, was wir so verdrücken konnten, aber es schmeckte alles einfach unglaublich gut... Nach dem guten Essen gings dann erstmal eine gefühlte Ewigkeit auf einem Boardwalk entlang, auch wieder mit Unmengen an Leuten, Kindern und Hunden. Leider hatten wir am nächsten Shelter wieder kein Wasser und so mussten wir mal wieder einige Liter mitschleppen. Das war heftig und wir hofften sehr, dass wir an weiteren Sheltern nicht noch solche Plackerei auf uns nehmen mussten. Wir waren dann am Shelter erstmal allein und entschieden uns fürs Zelten, denn die Mücken stürzten sich sofort auf uns nutzen jedes freie Fleckchen Haut, um sich vollzusaugen. Leider knallte es am Abend in meiner Isomatte und es tat sich ein unschöner Hügel auf. Sie delaminierte von innen und ich war natürlich erstmal bedient, denn eine bequeme Schlafposition konnte ich so natürlich nicht finden. Leider war der nächste Ausrüstungsladen auch erst in Delawarewater Gap und so standen mir noch ein paar unbequeme Nächte bevor.
Am nächsten Morgen gings zum Wasserholen an ein verlassenes Haus, was an der Außenwand neben dem Wasserhahn auch eine Steckdose hatte. Sehr wanderer-freundlich. Wir nutzten beides und trafen ein junges Pärchen, die auch noch spät zum letzten Shelter am Vorabend gekommen waren. Wir unterhielten uns ein wenig und sie boten uns sogar an, uns in Delaware Water Gap irgendwo hinzufahren, weil sie ihre Wanderung dort beenden wollten. Super nett. Wir bedankten uns und gingen erstmal weiter nach Unionville, wo wir für die kommenden Tage Proviant kaufen mussten. Leider gabs nur einen recht kleinen Laden, aber wir bekamen unsere Sachen und konnten auch noch ein belegtes Brötchen essen, bevor es voll beladen wieder losging in Richtung High Point Shelter. Obwohl es super schwül war, kamen wir bei dem einigermaßen flachen Terrain super voran. Leider wurde 2Tall dann von einer Wespe gestochen und wir bekamen einen ziemlichen Schreck, denn ich dachte sofort an eine Schlange und bekam etwas Angst. Der Stich wurde zwar dick, nervte zum Glück aber nicht mehr so lange. Am Shelter sahen wir zwei riesige Zelte, die von einer Schulgruppe stammten, die hier in der Wildnis ein paar Tage verbrachten, um sich besser kennenzulernen. In den nächsten Tagen begegneten wir noch diversen Gruppen, wir waren da wohl in ein Nest geraten. Die Jugendlichen benahmen sich aber gut und auch die Betreuer waren immer sehr freundlich zu den Wanderern. Am Shelter begegneten wir außerdem einem Typen, der uns erstmal ein kühles Getränk schenkte. Er erzählte uns, dass er ein paar Tage in der Wildnis sein wollte, um griechisch und hebräisch zu lernen. Diese sehr bunte Vielfalt an Leuten, die man auf dem Trail trifft, fanden wir mal wieder klasse und auch das Pärchen vom letzten Shelter kam noch dazu, so dass wir sehr breit gefächerte Gesprächsthemen hatten. Am frühen Abend gabs dann ein heftiges Gewitter und wir waren sehr froh, ein Dach über dem Kopf zu haben. Der Regen hörte auch am nächsten Morgen nicht auf und wir stapften mal wieder in voller Montur los. Bis zum Headquarter Office am State Park wars zum Glück nicht sehr weit und dort trockneten wir uns ein wenig und 2Tall versuchte noch per Telefon etwas über eine neue Isomatte heraus zu bekommen. Aber leider gabs keine neuen Infos und so musste ich noch etwas auf dem deformierten “Ballon“ aushalten. 2Tall hatte sich aber bereit erklärt, eine Nacht auf dem "Monster" zu übernehmen, so dass ich eine ruhige Nacht auf seiner Matte verbringen durfte. Das waren gute Aussichten... leider gabs fürs Wetter überhaupt keine guten Aussichten und wir mussten uns richtig durch den Regen kämpfen. Es war heftig, aber wir hielten bis zum nächsten Shelter durch und stoppten nur mal kurz bei einem Parkplatz auf der Damentoilette, wo es ein trockenes Plätzchen gab und wir ein paar Nüsschen aßen. Am Shelter hatten wir dann 13 Meilen (21km) gemacht und waren natürlich ganz schön geschafft. Hoba war schon da und begrüßte uns freundlich. Wir hatten ihn ein paar Tage vorher kennengelernt und freuten uns, ihn wiederzusehen. Mit ihm teilten wir das Shelter, aber es kam auch noch eine große Gruppe Schüler, die glücklicherweise weit weg vom Shelter ihre Tarps aufschlugen. Die ganze Nacht schüttete es und wir waren erleichtert, nicht im Zelt schlafen zu müssen. Auch Mäuschen und Moskitos hatten diese Nacht frei und so hätte es gut werden können, wenn die kaputte Isomatte unter 2Tall nicht ungeheuren Krach gemacht hätte. Ich schlief wegen der Knarzgeräusche nicht gut und auch 2Tall hatte auf der Matte keine erholsame Nacht, schade eigentlich.
Aber das Wetter war am nächsten Morgen etwas besser und so nahmen wir die nächsten 14 Meilen in Angriff. Für mich fühlte es sich furchtbar an, morgens in die nassen, klammen Schuhe zu steigen. Fies. Aber wir wollten ja weiter und so mussten eben Opfer gebracht werden... Es gab auf diesem Teil sogar mal eine flache Passage, auf der wir gut voran kamen, ansonsten kletterten wir wieder über diverse Felsen, die uns ganz schön Energie raubten. Als wir am späten Nachmittag an der Campsite ankamen, hatte Hoba sein Zelt schon aufgestellt und auch eine Schülergruppe war mal wieder da. Auf dem Weg hatten wir drei andere Gruppen getroffen, die irgendwie die gesamte Gegend durchzogen. Wir waren ziemlich ko, machten Essen, bauten das Zelt auf und sobald es dämmrig wurde, gingen wir ins Zelt. Uff, das war ein heftiger Tag, aber wir waren auch stolz auf uns, dass wir das geschafft hatten.
Am nächsten Tag sollte es nur zum Mohican Outdoor Center gehen, 6 Meilen, die auch nicht ganz easy waren, aber die Aussicht auf eine Dusche und eine Übernachtungsmöglichkeit trieben uns voran. Es war nicht so ganz, wie wir es erwartet hatten, aber wir erholten uns ein wenig und genossen den Kontakt in die Außenwelt über das WiFi. Hoba trafen wir dort auch nochmal, wir erzählten noch etwas und freuten uns sehr, dass er uns noch seinen Alkohol für den Kocher schenkte, denn leider hatte das Outdoor Center nichts mehr, wie enttäuschend.
Fazit: Wundere dich nicht über betrunkene Hotelbesitzer am Morgen, man kann auch hebräisch und griechisch lernen, wenn man unter einer Plastikplane in den Appalachen zeltet, die Meilen dauern doch immer länger als man denkt und vieles, was man sich so vorstellt, kommt doch so ganz anders daher, trotzdem: happy trails!

Samstag, 2. September 2017

Trail Angels on the Appalachian Trail

This is a special blogpost in English. We write it for our special Trail Angel Ruth.
We have already written about Trail Magic and Trail Angels, but this blogpost is dedicated to a special Trail Angel. She helped us the first time years ago, even when we were not yet on the Appalachian Trail. She gave us valuable tips on the Internet, drove us around with her car and even let us stay at her home before we did our first section on the AT in 2011.
Most Trail Angels are in some way connected to the AT, some are former thruhikers, some have family members who thruhiked etc. They help hikers selflessly. The assistance ranges from gallons of water at road crossings, to picnics in parks, shuttles to trail towns or even hiker feeds for a whole bunch of hungry hikers. We have met so many great Trail Angels over the years who make the AT better for a lot of hikers.
Our very own Trail Angel has the trail name Tiptoe and has accompanied us since the beginning of our AT career. We have met her several times over the years and had a great time together. We would like to thank you very much! Hopefully, we will remain in touch, even if we complete the AT this year.
Thank you, dear Tiptoe, we hope you will stay healthy and strong to hike many more miles in the years to come!

AT: Fort Montgomery - Greenwood Lake

Wir schliefen ganz gut im Motel, auch wenn meine Schniefnase weiterhin sehr nervte. Taschentücher machen ja schon irgendwie einen Sinn... Wir gönnten uns im Bagel Cafe gegenüber leckeren Cappuccino und natürlich Bagels und fühlten uns bereit für den nächsten Abschnitt auf dem Trail. Wir wurden zum Zoo an der Hudson Brücke zurück gebracht, der leider noch geschlossen war, weil er erst um 10 Uhr öffnete. Wanderer dürfen nämlich einfach durch den Zoo zum Hessian Lake gehen, was natürlich eine interessante Wegführung gewesen wäre. Wir nahmen also den Bypass drum herum und bestaunten am Hessian Lake schon mal den Bear Mountain, den wir dann hochkraxeln wollten. Die Unmengen an leeren Picknicktischen waren auf eine gewisse Art beeindruckend, aber an einem Feiertag oder Wochenende hier zu sein, war sicherlich ein ganz anderes Gefühl. Wir folgten den weißen Strichen, bis es steil bergauf ging. Der Weg war mit perfekten Steinstufen ausgestattet, so dass es tatsächlich relativ einfach war. Es ging bis zum Aussichtsturm also viel besser als erwartet und wir genossen die traumhafte Sicht bei bestem Wetter. Die Skyline von New York war zu erkennen, wenn auch etwas dunstig. Wir gönnten uns ein Getränk an einer Vending Machine, hielten noch einen Plausch mit einem Thruhiker und setzten unseren Weg fort. 
Wir wanderten so dahin, unterhielten uns angeregt über das Leben an sich und im Speziellen und wunderten uns, dass da plötzlich ein "F" in dem üblichen weißen Strich zu sehen war. Das war neu und leider auch nicht mehr der AT. Wir hatten tatsächlich den offiziellen Weg verloren, trafen aber mit einem kleinen Umweg wieder auf den eigentlich Weg. Das war uns noch nicht häufig passiert und wir waren etwas irritiert. Bei der nächsten Aussicht trafen wir ein Pärchen, was auch auf dem AT unterwegs war, und sich ebenso verlaufen hatte. Da war die Wegführung wohl nicht ganz eindeutig, wir waren gewarnt. Leider war auf diesem Abschnitt das Wasser sehr knapp und so beluden wir uns am nächsten Bächlein mit mehreren Litern, die wir am nächsten Shelter für die Übernachtung und zum Kochen brauchten. Mit zusätzlichen 3 Litern die Berge hoch zu stapfen, war überhaupt nicht lustig und wir krochen nur so dahin, weil der Rucksack heftig auf die Schultern und die Hüften drückte. Wir schafften es dann aber doch irgendwie zum Shelter, wo schon eine Gruppe von Teenagern lauthals rumkrakehlte. Zuerst dachten wir, dass es sehr störend sein könnte, aber im Nachhinein hofften wir, dass die Bären einen großen Bogen um dieses Gebiet machen würden. Taten sie wohl auch, denn in der Nacht hörten wir nur den Wind. 
Am nächsten Morgen freuten wir uns schon sehr auf den Tiorati See, denn dort wollten wir Ruth mit ihren Enkelkindern treffen. Wir kamen fast zeitgleich am See an und freuten uns riesig, sie wieder zu sehen. Sie brachte uns ein wunderbares Picknick mit und wir genossen die Früchte, den Käse und die Unterhaltung mit ihr. Leider war der Strand gesperrt und die Kinder konnten nicht schwimmen gehen. Also ging es danach noch in den Zoo, aber wir wollten dann doch weiter wandern, denn wir wussten noch nicht so genau, wie weit wir es an diesem Tag schaffen würden und wo wir übernachten könnten. Es wurde etwas später, aber wir fanden ein feines Plätzchen zum wild campen. Das war das erste Mal, dass wir so ganz allein unter einem Baum unser Zelt aufschlugen und wir waren entsprechend nervös, aber wir überlebten es, und freuten uns auf den nächsten Townstop an diesem Tag. Bis dahin waren es aber auch noch ein paar Kilometer, die sich auch noch als eine ziemliche Kraxelei herausstellten. Aber an einer Straßenkreuzung gabs dann nochmal Trailmagic mit Getränken und Chips, was wir dankbar annahmen. Irgendwann trafen wir noch auf ein Trio von zwei Wanderern und einem Hund. Cowboy, Whipper Will und Lissy wollten es eigentlich auch noch bis Kathadin schaffen, aber der Deutsche ahnte es eigentlich schon, dass er es mit seinem Hund in den wenigen Wochen bis Oktober nicht mehr hinbekommen würde. Er stammte aus Pforzheim und wirkte schon etwas frustriert, dass er den AT nicht ganz würde gehen können. Sie berichteten von vielen Bären, die des nachts an der Bärenbox ruckelten oder auch mal die Bärenleine abrissen... das beruhigte mich nun nicht unbedingt.
Als wir am Nachmittag aus dem Wald auf den Parkplatz traten, war der Hotdog Stand zwar schon geschlossen, aber der Eisladen ein paar Meter weiter war noch auf, so dass wir unseren zweiten Townstop mit einem leckeren Eis und einer grandioser Aussicht einleuteten. Wir beschlossen, ein Taxi zu ordern, weil es im Staat New York nicht erlaubt ist, den Daumen raus zu halten. In dem Moment, wo das Taxi einbog, fragte uns jemand, ob er uns in den Ort bringen könnte. Schade, schlechtes Timing, aber trotzdem nett. 2Tall hatte ein Zimmer in einem Inn reserviert, aber leider war das eine totale Enttäuschung, denn wir hatten quasi ein Zimmer im Restaurant. Das Restaurant ist hier wohl berühmt für sein deutsches Essen, aber nicht für seine schönen Zimmer und auch nicht für freundliche Manager. Das Fenster und die Gardinen konnten wir nicht öffnen, denn sonst hätten wir bei einem der Tische mit essen können. Nach dem ersten Schock über dieses unsägliche Etablissement (dazu kamen noch ein paar andere Sachen) konnte 2Tall ein anderes Zimmer am See organisieren, was sogar Frühstück anbot, wo wir unsere Wäsche waschen konnten und wo wir näher an den Einkaufsläden waren, denn wir mussten ja auch noch für die nächsten Wandertage Proviant haben. Das Hotel war leider noch teurer als das erste, aber wir bissen in den sauren Apfel, denn wir wollten uns ja auch irgendwie erholen. In den USA steigen die Preise für Hotelzimmer am Wochenende einfach nochmal um 30%, was wir nun sehr deutlich zu spüren bekamen. Außerdem war es auch noch ein Feiertagswochenende, eigentlich konnten wir uns glücklich schätzen, dass wir überhaupt noch ein anderes Zimmer fanden. Aber die Glücksseligkeit stellte sich nicht sofort ein, wir waren total kaputt, enttäuscht von der miesen Hotelerfahrung und wollten irgendwann einfach nur noch schlafen. Hoffentlich würde sich der Zero Day am nächsten Tag positiv auswirken, damit wir wieder etwas Kraft sammeln konnten.
Fazit: Hänge immer eine Bärenleine auf, denn es gibt sie hier wirklich, und vermeide Wochenenden in größeren Orten, denn dann wird man wie eine Weihnachtsgans ausgenommen.