Samstag, 20. Januar 2018

Te Araroa: Taumarunui - Whanganui

Ein zusätzlicher Ruhetag in Taumarunui bringt etwas Erholung, wenn sich aber die schlechte Wettervorhersage als komplett falsch herausstellt, ist das schon etwas ärgerlich. Denn den Ruhetag hatten wir uns wegen kräftiger Regenschauer "verordnet".  Wir haben also tatsächlich zum ersten Mal eine Waldpassage ausgelassen, die 42 Traverse, und haben dabei schon ein schlechtes Gewissen bzw. waren davon leicht genervt.
Am folgenden Nachmittag nehmen wir den Intercity Bus von Taumarunui nach National Park (30 Minuten Fahrt) und begeben uns auf alte Spuren. Vor vier Jahren haben wir hier den Northern Circuit gemacht, aber wegen Wolken, Nebel und Regen rein gar nichts gesehen. Also nun ein zweiter Versuch. Und tatsächlich sind die Aussichten für den nächsten Tag ganz gut. Ab mittags soll es sich zwar zuziehen, aber eventuell haben wir dann ja schon ein paar Sachen gesehen. Der Ort National Park besteht vorwiegend aus Unterkünften, Hotels und Lodges, die wohl besonders im Winter hier ihr großes Geschäft machen. Netterweise bekommen wir in unserer Unterkunft ein Upgrade und haben sogar ein eigenes Badezimmer. Wir gehen noch kurz zum kleinen, völlig überteuerten Supermarkt und bekommen einen Eindruck vom Ort, der leider stellenweise etwas herunter gekommen ist. Zwischen kleinen Privathäusern stehen auch mal luxuriöse Ferienvillen, die das ambivalente Gefühl verstärken. Ok, wir wollen hier ja nicht leben, sondern nur den Tongariro Crossing machen, aber ein komisches Gefühl bleibt trotzdem. Am nächsten Morgen geht es mit einem Shuttlebus zum Start, wo schon Unmengen an Leuten aus Tour-Bussen ausgespuckt wurden. Wir finden es schrecklich und starten direkt, um von diesen Massen wegzukommen. Der Te Araroa geht von der anderen Seite hoch, hat natürlich mehr Höhenmeter und verläuft entgegengesetzt des Touristromes. Wir haben den etwas leichteren Aufstieg und den leichteren Rucksack, ohne Zelt, Isomatte, Schlafsack. Wir slackpacken mal wieder und zahlen dafür einen hohen Preis. Mit diversen Deutschen, Schweizern, Chinesen, Schweden usw. geht es unzählige Treppen hoch, bis wir ein Plateau erreichen, woran wir uns auch noch erinnern können. Dann ein letzter Aufstieg und wir sind am höchsten Punkt (1886m) angekommen und können die blauen Seen sehen. (Ja, auch hier können wir Seen sehen. Das geht nicht nur in Maine.) Auf dem Gipfel treffen wir San Remo, alias Steffen, der von der anderen Seite hochgekraxelt ist. Er erzählt uns, was wir verpasst haben, sind aber doch relativ erleichtert, dass auf der 42 Traverse nicht das schönste Stück des Te Araroas liegt. Wir machen eine kleine Mittagspause an den Seen und atmen schwefelhaltige Luft ein, die zum Glück nicht so stark ist, dass sie uns die Sinne vernebelt. Eine Touristin holt erstmal ihren Aquarellblock und Farben heraus, um diese besondere Mondlandschaft einzufangen. Das Wasser der Emerald Lakes und auch die Spitze vom Mount Ngauruhoe (Mount Doom aus "Herr der Ringe") dürfen nicht berührt bzw. bestiegen werden. Seit diesem Jahr gibt es das Verbot, weil die Landschaft für die Maoris heilig ist. Gut so, denn inzwischen laufen über 100000 Menschen jährlich den Tongariro Crossing.  
Es ist deutlich kühler hier oben und nach gefühlter Ewigkeit ziehen wir mal wieder unsere Jacken an. Beim Abstieg treffen wir Dan aus Hawaii wieder und auch Karima läuft an uns vorbei, die Ende November mit uns im Bus nach Kerikeri saß. Es dauert dann noch ca. 2,5 Stunden, bis wir mit all den Leuten unten am Carpark wieder ankommen. Wir sind von der Höhe, aber vielleicht auch von der Touriveranstaltung, etwas geflasht und haben Kopfschmerzen. In unserer Unterkunft kochen wir uns einen großen Pott Nudeln und gehen früh schlafen. Komischer Tag irgendwie.
Wir fahren am nächsten Tag wieder mit dem Intercity Bus zurück nach Taumarunui und lassen uns von der Kanufirma abholen, denn sie werden uns morgen mit dem Kleinbus nach Whakahoro nehmen, von wo der TA zur Bridge of Nowhere geht. Die "Macher" des Trails haben sich da eine wirklich unfassbare Wegführung ausgedacht. Denn von der Brücke, mitten im Wald, kostet es ein Vermögen, sich dort ein Kanu hinbringen zu lassen und man kann nur auf dem Fluss weiterkommen, sonst gibt es da nichts. Die meisten Wanderer starten also früher mit dem Kanu und machen entweder 3 Tage mit dem Kanu bis Pipiriki oder 5 Tage bis Whanganui. Die Flussfahrt gilt als Great Walk und muss deswegen extra gebucht werden, kostet deswegen natürlich auch mehr. Wir haben ja vor 4 Jahren diese Tour schon gemacht und wollen diesmal bis zur Bridge laufen. Dann lassen wir uns mit dem Jetboot nach Pipiriki bringen und steigen dort auf die Fahrräder nach Whanganui. Eine logistische Meisterleistung, die 2tall da für uns erbracht hat, denn Fahrräder, Jetboot und Gepäcktransport werden natürlich von drei verschiedenen Firmen angeboten. Verrückt. Die Nacht vor dem Shuttle nach Whakahoro verbringen wir bei der Familie, die den Kanuverleih betreibt und die uns auch die Fahrräder verleiht. Sie stellen eine große Wiese für Zeltplätze bereit, aber auch einen Container. Da die Wetteraussichten mal wieder mäßig sind, entscheiden wir uns für den Container. Es ist schwülheiß und die Temperaturen im Container liegen bei ca. 30°C. Letztendlich stellen wir das Zelt neben den Container unter ein Dach auf und können quasi mit "offenen Türen"schlafen. 
Der Familienbetrieb der Kanufirma ist schon original. Es ist alles etwas chaotisch, aber sie sind super hilfsbereit und organisieren für jeden die entsprechende Tour. Am Abend erleben wir noch eine indische Jetboottour, da das Boot direkt vor unserem Container vollbeladen mit dem Trecker zu Wasser gelassen wird. Die Inder binden sich ihre Kappen, Hüte und Turbane mit weißen Tüchern um den Kopf, als hätten sie Zahnschmerzen. Das sieht wirklich witzig aus. Nach einer wilden Drehung auf dem Wasser grinsen aber alle so breit, dass klar ist, dass keiner von ihnen Schmerzen hat. 
Leider schlafen wir sehr unruhig im Zelt. Haben wir ja auch länger nicht gemacht, nach diversen Tagen in weichen Hotelbetten. Wir gehen um 8 Uhr zum Haus, wo eine Kanugruppe noch ihre Sicherheitsunterweisung erhält. Währenddessen checkt 2tall nochmal Mails und wir bekommen einen heftigen Dämpfer, denn seine Kreditkarte ist gesperrt, weil illegal eine Menge Geld abgehoben wurde. Die Karte wurde also gehackt und wir sind total geschockt. 2tall versucht noch, die Kreditkartenfirma zu erreichen, aber das klappt leider nicht. Wir sind ja die nächsten 4 Tage in der Wildnis, wo es keinen Handyempfang geben wird, und so müssen wir abwarten und hoffen, dass es kein Problem gibt mit der Rückerstattung des Geldes. Doof, denn es macht uns ganz schön unruhig.
Um 10 Uhr lässt uns der Bus an der DOC Campsite Whakahoro raus, wo der Fahrrad- und Wanderweg (Mangapurua-Kaiwhakauka Track) zur Bridge of Nowhere geht. Das gesamte Gebiet sollte nach dem 1. Weltkrieg eine  große Siedlung werden. Die Siedler bekamen Geld dafür, dass sie das Land gerodet und Flächen für die Schafzucht geschaffen haben. Aber es stellte sich heraus, dass es sich doch alles nicht so entwickelte wie erhofft und so wurde 1942 der letzte Siedler gebeten, das Gebiet zu verlassen. Am Wegesrand sehen wir immer wieder Holztafeln, mit den Namen der Siedler, die hier gelebt und versucht haben, sich ein neues Leben aufzubauen. Die Landschaft ist schroff, aber auch schön, wir genießen die Ruhe und treffen nur vereinzelt mal auf Mountainbiker, die hier in einem Tag durchrasen. Wir sehen noch alte Kamine, die mitten auf Schafsweiden stehen. Aber auch Schafe und Rinder sind rar, vorwiegend hören wir Vögel und ab und zu flüchtet ein Kaninchen vor uns. Unsere erste Nacht wollen wir an der Trig Campsite machen. Aber leider gibt es da kein gutes Wasser. Das kleine verborgene Rinnsal ist überfüllt mit Mückenlarven. Es wurde aber eine Gedenkstätte errichtet, die an die ersten Siedler hier erinnert. Es gibt Bilder und Namen und die neuseeländische Flagge flattert über unseren Köpfen. Wir entscheiden uns, weiter bis zur Johnsons Campsite zu gehen, wo es auch ein Shelter mit Wasser geben soll. Es ist ein langer Tag und wir sind von dem schwül-heißen Wetter ziemlich kaputt. Die Campsite ist groß, aber irgendwie komisch angelegt, denn das relativ große Shelter bietet zwar Wasser und Kochgelegenheiten, aber darin sitzen und essen kann man leider nicht. Bei schlechtem Wetter ist das natürlich doof, aber immerhin haben wir Glück und können draußen am Picknicktisch sitzen und unsere Gerichte genießen. Um die Campsite herum gibt es einen kleinen Garten und auch zwei Zelte, die mit Planen, Wäscheleinen und Grillplätzen ausgestattet sind. Auch liegen alte Matratzen und Handtücher hier herum, dass wir uns fragen, ob hier vielleicht Obdachlose leben oder andere Leute einen Zweitwohnsitz haben. Es ist etwas unheimlich, aber wir bleiben allein und schlafen sogar relativ gut auf dem hohen Gras.
Weil wir ja am Vortag so einen langen Tag gemacht haben, lassen wir uns an diesem Morgen Zeit, lesen auch noch etwas und gehen dann langsam zur nächsten Campsite, die nur ca. 8km entfernt ist. Wir überqueren diverse Hängebrücken und laufen an Abbruchkanten entlang, die beeindruckend aussehen und nicht ungefährlich sind. Die Moutainbiker müssen hier schieben und wir hoffen, dass von den Steilwänden nichts runter kommt, während wir da entlang gehen. Unsere Campsite ist schnell erreicht und 2tall kann noch das Zelt reparieren, während ich versuche, das Wasser zu finden. Angeblich soll es am Wasserfall etwas geben und der einfache Weg soll 20 Minuten lang sein. Leider finde ich den Weg nicht, da die Wildschweine mächtig gewühlt haben und der Rest überwuchert und nicht ausgeschildert ist. Ich kehre also genervt um und gehe einfach den Trail zurück, wo 2tall an einer Brücke eine Möglichkeit gesehen hatte, ans Wasser zu kommen. Nach 1,5 km erreiche ich den kleinen Fluss und bin froh, mit vollem Rucksack wieder an der Campsite anzukommen. Wir haben noch den Nachmittag und können lesen und uns ausruhen, auch wenn es zeitweise extrem windig und böig ist. Zum Glück beginnt es erst am Abend zu regnen, als wir mit Kochen und Essen fertig sind, denn hier gäbe es kein Shelter und bei dem Wind hätten wir auch unmöglich unter dem Vorzelt kochen können. Leider kühlt es trotz des Regens nicht ab und wir wachen verschwitzt, mit viel Kondensflüssigkeit im Zelt am nächsten Morgen auf. Alles ist klebrig, feucht, nass... nicht schön. Ein kleines trockenes Zeitfenster ermöglicht es uns, draußen zu frühstücken und Tee zu kochen. Immerhin. Aber schon kurz nach dem Aufbruch fängt es richtig an zu pladdern und hört auch bis zur "Bridge to Nowhere" nicht mehr auf. Wir sind allein auf der Brücke und genießen es, nach 4 Jahren von der anderen Seite aus über dieses beeindruckende Konstrukt zu laufen, was stolz über der Schlucht und zwischen den Farnen trohnt. Wir laufen weiter Richtung Whanganui River und hoffen, irgendwo unten am Landing einen Unterstand zu finden, denn bis das Jetboot abfährt, ist noch etwas Zeit. Uns kommen ein paar nasse Gestalten entgegen und einer davon ist Thomas, der das Jetboot fährt. Und, glücklicherweise, gibt es sogar ein Shelter, wo wir warten können. Ein paar Kanuten sehen wir am Shelter, die dort essen, aber sich teilweise dagegen entscheiden, zu der Brücke zu gehen. Wir empfehlen ihnen dringend, das zu machen, aber sie packen ihr Essen wieder ein und paddeln von dannen, komisch.
Wir steigen mit einer Gruppe Studenten aus Oregon ins Jetboot und düsen los. Es ist laut, stinkt nach Diesel und der Fahrtwind ist ganz schön kalt. Aber der Whanganui River beeindruckt uns mal wieder sehr, es ist immer noch so schön wie vor vier Jahren. Das Flusstal ist einzigartig und wir werden etwas wehmütig. Vielleicht hätten wir doch einfach nochmal die Kanutour machen sollen? Bei der ersten heftigen Stromschnelle bin ich sehr froh, im Jetboot zu sitzen und auch die letzten zwei Tage waren von der Landschaft einzigartig. So haben wir nochmal einen ganz anderen Eindruck bekommen, was "hinter" der Brücke lag und wo die Siedler ihr neues Leben damals begannen. 
Leider muss ich aber auch nochmal anmerken,  dass sich das DOC (Department of Conservation) hier keine Lorbeeren verdient hat, denn sowohl die Kilometerangaben auf dem Track waren fast alle falsch und von der Wassersituation möchte ich gar nicht erst anfangen. Die Shelter sind kaum wandertauglich und die Campsites eher Buckelpisten und nicht gemäht. Wir haben leider mal wieder den Eindruck, dass, wie schon auf dem Timber Trail, für die Mountainbiker hier eine Menge gemacht wird, die Wanderer aber eher eine untergeordnete Rolle spielen. Vielleicht liegt es an einem großen Rad Event, was hier im nächsten Monat stattfinden soll, denn dann werden ca. 600 Mountainbiker durch dieses Gelände rasen.
In Pipiriki leisten wir uns bei der Jetbootfirma wegen des fiesen Wetters eine Cabin und versuchen uns, ein wenig trocken zu legen, was bei dem permanenten Regen und der hohen Luftfeuchtigkeit schwierig ist. Immerhin gibt es eine warme Dusche und eine Gemeinschaftsküche, wo wir abends unsere Gerichte machen können. Auch unsere Räder sind schon aus Taumarunui geliefert worden und morgen werden wir dann nach langer Zeit mal wieder radeln, mal sehen, wie wir in Whanganui am Meer dann ankommen. Hoffentlich werden wir etwas besseres Wetter haben. San Remo und Lost Kiwi müssten heute mit dem Kanu aus Whakahoro gestartet sein, auch für sie wäre es schön, wenn sie nach dem Regentag heute auch nochmal Sonne auf dem wunderschönen Fluss haben werden. Am Abend haben wir noch eine sehr unterhaltsame Zeit in der Gemeinschaftsküche mit einem Ehepaar aus Christchurch, zwei Waliserinnen, die am Mount Cook ein Jahr gearbeitet haben und einem Ehepaar aus Holland. Wir erzählen vom Wandern, aber auch die Maorikultur und die Deutsche Regierung sind spannende Themen. Das sind die positiven Seiten des Backpackerdaseins, die wir sehr genießen.
Am Morgen unseres Radfahrtages regnet es immer noch und wir bewaffnen uns mit Regenklamotten, Helm und Warnweste. Die Räder sind leider schlecht gewartet und auch zu klein. Bei mir geht es so gerade, aber 2tall leidet auf den 76km schon erheblich. Das ist echt schade, denn der Weg am Fluss ist wirklich toll und trotz Regen bekommen wir einen weiteren wunderschönen Eindruck von dem Whanganui River. Wir kraxeln ordentlich hoch und haben auch wilde Abfahrten, bevor es an 2talls Fahrrad kräftig knackt und eine Speiche gerissen ist. Zum Glück gibt es in meiner Satteltasche gutes Werkzeug, dass 2tall die anderen Speichen so anziehen kann, dass das Hinterrad zwar eiert, aber noch fahrtauglich ist. Oh mann, die letzten Tage haben wir mit einigen Dingen nicht uneingeschränkt Glück gehabt, aber bisher hat sich immer noch alles irgendwie regeln lassen, it all works out somehow oder wie der Kölner sagt: "Et hätt noch immer jut jejange..." oder so ähnlich.
Wir bringen die völlig verdreckten Räder (auch auf der Straße gab es immer wieder Matschlöcher) zu einem Shop in der Fußgängerzone in Whanganui. Danach gönnen wir uns erstmal Kaffee und Kuchen und müssen den Tag nochmal Revue passieren lassen. Schon wieder viel passiert, nur in den letzten Stunden. Leider sind unsere Rucksäcke noch nicht im Hostel angekommen, aber wir können in unser Zimmer und uns schon mal etwas an das Hostelleben akklimatisieren. Unser Zimmer liegt zwischen den Toiletten und dem Garten. Die Geräuschkulisse ist interessant vielfältig und leider wird alles von Musik und lässigen Reisenden untermalt, die sich darüber aufregen, dass man sich auf manchen Campingplätzen nicht mal duschen könnte. Das Hostel wird von einem deutschen Ehepaar geführt, die versuchen, die lockere Art der Kiwis zu leben, aber es wirkt doch etwas verkrampft und eher gespielt locker. Sie sind super nett und hilfsbereit, aber es fühlt sich nicht ganz authentisch an. Nun ja, wir werden nach einem Ruhetag hier unser Postpaket weiter nach Wellington schicken und dann den Bus nach Palmerston North nehmen. Der Trail besteht mal wieder nur aus Asphalttreterei, die wir auslassen. Die Wetterfront bringt auch schon wieder viel Regen und wir werden gucken müssen, wann das Weiterwandern wieder Sinn macht.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Te Araroa: Te Kuiti - Taumarunui

Unseren ersten neuseeländischen Tropensturm haben wir in Te Kuiti überstanden, wie gut ist es, wenn man bei so einem Wetter vier Wände und ein Dach um sich herum hat. Auch wenn die Auszeit ihren Preis hatte, waren wir wirklich froh, hier zu sein. Te Kuiti ist zwar als Townstop gut geeignet, weil es einen großen Supermarkt gibt und alles relativ dicht beisammen ist, allerdings wirkten viele Leute unzufrieden und nicht sehr glücklich. Auch wir drei Wanderer wurden eher mit skeptischen als mit offenen Gesichtern bedacht. Woran es liegt, können wir nicht sagen, aber selbst die Mitarbeiter im Supermarkt wirken genervt und irgendwie frustriert. Aber die Besitzer des Motels kommen uns noch sehr entgegen, schenken uns zwei Wäscheladungen und die Telefonanrufe und so gibt es in Te Kuiti doch noch einen versöhnlichen Ausklang.
Leider regnet es am Morgen, als wir wieder starten, immer noch und wir tingeln mal wieder in voller Schlumpfmontur los. "Der blaue und der rote Schlumpf auf großer Tour". Am Ortsrand treffen wir Twig und Steffen. Twig versucht, einen Lift zum Timber Trail zu bekommen, weil sie die Flußwanderung, die uns an diesem Tag bevor steht, mittels Slackpacking vor dem Sturm gemacht hat. Slackpacking ist das Wandern ohne den großen Rucksack, gemütlich mit einem kleinen Daypack, weil man am Abend wieder zu seinen Klamotten zurückkehrt oder diese transportiert werden. Leider sind ihre Schilderungen über diesen Trailabschnitt nicht gut und Steffen sitzt wahrscheinlich nicht nur wegen des Regens so unmotiviert unter dem Dach und macht keine Anstalten loszuwandern. Wir tapern aber trotzdem nach kurzem Erzählen los und dürfen erstmal durch nasse Wiesen und Sträucher pirschen, um wirklich von oben bis unten den nassen Genuss des Trails zu erfahren. Schade, dass der Weg hier so gar nicht gepflegt wird, d.h. die Wege sind teilweise so zugewuchert, dass man weder den Boden noch den weiteren Weg erkennen kann. Im Laufe des Tages wirds leider noch viel heftiger, doch dazu später mehr. Zum Glück hört es irgendwann auf zu regnen und auch die Landschaft verändert sich. Es gibt Felswände, ein schönes Flussufer, einen Picknickplatz mit Tischen, Stühlen und sogar einem Gummireifen, falls man sich im Fluss ein wenig treiben lassen möchte. Die Sonne ist so warm, dass wir alles wieder trocknen und uns etwas erholen können. Leider fängt das Elend dann erst richtig an und wir werden im Laufe des weiteren Weges echt stinkig. Denn wir müssen über umgestürzte Bäume am Hang klettern, uns von Brombeersträuchern zerkratzen lassen, mal wieder durch knietiefen Matsch robben und uns Wege suchen, die steil am Ufer des Flusses entlang gehen. Die Wege sind schlecht markiert und teilweise auch gefährlich, weil das Flussufer sehr steil ist und wir eigentlich nie die Füße gerade aufsetzen können. Das verdient eigentlich überhaupt nicht den Namen Trail und wir wundern uns, dass auf diesem Teil nicht schon viel mehr passiert ist. 2tall rutscht ein paar Mal gefährlich am Hang aus und auch ich trete in ein Loch und verliere den Halt. Später erfahren wir von Steffen, dass auch er gestürzt ist. Glücklicherweise kommen wir alle ohne große Verletzungen davon, aber wir sind sauer und enttäuscht über diese Wegführung. Ich finde es unzumutbar. Als wir nach vielen Stunden "Wanderarbeit" auf der Wiese ankommen, wo privat ein kleiner Zeltplatz entstanden ist, sind wir so positiv überrascht, dass wir uns schon fast wieder mit dem Trail versöhnt haben. Es gibt einen Schuppen mit Picknicktisch, Wasser, eine Wäschleine, ein Plumpsklo und ein kühles Bier, was quasi wie für uns bereit gestellt wurde. Weltklasse. Man gibt 5$ freiwillig in eine Box und freut sich, besonders nach so einem Tag, dass es Menschen gibt, die gut zu den Wanderern sind. Steffen und 2tall genießen das Bier und nach einem schnellen Abendbrot sind wir um 21 Uhr im Zelt. Wie gut, dass es so lange hell ist. Am nächsten Tag spüren wir noch deutlich, was wir gestern leisten mussten und wir sind entsprechend müde und sprachlos auf der Schotterstraße unterwegs. Zwei Farmer sehen wir, die ihre Kühe und Schafe auf andere Weiden treiben, ansonsten ist an so einem Sonntag Morgen im Nirgendwo nicht viel los. Bis zum Highway sind es einige Kilometer und wir hoffen, dass wir von dort wenigstens nach Benneydale kommen, um dort einen weiteren Lift zum Start des Timbertrails zu bekommen. Nach ca. 15 Minuten Warterei hält schon ein Pickup mit einem Typ, der aussieht, als wäre er gerade aus dem Rugby Stadion entsprungen. 2tall macht vorne auf dem Beifahrersitz Konversation, der Typ ist staubtrocken, aber super hilfsbereit, denn er fährt uns direkt zum Trail, obwohl er eigentlich in Benneydale wohnt.
Am Start des Trails treffen wir auf einen Dänen, der auch einen Lift bekommen hat, aber erstmal zum Campingplatz will. Er sieht etwas gestresst aus und wenn wir es richtig verstanden haben, hat die letzten Tage bei dem Sturm irgendwo draußen in seinem Zelt verbracht...
Der Timbertrail ist eine alte Route der Holzwirtschaft. Er beginnt wunderbar, er ist grün, schattig und wirkt wie ein perfekter Weg durch einen botanischen Garten. Der Trail ist eigentlich für Radfahrer angelegt, es gibt Touranbieter, die Räder verleihen und Shuttles anbieten, damit die Radler möglichst wenig bergauf fahren müssen. Es gibt Kilometeranzeigen, Schilder, Infotafeln und wir bekommen einen Eindruck, was hier für die Fahrradfahrer auf die Beine gestellt wurde. Wir Wanderer sind geduldet, aber nach dem gestrigen Tag am Fluss kommt da schon etwas Neid auf, dass hier für eine Menge Geld dieser Weg in die Landschaft gefräst und ausgebaut wurde und diverse Hängebrücken entstanden sind, wobei eine Brücke bis zu 500000$ kostet. Wir steigen sanft bis auf 980 m hoch und lassen es aber mit dem Aufstieg zum Pureora Summit, weil die Sicht vermutlich gleich Null ist. 1,8 km vom Trail entfernt gibt es die Bog Inn Hut, die wir für die Nacht ansteuern. Eine alte Hütte von 1960 mit Holzplanken und einem Ofen, aber auch inzwischen mit Wasser und Toilette. Steffen und die zwei Franzosen sind schon dort. Später kommt noch ein Amerikaner, der ungefähr die doppelte Strecke von dem rennt, was wir so gehen. Verrückte Amis. Wir zelten hinter der Hütte, haben ein feines, ruhiges Plätzchen, fast ohne Kondensation und schlafen ganz gut hier oben. Für den nächsten Tag wollen wir bis zur Campsite Piro Piro gehen (21km) und nicht die über 40 km bis zur Campsite#10. Leider wird der Trail irgendwann breiter und auch die Schotterstraßen nehmen zu. In der prallen Sonne wirds zum Ende dann leider anstrengend und auch gar nicht mehr so schön. Wir schleppen uns zur Campsite, wo Steffen schon den einen oder anderen Camper kennengelernt hat. Es ist ein riesiger Platz mit kleinen Sheltern, Picknicktischen und Toiletten. Die meisten Shelter sind allerdings von Campern belegt, die ihre Autos direkt davor parken und teilsweise auch Planen aufgespannt haben. Immerhin haben wir einen Picknicktisch, wo wir uns etwas ausbreiten und kochen können. Etwas später kommt noch Vivian aus Dänemark auf den Platz, die nun Northbound unterwegs ist. Steffen kennt sie aus Ahipara, wir haben sie am Dome das erste Mal getroffen. Wir erzählen viel und freuen uns über die Trailgemeinschaft, die hier schnell entsteht, weil nicht so viele Wanderer unterwegs sind.
Die Campsite #10 liegt ungefähr 20-25 km vor uns. Leider geben die Trailnotes, die Schilder oder auch die App unterschiedliche Längenangaben an, so dass wir nicht so genau wissen, wie weit es wirklich ist. Schade, denn als Wanderer ist man nicht ganz so flexibel wie die Radler und macht eben nicht mal locker 5 km mehr. Das kann mit schweren Beinen, Blasen oder schmerzhaften Füßen ziemlich lästig werden. Immerhin ist der Weg wieder schöner, es gibt schattige, kühle Abschnitte, einige Hängebrücken (bis zu 140m lang) und auch kleine Shelter, die wir für Pausen gut nutzen können. Am Wegesrand liegen immer mal wieder rostige Bahnschienen, Räder oder anderes Zeug, die zur ehemaligen Bahnlinie gehören, die hier in den 30er Jahren die gefällten Bäume heraustransportiert hat. Leider sehen wir auch Müll, der vermutlich von irgendwelchen Hikern stammt, die ihr Zeug nicht rausschleppen wollten. Das wäre schade, wenn die Hiker dadurch auffallen, dass sie ihren Krempel nicht wieder mitnehmen oder die Shelter mit ihrem Namen und Datum beschmieren. “Shelley“ hat das im Dezember an den Hütten mit ihrem Edding gemacht und es ist bitter, wenn andere diesem schlechten Beispiel folgen würden.
Die Campsite#10 ist klein, hat ein Shelter und eine Toilette, allerdings keinen Wassertank. Steffen hat aber schon den Stream gescoutet, so dass wir davon billig profitieren können, auch wenn der Zugang zum Flüsschen gar nicht so einfach ist. Wir bleiben an diesem Abend zu dritt und Steffen erhält endlich einen Trailnamen: "San Remo". Denn sein Abendessen besteht fast immer aus San Remo Nudeln, die er inzwischen jedem empfiehlt, manchmal verschenkt er sogar eine Tüte, um die Leute einfach mit dem sagenhaften Geschmack zu überzeugen ;-)
Auf den letzten 17 Kilometern auf dem Timbertrail sehen wir noch die Spirale, die der Zug damals gefahren ist, einen sehr dunklen Tunnel und diverse alte Brückenreste von damals. Der Weg ist eben und geht bergab, so dass wir richtig flott unterwegs sind. Leider gehts wegen Holzarbeiten am Ende nochmal auf eine Umleitung mit Schotterstraße, die uns dann doch etwas müde macht. An den Containern, wo die Fahrradverleih-Firma ihren Sitz hat und es auch eine kleine Campsite gibt, stehen einige Autos. Doch leider fährt keiner in Richtung Taumarunui, bei dem wir mitfahren könnten. Wir müssen also wohl doch noch auf der Straße bis zum Highway laufen. Aber der goldene Daumen hat mal wieder seinen großen Einsatz und nach 3 Minuten hält ein Auto, was uns direkt an Steffen vorbei und uns alle drei vor den Pizzaladen von Taumarunui fährt. Cool!
Was die nächsten Tage bringen, müssen wir noch austüfteln. Zwischen kilometerlanger Straßenlatscherei, dem Tongariro Crossing und der Bridge to Nowhere am Whanganui River liegen noch ein paar organisatorische Herausforderungen. Dazu kommt das Wetter, was uns zusätzlich eventuell noch den Weg erschwert. Wir werden berichten, wie es hier auf dem Te Araroa mit uns weitergeht.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Te Araroa: Auckland - Te Kuiti

In Auckland haben wir ja leider einiges an unserem Ruhetag zu tun wie z.B. unser Paket neu bestücken und zur Post bringen, Haare auf dem Kopf und im Gesicht schneiden, nach ein paar neuen Ausrüstungsgegenständen schauen, weil schon wieder was kaputt gegangen ist. So ein richtiger Ruhetag wirds also nicht.
Diesmal hat es unsere Platypus Faltflasche erwischt und auch mein schönes Icebreaker Shirt ist am Rücken durchgerieben. Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich mein Sport-BH, den ich jetzt aussortiert habe und mir einen neuen, ohne Verschluss, gegönnt habe. Leider gab es in drei Outdoorläden in Auckland keine Faltflasche und auch die Shirts waren trotz Ausverkauf unsäglich teuer. Wie gut, dass ich noch das schwarze Shirt aus den USA im Paket hatte.
Um 8 Uhr startet unser Bus nach Hamilton. Wir werden eine Strecke von ca. 200 km überspringen, weil es vorwiegend Straßenlatscherei wäre und der einzige Wald wohl gesperrt ist. Die Busfahrt ist nervig mit den vielen Leuten und wir sind sehr froh, als wir wieder von Hamilton loswandern können. Leider gehts auch erstmal wieder auf Straßen los und wir werden von vielen Leuten komisch angestarrt. Ob die alle nicht wissen, dass der Trail hier entlang geht? Könnte sein, denn so alt ist der Te Araroa ja noch nicht (offizielle Eröffnung war im Dezember 2011). Wir kommen trotz Hitze, Asphalt und etwas Hüftschmerzen bei mir gut voran und stoppen in einem Café am Wegesrand. Irgendwie sind wir aber beide nicht gut drauf und können die Musik, die Leute kaum ertragen. Auch der Kaffee schmeckt nicht und wir starten bald wieder, um bis zum B&B zu kommen, wo wir im Garten für 10$ campen können. Als wir klingeln, ist erstmal keiner da und wir warten auf dem Hof und hoffen, dass die Leute nicht im Urlaub sind. Wir hören ein paar Schäfchen blöken und wissen da noch nicht, dass sie bald zu unserer Abendgesellschaft gehören werden. Das englische, ältere Ehepaar, was das B&B betreibt, kommt vom Spaziergang und lädt uns ein, ein wenig auszuruhen und im Sommerhaus Platz zu nehmen. Sie bieten uns kaltes Wasser und eröffnen uns dann, dass die Cabin leider belegt ist und dass sie sonst den Hikern erlauben, das Bad dort zu benutzen. Tja, leider nein, also dann doch nur der Spaten, die Schafswiese, aber dafür ein ruhiges Plätzchen mit vielen Sandflies, die uns am Abend ordentlich ärgern. Sandflies sind echt fiese Gesellen. Man merkt sie natürlich erst, wenn sie gestochen haben und diese Stiche jucken wie die Hölle für eine Ewigkeit. So schnell wie möglich gehen wir also schlafen und sind um 20.30 Uhr im Bett, also im Zelt... auf der Luftmatratze. Für den nächsten Tag haben wir uns viel vorgenommen, denn bis zur Hütte sind es einige Kilometer, vor allen Dingen Höhenmeter. Aber das Wetter soll schlechter werden und wir haben gelesen, dass der Weg noch matschiger und rutschiger im Pirongia Forest werden kann, wenn es geregnet hat. Wir laufen also über Straßen, Wiesen, Farmland und werden irgendwann von "Twig" und "Lost Kiwi" überholt. Die beiden haben die Strecke zwischen Auckland und Hamilton nicht übersprungen und machen jeden Tag ein ordentliches Pensum von mindestens 30-40km. Wir treffen sie nochmal am Fuße des Berges, dort ist ein Campground mit Flüsschen, wo wir Wasser auffüllen und uns stärken können. Alle breiten ihre Zelte zum Trocknen aus, weil eigentlich jede Nacht soviel Feuchtigkeit in der Luft ist, dass die Zelte nass und schwer werden. Ab dem Campingplatz verläuft der Weg angenehm bergauf und wir freuen uns schon, dass es so leicht und auch noch idyllisch ist. Am Ende ziehen sich die 24km aber doch erheblich, weil es immer wieder "falsche Gipfel" gibt, die uns mental aber auch körperlich ordentlich Körner kosten. Wir halten mit Steffen über SMS Kontakt und er berichtet, dass die Hütte immer voller wird. Hoffentlich bekommen wir noch eine Matratze im Bettenlager, was für 20 Leute ausgerichtet ist. Es soll in der Nacht schon anfangen zu regnen und da wäre es gut, ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Die letzten Meter sind immer mal wieder mit Boardwalk ausgestattet und das ist doch erheblich angenehmer zu gehen, wir kommen trotzdem ziemlich ko in der Hütte an und freuen uns, Steffen dort wiederzusehen. Er ist schon etwas länger hier oben und hat sich quasi schon häuslich eingerichtet. Es sind einige Menschen hier, nicht nur Thru-Hiker, sondern auch Sectionhiker, die mit ihrem ausgefallenen Silvestermenue auffallen. Denn es gibt Wein, verschiedenen Sorten Käse, Brot und Cracker. Wir peppen unser Essen "nur" mit Knoblauch, Kurkuma und Olivenöl auf und zur Feier des Tages gibt es ein paar Erbsen. Wir halten natürlich nicht bis um 12 Uhr durch und verschlafen den Jahreswechsel, wie auch einige andere auch. Alle sind von dem anstrengenden Aufstieg ziemlich erledigt. Der Abstieg wird auf 3-5 Stunden geschätzt und wir sind gespannt, wie wir es mit den Wurzeln und dem Matsch hinbekommen. Die Hütte steht am Morgen im Nebel und es regnet leicht, so dass wir in voller Montur losstiefeln. Aber die Temperaturen sind für unsere Ponchos und Regenhosen doch zu warm. Es dauert nicht lange, bis wir das ganze Gummizeug wieder ausziehen. Die Matschlöcher sind zahlreich, die Wurzeln seifig glatt und manche Passagen sehr steil. Wir schaffen es ohne Stürze, aber die Konzentration bei jedem Schritt ist so hoch, dass wir nach 3,5 Stunden zwar heile unten ankommen, aber ziemlich müde sind. Leider ist das noch nicht unser Tagwerk, es gibt noch einiges an Schotterwegen zu bewältigen und die Frage nach der Übernachtung ist auch noch nicht klar. Es gibt wohl jemanden, der Wanderer in seinem Garten übernachten lässt, aber ob er zu Hause ist, wissen wir nicht. Wir laufen erstmal los und müssen bald wieder die Regenponchos rausholen und als wir die stark befahrene Asphaltstraße erreichen, pladdert es mächtig. Hmmm, bei so einem Wetter zu zelten kann richtig unangenehm sein. Als wir zu Michaels Haus kommen, sind Manu und Paula, ein Pärchen, was wir auf der Hütte kennengelernt haben, schon auf der Veranda und versuchen sich etwas trocken zu legen. Wir müssen um den Hühnerdreck auf der Veranda etwas herumtänzeln, können uns aber dann auch im Wohnzimmer ein wenig aufwärmen und trocknen. Michael wohnt allein mit seinen 6 Hühnern und einigen Kühen, die er von seiner Wohnzimmer beobachten kann. Das kleine Häuschen hat den Charme einer Junggesellenbude, obwohl er auch Kinder und Enkelkinder hat. Aber auch wenn er immer wieder betont, wie gut es ihm geht, wirkt er sehr getrieben, unruhig und steckt sich immer wieder sein Pfeifchen mit Rauschmittel an. Es ist mal wieder bizarr, wir tropfnassen Hiker auf dem Sofa, der 90. Geburtstag der Queen im Fernsehen und der rauchende Hausbesitzer, der mit seinen Hühnchen spricht wie mit Kindern. Das französische Pärchen macht sich bald wieder auf den Weg, sie wollen noch 10 km laufen und dann irgendwo am Fluss zelten. Wir bleiben definitiv hier, bauen aber im Regen noch nicht das Zelt auf, sondern trinken erstmal mit Michael Tee. Er scheint die Gesellschaft zu genießen. Im Laufe des Gesprächs bietet er uns dann auch ein paar Matratzen im Haus an, die wir dankend annehmen. Das ganze Haus ist zwar etwas dreckig, aber wir haben ein trockenes Plätzchen, das ist toll. Zwei Hühnchen stehen draußen bei dem Regen unter einer Schiebkarre und das ganze nasse Elend ist in diesem Ferdervieh sichtbar. Oh man, wenn man als Wanderer und Huhn nass, hungrig und müde ist, kommt so einiges zusammen. Hilfreich ist dann eine warme Jacke und ein Nudelsüppchen, was wir glücklicherweise beides haben. Wir können Michaels Töpfe und den Herd nutzen und machen uns eine große Portion Ramen-Nudeln, die uns wieder durchwärmt. Ich schlafe in der Nacht wie ein Baby und erhole mich von der unruhigen Hüttennacht, wo ich stündlich aufgewacht bin, weil die Betten so kurz und die Leute so laut waren. Am Morgen ist natürlich alles feucht und nebelig, aber es regnet nicht mehr. Gut. Wir machen uns auf, reden noch lange über Michael, die Kiwis. Land und Leute in Neuseeland eben. Der Trail zeigt uns viele Facetten des Landes, aber eins ist sicher, diese Gastfreundschaft hier ist einmalig.
Steffen hat sich vorgenommen, heute über 32km zu gehen, kurz vor Waitomo soll es eine Hut geben, wo man für 15$ übernachten kann. Wir sind unschlüssig, ob so ein langer Tag überhaupt machbar ist und laufen erstmal los. Es geht durch Wald, der mal wieder fiese, tückische Matschlöcher hat und über Wiesen mit sehr ängstlichen Schäfchen. Wir kommen an ein Schild, auf dem der Waitomo Walkway mit 17km und ca. 5 Stunden Dauer beschrieben wird. Man darf nirgendwo campen und somit ist klar, dass auch wir den langen Tag machen werden. Puh, mal sehen, wie es uns damit geht, denn das letzte Mal, als wir so eine Strecke zurückgelegt haben, waren wir noch 4 Jahre jünger, eine Ewigkeit her. Ein Gewitter zieht schräg an uns vorbei und wir hören immer mal wieder das Grollen. Die Wolkenschichten sind vom Flugplatz gut zu sehen, aber bei diesem Wetter können wir die Graspiste gut überqueren, ohne in Gefahr zu geraten. Es geht nochmal einige Matschwege hoch und runter und auch ein Fluss muss noch durchquert werden, dann erreichen wìr die Straße. Nur noch 1,5km bis zur Hut, die von einem Club geführt wird. Einige junge Leute wohnen und arbeiten hier, wobei das Arbeiten wohl eher Nebensache ist, denn die Hütte ist insgesamt etwas runter und dreckig. Aber immerhin gibt es ein Zimmer für uns allein und eine warme Dusche. Zwei Leute, die gerade mit dem Auto losfahren wollen, können wir überzeugen, dass sie uns Chips und süße Getränke aus der Stadt mitbringen. Gutes Timing.
Wir essen unsere letzten Gerichte, der Futterbeutel hat nur noch ein paar Haferflocken fürs Frühstück, dann bin ich komplett pleite. Leider habe ich mir das Essen mal wieder nicht gut eingeteilt oder hatte zu wenig dabei. Das ist echt ein Problem, mich unterwegs so zu disziplinieren, dass ich auch am Ende noch etwas habe und nicht 2tall um Trailmix anbetteln muss. Gerade Salznüsse kann ich so wegsaugen und bei Regen esse ich immer zuviel, weil ich dann auch so genervt bin. Hoffentlich kann ich mir da für die Südinsel noch eine bessere Taktik aneignen, denn dann werden wir auch mal 8-tägige Abschnitte haben, ohne nachkaufen zu können. Am nächsten Tag kommen wir aber durch Waitomo, einem Touristenörtchen, denn hier gibt es die Glühwürmchen-Höhlen und für schlappe 91$ kann man eine Tour buchen. Wir steuern das Café an und gönnen uns ein zweites Frühstück, um die 17km bis Te Kuiti zu meistern, denn die haben es laut den Trailnotes nochmal in sich. Es geht immer wieder 150 Höhenmeter hoch und runter, und das angekündigte Farmland hat eigentlich immer Löcherwiesen zu bieten, weil die Kühe alles kaputt treten. Hinter Waitomo haben wir aber erstmal ein ganz anderes Problem, denn ein Bulle weigert sich strikt, seine Weide freizugeben, damit wir passieren können. Er schreit und blökt, verfolgt uns am Zaun und scharrt gefährlich mit den Hufen, wobei er auch den Kopf zum Angriff senkt. Das Vieh ist aggressiv und glücklicherweise weiß es nicht, dass dieser kleine Zaun ein Leichtes für ihn wäre, da durchzumarschieren. Wir wollen es nicht drauf ankommen lassen und entscheiden uns, außen rum zu gehen, was zum Glück möglich ist. Mit jedem Schritt werden wir beobachtet, verfolgt, heftig angebrüllt. Seine Kollegen auf der Weide sind übrigens völlig ruhig und veranstalten nicht so ein Theater. Sehr ungewöhnlich. Wir kommen ohne Angriff des Killerbullens wieder auf unseren Weg und müssen auf einem glitschigen Pfad steil gehen, hier wurde versucht, einige Stufen zu bauen, aber der lehmige Boden macht es uns Wanderern echt nicht einfach. Nach dem Lehm kommt der "Gorse", eine sehr pieksiger Busch, der hier gut zu wachsen scheint, denn der Weg ist dicht und ärgert uns erheblich. Neben dem anstrengenden Weg, der hohen Luftfeuchtigkeit, dem aggressiven Bullen gibt es dann noch zur Krönung ein Flugzeug, was fast direkt über uns irgendein Zeug versprüht. Es ist eine komische Situation, denn der Pilot besprüht nur ein bestimmtes Gebiet und am Rande veranstaltet er artistische Flugmanöver. Heute wird uns wirklich alles geboten und als wir dann noch 30 Minuten nach dem Weg forschen müssen, weil sowohl Marker fehlen, als auch der GPS Track nicht passt, kippt die Stimmung bei uns dreien. Das ist wirklich nervig und wir verlieren dadurch einfach Zeit. Leider stürzt Steffen dann auch noch fast von einem Übertritt, weil der Pfosten plötzlich nachgibt. Er landet auf dem Zaun, der zum Glück aus glattem Draht besteht und keine Stacheln hat. Wat ein fieser Tag, den wir so nicht nochmal brauchen. Wir essen in Te Kuiti und kaufen noch ein. Während 2tall vor dem Supermarkt auf unsere Rucksäcke aufpasst, wird er von einem Typen mit einem Kommentar beschenkt: "You gonna get your ass wet...!" Das ist doch mal eine nette, einheimische Begrüßung und Ankündigung des Tropensturms in den nächsten Tagen.
Wir verabschieden uns von Steffen, der im Backpackers etwas außerhalb der Stadt wohnen wird. Wir werden zwei Ruhetage machen und den Regen hier im Motel aussitzen. Na denn!

Freitag, 29. Dezember 2017

Te Araroa: Orewa - Auckland

Weihnachten am Strand ist eine besondere Erfahrung. Weihnachtsstimmung kommt irgendwie nicht auf, auch wenn einige Leute mit roten Mützen herumlaufen, ihre Zelte mit Lichterketten geschmückt haben oder manche Geschäfte mit Glitzerzeug überzogen sind. Wir haben eher Sommerferienstimmung und die meisten Menschen haben ebenfalls Urlaub und genießen ihre Ferien am Beach. Der Strand in Orewa ist voll und es wird Fußball oder Cricket gespielt, die Kinder bauen Sandburgen und viele lassen sich auch nur in den Wellen treiben. Neben unserer Cabin hat sich eine Gruppe/Großfamilie eingemietet, die die Feiertage offensichtlich sehr feucht-fröhlich feiern will, denn die Bierflaschen kreisen schon am Morgen und auch die Sektkorken knallen immer mal wieder. Leider scheint es ohne Musik bei ihnen aber nicht zu gehen und deswegen dröhnen die meiste Zeit irgendwelche Popsongs zu uns herüber. 2tall versucht, mit den Leuten zu sprechen, aber sie reagieren gar nicht weihnachtlich und werden sofort pampig. Schade, denn das ist unsere erste negative Erfahrung, die wir hier mit den Kiwis machen. Aber ok, die Nähe der Stadt und die Masse an Menschen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man auch mal unflexible, nicht so nette Leute trifft. Wir versuchen trotzdem, unseren Zero-Weihnachtstag so angenehm wie möglich zu machen. Wir haben leckere Sachen eingekauft, kochen köstlich und füllen unsere Kohlenhydratspeicher für die nächsten 500 km auf. Ich habe hier übrigens super leckeren Kokosnuss-Yoghurt entdeckt und mische ihn natürlich mit Blaubeeren und Bananen. Ich glaube, das wird mein absolutes Lieblingsessen. Jede Wanderung hat ja so ihre Leckereien. In den USA gab es weiße Schokolade, gefüllt mit Erdnussbutter. Klingt speziell, fand ich extrem lecker. 2tall braucht eigentlich immer Snickers beim Wandern und zeitweise entwickelt sich dieser Appetit sogar zum Snickers-Problem, aber darüber spricht er nicht so gerne ;-)
Am zweiten Weihnachtstag packen wir wieder unsere Sachen und verlassen Orewa. Es stehen nur 14km bis Stillwater an, wo wir auf einem Campingplatz umsonst nächtigen können, weil der Besitzer sehr freundlich gegenüber Te Araroa Wanderern ist. Leider können wir nicht noch weiter gehen, denn die nächste Flussüberquerung steht an und die kann man absolut nur bei Ebbe machen. Und selbst dann könnte uns das Wasser noch bis zur Hüfte reichen. Wir werden es morgen probieren und erleben. Die Strecke heute bestand leider ausschließlich aus Asphalttreterei und wir bekommen einen Eindruck, wie es wohl weiter in Richtung Auckland gehen wird. Der erste Teil des Tages geht noch durch Wohngebiete, die einen schönen Blick aufs Wasser haben. Da fahren auch Radler und diverse Spaziergänger und Jogger absolvieren hier ihr morgendliches Sportprogramm. Wir kehren für einen Vanilleshake und Kaffee nochmal ein und stellen uns danach dem Verkehr. Es wird leider sehr unschön, wir laufen direkt auf einer Straße, auf der die Autos mit mindestens 70km/h an uns vorbei rasen. Der Seitenstreifen ist sehr schmal und wir drei tapern nicht wirklich fröhlich voran. An einem Bushäuschen machen wir eine Pause und sind uns ziemlich sicher, dass wir die Strecke zwischen Auckland und Hamilton mit dem Bus überbrücken wollen. So direkt an einer engen und kurvigen Straße zu laufen, bringt nix und ist außerdem gefährlich. Viele Autofahrer scheinen aber auch gar nicht zu wissen, dass hier ein Weitwanderweg entlang geht, denn wir werden manchmal mit sehr bösen Blicken bedacht, wenn ein Auto mal wieder wegen uns und des entgegenkommenden Verkehrs langsamer fahren muss.
Der Stillwater Campground ist ein privater, etwas älterer Platz mit dem Charme der 70er Jahre. Auch die Bewohner scheinen seit der Eröffnung des Platzes hierher zu kommen... Die Wanderer allerdings dürfen in einer Halle schlafen, die nicht nur mit Matratzen ausgestattet ist, sondern auch einige Fitnessgeräte bietet: Liegefahrrad, Rudergerät, Laufband, Vibrationsplatte und Billardtisch. Sehr speziell, denn es ist schon alles etwas runter, staubig und irgendwie bizarr. Die Wände dürfen übrigens von den Wanderern bemalt werden und wir verewigen uns auch mit unserem Trailnamen und dem Datum. Der Besitzer des Campgrounds kommt nach unserem Abendessen nochmal vorbei und zeigt uns auf der Karte, welche Stelle zum Passieren des Flusses am besten geeignet ist. Von der Zeit passt es um 8.20 Uhr am Morgen am besten, aber es wird wohl immer noch hüfttief werden... Er bietet uns auch an, uns um die Stelle herum zu fahren, aber wir lehnen ab und wollen dieses Abenteuer zusammen durchstehen. Wir gehen früh schlafen, aber leider wirds eher eine unruhige und kurze Nacht. Ich bin definitiv etwas angespannt wegen der Fluss-Überquerung, aber die verranzten Matratzen sind jetzt auch nicht unbedingt "nice and comfy". Um 7.15 Uhr kommen wir am nächsten Tag los und können auf dem wellengeformten Meeresboden unterhalb einer wunderschönen Steilküste entlang gehen. Außer uns Dreien ist keiner unterwegs und wir gehen tief in Gedanken, sehr still in Richtung Flüsschen "Okura Estuary", wo wir am 4. Marker, laut der Trailnotes, das Wasser am besten passieren sollten. Steffen zieht sein T-Shirt aus und Gamaschen an, wir entledigen uns unserer langen Hosen. In Unterbuchse und Crocs gehen wir unserem Schicksal entgegen. 2tall scoutet erstmal ohne Rucksack und ist für 3-4 Schritte bis zum Bauch abgetaucht. D.h. die Rucksäcke müssen über den Kopf oder auf die Schulter (so macht es Steffen) und ich trage unsere Schuhe. 2tall geht also mehrmals hin und her und nimmt mir meinen Rucksack ab, wofür ich sehr dankbar bin. Keine Ahnung, ob ich meinen Golite auf dem Kopf hätte balancieren können. Als wir am anderen Ufer sind und uns trocken legen, erzählt 2tall von zwei Rochen, die er beim Waten aufgeschreckt hat. Uhh, das war aber sehr schlau, dass er mir das nicht vorher gesagt hat. Ich war übrigens bis "Tittenhöhe" im Wasser und war erleichtert, dass es nicht noch eine starke Strömung gab.
Bis zum nächsten Strandabschnitt sind es einige Kilometer an der Steilküste entlang und wir schleppen uns so dahin, denn irgendwie sind wir alle ziemlich müde und kaputt. Wir wandern an diversen Bays vorbei (Long Bay, Browns Bay, Mairangi Bay...) und machen mal in einem Park oder direkt am Wasser auf den Bänken Pause. Wir beobachten Kinder, Hunde, Wasserspringer und philosophieren über die großen Häuser/Villen, an denen wir vorbei ziehen. Komischerweise sehen viele Objekte gar nicht bewohnt aus. Wir sind uns einig, dass wir nicht so leben wollen würden. Dann doch lieber weiter draußen, mit Platz drum herum und ein paar Schafen, Ziegen und definitiv einem Hund.
Wir werden mit unseren Rucksäcken und den Wanderstöcken immer mal wieder angestarrt und manchmal gibt es Fragen, wohin wir denn wandern würden, woher wir kämen. Kurz vor Milford Bay biegen wir zu unserem B&B ab, Steffen hat eine Unterkunft etwas außerhalb bei einer ehemaligen Thru-Hikerin, die im letzten Jahr den Trail gelaufen ist. Wir werden tatsächlich in einer dieser Villen heute Nacht schlafen, allerdings entpuppt sich das Ganze irgendwie als Airbnb und weniger als B&B. Es ist ein wenig komisch, und auch wenn die jungen Leute (sie Chinesin, er vielleicht Spanier?) freundlich sind, können wir uns nicht komplett entspannen. Sie erzählen, dass in dem großen Wohnzimmer sonst Yoga unterrichtet wird, die Yoga-Lehrerin aber gerade in China zur Fortbildung weg sei. Schade, eine Yoga-Stunde hätte ich sonst gerne noch mitgenommen. Die Sicht aus unserem Zimmer auf das Meer ist allerdings gigantisch und wir können es noch nicht so ganz glauben, dass das heute Nacht unser Dach über dem Kopf ist. Wir duschen und machen uns danach aber erstmal zum Restaurant an der Ecke auf. Es ist eine griechische Taverne, die von einem Klischee-Griechen geführt wird, der seine finanzstarken Gäste alle mit Küsschen rechts und links begrüßt. Wir haben leider keine Reservierung, bekommen aber noch ein Plätzchen, um den klassischen griechischen Salat, Auberginen-Dip und die vegetarische Pizza zu genießen. Die Griechen sind zwar nicht weltberühmt für ihre Pizza-Kreationen, aber 2tall liebt nun mal Pizza.
Das Frühstück in dem Yoga Haus ist so ungewöhnlich wie erwartet, denn wir sollen uns einfach am Kühlschrank bedienen, der nicht so ganz unseren Sauberkeitsstandards entspricht. Aber die Nespressomaschine macht uns einen leckeren Kaffee und auf dem Tisch stehen Weetabix und Nutella, nun denn. Wir ziehen bald los und sind froh, dieses Haus zu verlassen, irgendetwas war, wie gesagt, komisch.
Die Straße und der Asphalt haben uns bald wieder fest im Griff und als wäre es abgemacht, sehen wir Steffen am Milford Beach, der dort 5 Minuten vorher abgesetzt wurde. Wir marschieren also zusammen los und werden immer wieder angesprochen, woher wir kommen, wohin wir gehen. Die beste Unterhaltung habe ich allerdings mit 2 Kindern, die mit ihren Eltern am Strand sitzen. Was ich denn mit diesem großen Rucksack machen würde, und wo ich denn wohnen würde, wenn ich unterwegs sei. Aha, ein Zelt, na sie hätten zu Hause ja ein richtiges Haus. Ich beglückwünsche sie zu ihrem Haus und die Mutter muss dann noch hinzufügen, dass das ja ein sehr großes Abenteuer sei, so lange unterwegs zu sein. Ist es ein Abenteuer? Eine besondere Reise mit sehr viel Abwechslung auf alle Fälle.
An einem Strandabschnitt treffen wir auf einen Deutschen, der hier schon seit 20 Jahren lebt und auch schon einige Strecken gewandert und gepilgert ist. Er ist, wie wir, auf dem Weg zur Fähre nach Davenport und wir unterhalten uns übers Wandern, den Te Araroa, aber auch den Appalachian Trail. Um 12.45 Uhr können wir die Fähre für 6$ nach Auckland City nehmen. Der Wind ist recht böig und das Wasser ziemlich unruhig, aber beim Fahren ist von der Unruhe kaum etwas zu spüren. Wir besorgen uns beim DOC Office (Department of Conservation) noch den Hut Pass für schlappe 92$ pro Person und können so auf die Hütten zurückgreifen, die es bald unterwegs gibt. Allerdings dürfen wir mit diesem Pass nicht die Hütten der Great Walks benutzen, denn die muss man extra buchen und natürlich extra bezahlen. Da noch genügend Zeit ist, essen wir mit Steffen noch etwas am Hafen und ziehen dann unserer Wege. Steffen hat eine Bekannte etwas außerhalb von Auckland, wo er übernachten wird. Wir haben ein Zimmerchen in der Queenstreet, müssen vorher aber auch noch unser Paket von der Post abholen. Wir kaufen noch ein wenig ein, um Abendbrot zu haben und beziehen ein Zimmer im achten Stock mit einem unfassbaren Blick auf die City Aucklands. Für den nächsten Tag stehen einige Besorgungen an, denn ein paar Sachen sind abgenutzt oder kaputt und wir hoffen, hier etwas zu bekommen. Es wird also kein wirklicher Zeroday, aber es wird hoffentlich reichen, "zwischen den Jahren" auch etwas durchzuschnaufen.