Freitag, 24. November 2017

Te Araroa: Der weite Weg nach NZ

Bei Nieselwetter und Kälte brechen wir auf, um ans andere Ende der Welt zu gelangen. Zweimal 11 Stunden Flugzeit liegen vor uns. Da kommen einem die zwei Stunden Zugfahrt nach Frankfurt wie ein Wimpernschlag vor. Zum Glück hat keine Bahn Verspätung und wir haben noch eine gewisse Zeit, um uns gemütlich auf die nächsten Stunden, gefangen auf einem Sitz in einer Blechkiste, vorzubereiten. Wir schlendern durch das Flughafengebäude, halten bei verschiedenen Buchläden an und hören von weitem die Menschen, die zur Montagsdemo gekommen sind, um eine Vergrößerung des Frankfurter Flughafens zu verhindern. Wir befinden uns immer noch, gute 10 Tage nach dem USA Rückflug, in einer Zwischenwelt und können uns noch nicht so recht vorstellen, bald wieder auf Wanderschaft zu sein. Die Bilder vom Te Araroa, die wir von anderen Wanderern im Internet gefunden hatten, halfen aber mit, eine gewisse Vorfreude zu entwickeln. Leider wird die Logistik am und um den Track wohl deutlich schwieriger werden, denn der Te Araroa ist noch nicht so etabliert wie der Appalachian Trail, wo es ein Leichtes war, sich zu verpflegen oder eine Unterkunft zu finden. Nicht, dass das leicht zugängliche Essen auch geschmeckt hätte... aber davon habe ich ja bereits ausführlich berichtet.
Mit einem Zwischenstopp in Hongkong gibt es die Gelegenheit, sich ein bißchen zu bewegen und nur 1,5 Stunden später begeben wir uns ins nächste Flugzeug, um nach Auckland zu fliegen. Diesmal hat 2tall einen Fensterplatz und ich quetsche mich in die Mitte der Reihe. Glücklicherweise sitzt diesmal keiner vor uns und wir bekommen nicht plötzlich den Bildschirm gegen die Nase gedrückt. Die Uniformen der Besatzung von Air New Zealand sind auffallend farbenfroh, ehrlich gesagt, finde ich die ganz schön hässlich. Und es sind erstaunlich viele Stewards an Bord. Einer organisiert mir sogar noch ein vegetarisches Essen, wofür ich sehr dankbar bin. Was erwartet uns wohl in NZ? Der AT war ja schon fast ein wenig Routine, dort in Neuseeland wissen wir noch nicht so viel und wahrscheinlich müssen wir viel mehr improvisieren bzw. alles nehmen, was so kommt.
Zunächst gilt es aber mal die Flugstrapazen und den Jetlag zu überwinden. Wir kommen morgens in Auckland an, aber bis wir aus dem Flughafengebäude raus sind, ist es auch schon 11.30 Uhr. Beim Zoll werden wir natürlich ordentlich gefilzt, weil wir diverse gebrauchte Campingsachen dabei haben. Das Zelt wird uns sogar abgenommen und wir bekommen es eine Vietelstunde an einer anderen Stelle wieder. Insekten und Pflanzenteile sind die gefürchteten "Mitbringsel", die das Ökosystem hier empfindlich stören könnten. Der Zollbeamte spricht etwas deutsch und sagt mir, dass ich 2tall unbedingt Katzenzungen besorgen soll, weil die ja so lecker wären, ahh ja.
Mit einem Bus kommen wir zwar in die Stadt, aber bis zum Hostel ist es dann doch noch zu weit und da uns vom Flug so schwindelig ist, nehmen wir uns ein Taxi bis zu unserer Unterkunft. Das Hostel liegt ruhig im hübschen Stadtteil Parnell. Es ist einfach und schon etwas runter, aber wir sind froh, angekommen zu sein. Wir duschen und versuchen, nicht einzuschlafen, was nicht einfach ist. Um 19 Uhr legen wir uns dann aber doch hin und schlafen bis zum nächsten Morgen um 8.30 Uhr durch. Da waren wir wohl doch etwas müde von den letzten 2 Tagen. Am nächsten Tag wagen wir uns in die Stadt und gehen durch einen kleinen Park. Es ist alles so grün und die Temperaturen so sommerlich, dass wir es kaum glauben können, hier zu sein. Am DOC-Office wollen wir eigentlich einen Hut Pass kaufen, aber wir sind am falschen Office, denn das ist nur ein Büro für die Mitarbeiter. Na super, das könnten sie ja auch mal im Internet korrigieren. Die nächste Möglichkeit, den Hut Pass zu kaufen, ist im Outdoor Laden in der Stadt, wo wir sowieso hin wollen wegen der gefriergetrockneten Gerichte. Die Innenstadt ist voll und sehr laut und wir sind schnell akustisch überfordert, denn nicht nur Verkehrslärm, auch Straßenmusiker, Musik in den Geschäften und die vielen Leute ergeben eine schwer erträgliche Kakophonie für uns und unsere Ohren. Also nix wie weg und wieder zurück in unseren Stadtteil, wo wir aber noch in einem Schreibwarenladen unsere Bouncebox erstehen und einen Termin beim Chiropraktiker für den nächsten Tag für mich machen. Denn meine Hüfte und mein unterer Rücken machen mir immer noch etwas Probleme, was ich gerne abgeklärt haben möchte. Um 10.30 Uhr gehen wir am nächsten Morgen in die Chiropraxis und ich werde erstmal ein bißchen befragt, woher die Schmerzen kommen könnten. Dann legt der Typ los, als gäbe es kein Morgen mehr. Er ertastet mehrere "Baustellen" und rüttelt mich aber erstmal etwas mit einem Gerät durch, um mich bzw. meine Muskeln lockerer zu machen. Dann kracht und knackt es mächtig und ich vergesse fast zu atmen, weil es auch etwas unangenehm ist. Er empfiehlt mir für die nächsten Tage noch etwas Wärme, aber im Grunde genommen ist seine Meinung, dass das viele Wandern schon ein Gesundheitsrisiko sei, und dass wir versuchen sollten, die Schäden zu minimieren... Hmm, das wollten wir jetzt nicht hören, aber leider fühlt es sich gerade genau so an. Trotzdem treffen wir die letzten Vorbereitungen für unseren Start am Montag und gehen noch einkaufen, um unsere Futtertüten zu präparieren. Morgen müssen wir noch unsere Bouncebox packen und verschicken, dann gehts Sonntag mit dem Bus gen Norden.
Wir sind sehr gespannt auf das Abenteuer Te Araroa, kia ora und bis bald.

Freitag, 3. November 2017

AT: Buchanan - Daleville

Kurz vor unserem Zielort Daleville stoppten wir ein letztes Mal in Buchanan. Das Motel lag verkehrsgünstig an der Interstate, Restaurant und Tanke direkt nebenan. Die Tanke nutzten wir zum Auffüllen der Futterbeutel, leider war das Angebot sehr begrenzt, aber für zwei Tage konnten wir den Tankstellenfraß akzeptieren. Auch das Motel bot zum Frühstück leider auch nur verpackte Kuchen, Kekse und Riegel an, so dass ich nach diesen zwei Tagen tatsächlich innerlich eine Plastikphobie entwickelt habe. Ich konnte nix Verpacktes mehr sehen, da stellten sich sofort meine Darmzotten auf und rebellierten...
Ungünstigerweise hatte das Restaurant, was uns am Sonntag ja sehr gut bewirtet hatte, Montag und Dienstag Ruhetag. Im Ort sollte es aber noch etwas anderes geben, so dass 2Tall mit dem Motelmitarbeiter verabredete, dass er uns abends in den Ort bringen würde. Leider war dann aber kein Fahrer da und ein älterer Herr, der offensichtlich zum Motel gehörte, bot uns die älteste Karre auf dem Hof an. Die kannten wir schon, weil wir mit dem Gefährt auch vom Trail abgeholt wurden, aber selber zu fahren, war nochmal ein besonderes Erlebnis. 2Tall hatte erstmal den Schaltknüppel in der Hand, das Armaturenbrett war mit Klebeband geflickt, die Tankanzeige stand konstant unter Null, aber irgendwie kamen wir zu der Dorfkneipe, wo wir tatsächlich auch etwas zu Essen bekamen. Die ganze Situation war zwar absolut absurd und wir hatten doch Sorge, dass wir mit der Klapperkiste nicht mehr heil zurückkämen, aber es funktionierte. Wir waren an dem Abend satt, nicht wirklich zufrieden, aber gestärkt für die letzten zwei Tage auf dem Trail.
Für das morgendliche verabredete Shuttle mussten wir dann auch erstmal wieder telefonieren, aber letztendlich kamen wir da an, wo wir hin wollten. Wir sind ja immer wieder irritiert, dass manche Sachen, trotz Absprache, nicht klappen. Gut, das ist jetzt kein typisch amerikanisches Problem, aber hier waren wir, als Wanderer, viel mehr von den Leuten abhängig. Das war schon manchmal nervig, denn an diesem Tag wollten wir 17 Meilen machen, und wenn dann eine Stunde einfach wegfällt, hätten wir die letzten Meilen im Dunkeln wandern müssen, was mir überhaupt nicht behagen würde. Aber wir konnten um ca. 9.15 Uhr loswandern und hatten mal wieder einen herrlichen, klaren, sonnigen Tag. Wow, dieser blaue Himmel war einfach toll und wir genossen diesen vorletzten Tag so sehr. Denn nicht nur das Wetter war super, auch die verfärbten Blätter und die grandiosen Aussichten in die Gegend gaben einfach nochmal alles. Wir gingen häufig parallel zum Blue Ridge Parkway und kreuzten ihn auch immer mal wieder. Um kurz vor 17 Uhr erreichten wir das Shelter und von weitem konnten wir schon ein Feuer erkennen. Erst waren wir etwas enttäuscht, weil wir gerne allein den letzten Abend am Shelter verbracht hätten, aber die beiden Männer, die nur kleine Sections gehen wollten, waren super nett und fragten uns viele Sachen über den AT. Später kam sogar noch ein Thruhiker und so wurde es ein schöner Abschlussabend für uns. Die Nacht wurde mit 4°C nochmal eisig, aber am nächsten Morgen konnte ich in kurzer Hose losgehen, auch wenn ich zusätzlich mit Jacke und Handschuhen ausgestattet war.
Die letzten 11 Meilen bis Daleville zogen sich dann noch etwas hin und mit einigen Aufstiegen wurden wir sogar nochmal richtig gefordert. Die letzte Meile ging dann allerdings parallel der Interstate und die Geräuschkulisse war entsprechend nervig. Als wir das Motelschild sahen, waren wir erstaunt, erleichtert, glücklich, stolz, aber auch ein wenig traurig, dass der Appalachian Trail nun für uns beendet war. 1200 km waren die letzten Wochen ein hartes Stück Arbeit, und wir haben an manchen Tagen sehr gelitten. Aber die Natur, der Wald, das Abenteuer, draußen zu sein, hat uns auch diesmal wieder sehr gefallen. Für mich ist es immer wieder spannend, aus Flüssen und Bächen trinken zu können, auch wenn wir das Wasser immer mit chemischen Tropfen behandelt haben. Wir haben tolle Menschen kennengelernt, aber auch viele Menschen getroffen, die diese Erfahrungen nur mit Hilfe von Drogen "ertragen" können. Das war uns in den letzten Jahren auch immer mal wieder begegnet, aber wir hatten das Gefühl, dass der Drogenkonsum hier in den USA doch sehr zugenommen hat.
Der Appalachian Trail ist ein besonderer Weg und wir sind stolz, dass wir ihn innnerhalb der letzten 6 Jahre komplett erwandern durften.
Happy trails!

Donnerstag, 2. November 2017

AT: Wir haben ihn komplett!

Nach über sechs Jahren haben wir es heute endlich geschafft: Wir sind den gesamten Appalachian Trail gewandert!
Bevor wir den Blogpost über den letzten Abschnitt schreiben, gibt es hier und jetzt erstmal zur Feier des Tages ein paar spontane Statistiken aus diesem Jahr, von unserer Section Pawling, NY - Daleville, VA.
Zeitraum: 69 Tage
davon Trailtage: 60
und Zero Days: 9
Meilen gesamt: 720,8
Tagesdurchnitt: 10,4 Meilen
Durchnitt ohne Zeros: 12 Meilen (über 19km!)
Längster Tag: 19 Meilen (in Shenandoah)
Kürzester Tag: 3,7 Meilen (am dritten Tag)
Höhenmeter bergauf: unzählige
Schlaflose Nächte: 1 (Idiot mit Drogen im Shelter)
Regentage: 8
Bären gesehen: 0
Hiker, die “gerade eben“ Bären gesehen haben: 3
Rehe gesehen: Dutzende
Eichhörnchen gesehen: Tausende
Schlangen gesehen: ca. 20
Blutige Stürze: 2 (2tall 1, Good Grip 1)
Wespenstiche: 3 (2tall 2, Good Grip 1)
Verbrauchtes Kinesiotape: 15 Meter
Neue Paar Schuhe: 2 (beide für 2tall)
Neue Isomatten: 2 (2tall 1, Good Grip 1)
Neue Stirnlampen: 2 (2tall 1, Good Grip 1)
neue graue Haare: ca. 100 bei beiden ;-)
Es gab Tage, an denen wir dachten, wir schaffen es nicht. Danke an alle, die uns unterstützt haben, egal ob fern oder nah!

Montag, 30. Oktober 2017

AT: Waynesboro, VA - Buchanan

Stanimals Hostel lag in einem beschaulichen Wohngebiet und wir hatten ein paar Stunden für uns allein im Keller, bevor die anderen Gäste kamen. Wir mussten erstmal durchschnaufen, auch wenn es in Shenandoah ja gute Wege gab, waren wir kaputt und müde von den letzten Tagen. Das übliche Prozedere für jeden Hiker im Hostel: Duschen, Waschen, Essen, Futterbeutel aufüllen... Wir erledigten unsere Pflichten und gingen deswegen erst spät etwas essen und einkaufen. Der Rückweg gestaltete sich als nicht so ganz ungefährlich, denn auch wenn wir in einem Wohngebiet waren, gabs weder Straßenlaternen noch Bürgersteige. Auch die Überquerung der großen Kreuzung vom Supermarkt zurück war ohne Fußgängerüberwege ein heikles Unterfangen. Als Hiker hast du zwar auch immer deine Stirnlampe dabei, aber diese wenig fußgängerfreundlichen Orte sind schon irgendwie lästig.
Die drei anderen Gäste im Hostel informierten uns über die Wassersituation gen Süden und leider sah die wegen der Trockenheit der letzten Wochen gar nicht gut aus. Nach langem Hin-Herüberlegen entschieden wir uns, den kommenden Streckenabschnitt von einem südlicheren Punkt nach Norden zu gehen und eine weitere Nacht im Hostel zu verbringen. Ja, wir haben es getan, wir haben das erste Mal Slackpacking gemacht und es fühlte sich, natürlich, super an. Denn wir konnten diverse Sachen im Hostel lassen und hatten nur leichtes Gepäck für den Tag. Es fühlte sich sehr leicht an, wir flogen über den Berg, was aber eventuell auch daran lag, dass die Steigung gen Norden viel einfacher zu bewältigen war. Jetzt waren wir also für das “normale“ Wandern verdorben, oh weia.
Am nächsten Tag wurden wir dann wieder zum Dripping Rock Gap gefahren, um von dort gen Süden weiterzulaufen. Mit vollem Gepäck und Essen für einige Tage brachen wir fast unter der Last des Rucksacks zusammen. Nicht nur deswegen wurde es ein heftiger Tag, die Three Ridges Wilderness setzte uns mächtig zu und der felsige Untergrund machte es mit den trockenen Blättern auch sehr rutschig und unsicher. Am Nachmittag kamen wir dann an einem Shelter mit Fluss an und wurden von vier älteren Herren mit Fragen bombardiert, woher wir kämen, wo wir noch hin wollten. Es ist nett, dass die Leute so interessiert sind, aber leider gehen die Gespräche selten darüber hinaus und wir sind schon etwas müde, immer das gleiche zu erzählen. Leider war der Zeltplatz mal wieder total abschüssig und wir konnten uns während der Nacht nicht so gut erholen. Am nächsten Tag stand der Aufstieg zum "Priest" an und der Himmel deutete schon an, dass das Wetter sich wohl ändern würde. Wir machten uns aber auf den Weg, weil wir hofften, dass der Regen erst später einsetzen würde. Diesen Gefallen tat uns das Wetter nicht. Am steilsten Abschnitt kamen wir in die Wolken und bekamen Wind und Regen voll ab. Das war heftig, zum Glück gabs kurz nach dem Gipfel ein Shelter, wo wir uns kurz ausruhen und etwas essen konnten. Wir trafen bei diesem Wetter tatsächlich noch einige andere Wanderer, ich hatte gedacht, wir wären die einzigen Verrückten. Ein Hiker erzählte uns, dass er sein Packcover verloren hätte und wenn wir es fänden, dürften wir es natürlich gerne behalten. Ich hoffte sehr, dass wir das Ding sehen würden, denn mein Poncho war nicht mehr ganz dicht. Aber der Wind war so stark, dass ich nicht zuversichtlich war, den Regenschutz zu finden. Ich habe ja schon ein paar Sachen auf dem Trail gefunden und tatsächlich auch das Packcover, was ich super gebrauchen konnte. Es lag sogar richtig rum, dass ich meinen Rucksack direkt abdecken konnte, juchuh. 
Bis zum nächsten Shelter waren es noch einige Meilen mit Wind und Regen und der Abzweig zum Shelter wirkte dann wie eine Erleichterung. Eine andere Hikerin  war schon da und wir beschlossen, unsere beiden Zelte im Shelter aufzubauen, denn der Wind blies den Regen direkt hinein und so hofften wir auf eine trockenere Nacht. Es stürmte und regnete heftig und wir waren so froh, ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Und der nächste Morgen? Ein wunderbarer Sonnenaufgang als wäre nichts gewesen, nur die nassen Schuhe und Socken vermittelten noch einen Hauch von dem gestrigen Tag. Ehrlich gesagt, war das das Schlimmste, morgens in nasse Socken und Schuhe zu steigen. Das kostete mich Überwindung. Der Tag blieb trocken und wir konnten sogar an einer sonnigen Stelle diverse Sachen trocknen. Aber der gestrige Tag saß uns in den Knochen, bei Wind und Regen so viele Höhenmeter zu machen, kostete Energie und ich war ziemlich erledigt. Aber das Shelter für die Nacht lag sehr idyllisch am Flüsschen und auch der Weg dorthin war wunderschön. Wir mochten es, den Trail für uns ganz allein zu haben und auch die Möglichkeit, allein im Shelter zu sein, gefiel uns immer besser. 
Vielleicht war es der Regentag oder meine Schuhe waren nun tatsächlich durchgelatscht, am nächsten Tag spürte ich meine rechte Hüfte wie damals auf dem Albsteig. Ok, jetzt also mal zur Abwechslung mal eine Bursitis am Trochanter. Ich versuchte mit Schmerzmitteln dagegen zu steuern, aber am Punchbowl Parking entschieden wir uns, nach Glasgow ins Hostel zu fahren, was ebenfalls Stanimal gehört. Dazu kam auch noch, dass 2Talls neue Schuhe hinten im Fersenbereich einfach mal gerissen waren und ein neues Paar organisiert werden musste. 2Tall versuchte, Adam zu erreichen, um ein Shuttle zu organisieren, aber der Empfang war so schlecht, dass das nicht funktionierte. Am Parkplatz stand ein Auto, was wohl Tageswanderern gehörte, und wir hofften inständig, dass sie bald wieder zu ihrem Auto zurück kehren würden, damit wir ihr Telefon benutzen konnten. Sie kamen, wir durften telefonieren und dann haben sie uns direkt vor die Haustür des Hostels gefahren. Trailmagic!
Das Hostel wird von Donna geführt, bis vor kurzem waren sie und ihr Mann die Caretaker hier, aber Donnas Mann ist vor vier Wochen an einem Herzinfarkt gestorben und man merkte ihr die Trauer und Verunsicherung noch sehr an. Wir suchten online nach dem nächsten Outfitter, und zusammen mit Donna fuhr 2Tall nach Lexington, um neue Schuhe zu besorgen. Ich blieb im Hostel, machte Übungen und kühlte meine Hüfte. Glasgow ist übrigens ein kleines Örtchen mit einem riesigen Dinosaurier im Ort, der wohl aus irgendeinem Filmset oder Kunstprojekt zurück geblieben ist. Absurd. 
Neue Schuhe wurden gekauft, die Alten im Hostel verstaut, denn auf dem Rückweg nach New York werden wir sie abholen und versuchen, das Geld zurück zu bekommen. Mal sehen, wie kulant der "weltgrößte" Outfitter wirklich ist. Ich nutzte Tape und Schmerzmittel für die Hüfte und wir ließen uns von Donnas Sohn morgens wieder zurück zum Punchbowl fahren. Wir erlebten einen wunderbaren Tag auf dem Trail und hatten bei bestem Wetter tolle Ausblicke, eine Schluchtenwanderung und auch noch ein idyllisches Flusstal am Ende des Tages. Das Shelter hatten wir wieder für uns, auch wenn noch ein Nachtwanderer vorbei kam, als wir gerade dabei waren, in den Schlafsack zu kriechen. Der Typ redete innerhalb 5 Minuten 5000 Wörter und uns schlackerten die Ohren. "Trouble" hat nach eigenen Angaben schon über 12000 Trailmeilen, ist den AT schon mehrmals gegangen und hat in diversen Hostels gearbeitet. Eine Legende... nein, hier sagt man wohl: "He is a character!" 
Morgens mussten wir dann natürlich erstmal wieder aus dem schönen Flusstal aufsteigen. Wir sahen sogar das Zelt von "Trouble", der am Vortag noch einiges im Dunkeln gewandert war. Wir konnten unseren Weg vorausschauend gut sehen und die "Hügelchen" sollten uns noch etwas abverlangen. Wieder war heftiger Regen angekündigt, aber die Chancen standen gut, dass wir es diesmal trocken zum Thunder Hill Shelter schaffen konnten. Leider war nicht klar, ob es dort oben Wasser geben würde, deswegen füllten wir unsere Flaschen an der ersten Quelle auf. Während wir dort schöpften, kamen mindestens 4 Wanderer und Hundespaziergänger vorbei. Der erste Hundebesitzer zog seinen Hund vom Wasser weg, weil wir ja gerade daraus Wasser holten. Der Zweite fragte, ob es ok wäre, dass sein Hund aus dem Wasser trinken dürfte und die Dritte Hundebesitzerin ließ ihren großen Schäferhund einfach durchs Wasser tapern, der alles aufwühlte und auch noch fast unsere Desinfektionstropfen umkippte. Das war mal wieder so bizarr und klar zu erkennen, wer mit dachte oder wer nur sich uns seinen Hund sah. Wir schafften es trocken zum Shelter und bauten das Zelt wieder im Shelter auf, um uns vor dem Regen und Wind zu schützen. Leider kam dann noch ein junges Thruhiker-Pärchen, die erstmal etwas rummeckerten, dass wir soviel Platz einnahmen. Es wäre genug Platz gewesen, aber wir bauten das Zelt wieder ab. Es regnete dann natürlich wieder ins Shelter rein und wir legten uns alle möglichst dicht an die hintere Wand, um wenig Regen abzubekommen. Das half leider nicht viel, aber immerhin hörte der Regen morgens wieder auf. Die beiden Thru-Hiker waren mir nicht sympathisch. Er redete ausschließlich mit 2Tall, auch wenn ich tatsächlich zwischendurch versuchte, mich am Gespräch zu beteiligen. Sie sagte kein Wort und natürlich wurde abends und morgens das obligatorische Graspfeifchen geraucht, um lustig und entspannt den Tag zu ertragen...
Wir wanderten in Regenklamotten los, die uns auch gut wärmten, der Regen hielt sich tatsächlich in Grenzen und so kamen wir fast trocken, nach 14 Meilen an einer Straße an, wo wir uns vom Motel abholen ließen. Das klappte, dank des guten Empfangs, super und wir freuten uns auf das Motel. Das Setting hier in Buchanan war mal wieder grandios und nur in den USA möglich. Das Motel liegt nämlich etwas oberhalb der Interstate,  die Tanke und ein Restaurant direkt nebenan. Wir aßen an diesem Abend fürstlich, freuten uns auf den Ruhetag. Noch zwei Wandertage bis Daleville, sollten wir es dann wirklich geschafft haben? Noch sind wir nicht da, aber diesmal könnte es klappen. Daleville wir kriegen dich..!
P.S.: Hier noch die schönsten Phrasen, die man auf dem Trail von anderen Hikern dauernd zu hören bekommt ;-)
Platz 3: “He's friendly!“ (Meint ungefähr das gleiche, was deutsche Hundebesitzer ausdrücken mit “Er will nur spielen!“)
Platz 2: “It's all downhill from here.“ (Natürlich geht es danach erstmal bergauf.)
Platz 1: “No more rocks.“ (Wer behauptet, es gäbe Abschnitte auf dem AT ohne Felsen, der glaubt wahrscheinlich auch, dass die Erde eine flache Scheibe ist...)
Happy Trails!

Sonntag, 22. Oktober 2017

AT: Front Royal - Shenandoah NP - Waynesboro, VA

Heute gibt es den Blogpost nur im Telegrammstil, da wir bei unserem Townstop so knapp mit der Zeit sind:
Von Front Royal ging es nochmal mit Mike, der Shuttles anbot, zum Trail, wieder war es schwül und feucht.
An den Sky Meadows trafen wir einen ehemaligen Physik Professor, mit dem gefachsimpelt wurde, ich durfte es mir auf einer richtigen Bank gemütlich machen, relativ kurzer Tag bis Manassas Gap Shelter. Larry und Sue kamen vorbei, übernachteten auch dort, wir entschlossen uns, im Shelter zu bleiben, denn es war Regen angesagt. Gegen 20 Uhr taumelte ein Hiker herein, der offensichtlich Drogenprobleme hatte. Wir schliefen die Nacht nicht, denn der Typ hielt uns wach, fand seine Lampe nicht, rauchte nachts um 2 Uhr irgendeinen Mist... es war entsetzlich und wir komplett erledigt. Wir taumelten quasi am nächsten Tag zum nächsten Gap und konnten mit Larry und Sue nochmal nach Front Royal fahren. Im Hotel kannten sie uns ja schon, und begrüßten uns freundlich. Der Erholungstag war nach dieser Nacht dringend erforderlich.
Nach dem Zero Day ging es endlich in den Shenandoah National Park. Leider regnete es noch und der Nebel verbreitete besondere Stimmung. Der Weg noch etwas steil, aber nach der Registrierung wurde es etwas angenehmer und flacher. Am ersten Shelter, die im Shenandoah Park “Huts“ heißen, wurden wir gewarnt, dass Bären hier aktiv wären. Wir blieben im Shelter und hofften, dass diesmal andere Menschen dort sein würden. Die Hütte wurde voll, aber alle waren super nett. Es gab sie also doch noch, die netten Hiker, die den Trail so bereicherten und spannend machten. Am nächsten Morgen starteten wir im Nebel, waren aber bald über den Wolken und hatten eine grandiose Aussicht auf ein Wolkenmeer, fantastisch. Stop am Wayside, wo es diverse Leckereien gab, die wir zusammen mit anderen Hikern genießen durften. Wetter und Stimmung grandios. Leider war es die letzten Wochen zu trocken, deswegen sind auch manche Quellen trocken, deswegen schleppten wir mal wieder Wasser zum nächsten Shelter mit, wir Kamele...
An diesem Tag 15 Meilen, was wir auch schafften, aber nicht ohne diverse Liter Schwitzwasser und mal wieder fantastischen Ausblicken. Shenandoah bot uns wirklich alles, verfärbte Blätter, Einkehrmöglichkeiten und Blicke, Blicke, Blicke. An der Hut zelteten wir und erlebten einen Temperatursturz in der Nacht mit Regen und Wind. Unser Zelt hielt, wir blieben trocken, aber froren am Morgen mächtig, es war nicht viel über Null Grad. Der Wind machte es eisig.
Am Morgen mussten wir uns leider von Larry und Sue verabschieden, ihre Section ging heute zu Ende und sie schenkten uns noch ein paar leckere Hiker-Snacks zum Abschied, sehr nett. Wir hatten aber noch ein paar Tage im Shenandoah und konnten an diesem Tag auch nochmal einkehren, die Wayside am Big Meadows war allerdings voll mit Touris und selbst die Bedienung im Restaurant würdigte uns nur mit sehr abschätzigen Blicken. Grundsätzlich kannten wir das ja schon, aber hier fiel es uns extrem auf. Leider gabs hier keinen Spiritus zu kaufen, den wir dringend für unseren Kocher brauchten. Was für eine Enttäuschung, dazu die unfassbar hohen Preise für unseren Proviant, wir waren bedient.
Am nächsten Campground wollten wir endlich mal wieder waschen und duschen, die Vorfreude war groß... wir kamen aber zu spät am Campingsplatz an. Der Caretaker wirkte erst etwas komisch, aber zum Duschen gab er uns Handtücher für lau und letztendlich wars dann doch ein guter Abend, den wir uns mit Käsebroten, garniert mit Senf und Ketchup, versüßen konnten. Allerdings war die Nacht dann so kalt, dass wir uns wunderten, dass nicht Raureif auf dem Zelt zu sehen war. Leider gabs auch hier wieder keinen Spiritus für unseren Kocher, was uns etwas beunruhigte, angeblich sollte am nächsten Campground etwas sein.
Morgens mit Mütze und Handschuhen auf den Trail, ab in den Wald, mit tollen Wegen und feinen Ausblicken. Ab mittags konnten wir diverse Klamotten ausziehen, und sogar in kurzer Hose laufen. Bis zur High Top Hut war es wieder einiges zu kraxeln, aber der Blick in die Landschaft war toll. An der Hut kam dann nach langer Zeit mal wieder ein Thru-Hiker vorbei, vielleicht der Letzte auf dem Weg nach Süden? Ein Wanderer erzählte, dass er auf dem nächsten Campingplatz eine Site reserviert hatte, wir fragten, ob wir uns den Platz teilen könnten. So hatten wir schon ein Plätzchen für die nächste Nacht sicher.
Auch der nächste Tag wieder super klar, mit blauem Himmel und Sonne und dann auch noch Trailmagic von Sectionhikern. Wahnsinn, wir genossen Trauben, Cola und Chips... die Kombi klingt abenteuerlich, aber auf dem Trail schmeckt alles, zu jeder Zeit, in jeder Kombi ;-) Auf den Loft Mountain mussten wir dann am Ende des Tages noch hochsteigen und die 15 Meilen waren in den Knochen spürbar. Auch hier gabs Duschen, Waschmaschinen und endlich unseren Spiritus zum Kochen, wir konnten aufatmen. Wir erledigten alles, 2Tall lief vor, um noch im Hellen das Zelt aufzustellen, um 19 Uhr ist es ja schon stockduster. Wir kauften noch Brot und Käse und aßen im Dunkeln unser Abendbrot auf dem Campingplatz. Der andere Hiker war schon im Zelt verschwunden, spät wars geworden. 20 Uhr ist Hikers Midnight!
Vorletzter Tag im Shenandoah, knapp 20 Meilen bis zum Calf Mountain Shelter. Wurde ein sehr langer Tag und am Ende waren wir mit 32 km schon ko, aber auch mächtig stolz. Unterwegs wieder viele Tageswanderer, die uns bewunderten, weil wir schon über 50 Tage auf dem Trail waren, wir können es auch kaum glauben. Tolles Wetter, schöne Laubverfärbung und exzellente Wege, deswegen waren auch die 20 Meilen überhaupt möglich. Finaler Anstieg mit einigen Höhenmetern. Endlich am Shelter und an der Quelle, die nur sehr langsam floss, aber immerhin gabs überhaupt Wasser. Es dauerte bestimmt 20 Minuten, bis ich beide Flaschen gefüllt hatte. 2Tall baute in der Zeit das Zelt auf und wieder gabs im Dunkeln erst Abendessen. Wir waren ausgehungert, erschöpft und immer noch stolz auf unsere Leistung.
Nur 7 Meilen bis Waynesboro und dem südlichen Eingang/Ausgang vom Shenandoah. Kein schöner Trail mehr und die Meilen vom Vortag steckten uns noch in den Knochen. Am Blue Ridge Parkway gabs einen Hotdog und Popcorn Wagen, den wir nutzten, um ein paar Kalorien zu tanken. Der Hostelbesitzer holte uns ab und fuhr uns netterweise noch zum Outfitter, wo wir einiges Zeug kauften. Im Hostel genossen wir eine Dusche und kühle Getränke. Es ist ein ausgebauter Keller eines Wohnhauses und der Besitzer Stanimal ist ein ehemaliger Thru-Hiker.
Fazit: Shenandoah gefiel uns sehr, auch wenn wir keine Bären gesehen haben. Wegen der Trockenheit in den letzten Wochen, ist das Laub nicht so bunt wie sonst, aber wir genossen die Farben trotzdem sehr, thumbs up!