Sonntag, 11. Februar 2018

Te Araroa: Havelock - Nelson

Der Queen Charlotte Track war ein super Start für die Südinsel. Besser hätten wir uns nicht einlaufen können. Wir waren ganz angetan, und trotzdem ist die Freude nach ein paar Tagen schwitzen auf eine Dusche und ein weiches Bett dann doch recht groß. In Havelock ist die Auswahl an Unterkünften nicht so üppig, und da wir keine Lust auf ein Backpacker haben, wird es die etwas teurere Motorlodge. Bevor wir aber in unser Etablissement einchecken, gönnen wir uns noch einen leckeren Dattelscone und einen Kaffee. Viele Campervans und sogar einige Radreisende kommen durch den Ort. Richtig voll ist es hier.
Nach einer ausgiebigen Dusche stellen wir unsere Wäsche an und gehen erstmal Mittagessen. Es gibt im ortsansässigen Takeaway Süßkartoffelfritten, Veggieburger, Fisch und Chips. Sehr lecker, aber komischerweise bekommen wir die Portion gar nicht auf. Was ist mit unserem Hikerhunger passiert? Die letzten Tage waren wohl doch weniger anstrengend als sich das so angefühlt hat... oder die Fritten sind einfach zu fettig? Mit vollem Bauch gehts in den kleinen Supermarkt, um für die nächsten Tage in den Richmond Ranges einzukaufen. Der Laden ist zwar klein, hat aber alles, was wir so brauchen. Außerdem ist es ja so viel besser, satt einkaufen zu gehen. Noch ein paar Sachen fürs Abendbrot, dann sind wir schon fertig und können den Rest des Tages regenerieren. Es ist wunderbar ruhig in der Unterkunft und wir sind froh, dass wir ein paar Dollar mehr investiert haben. Das scheint der Preis für Ungestörtheit und Ruhe zu sein.
Für den nächsten Morgen hoffen wir auf etwas Glück beim Hitchhiken, denn wir möchten von der Pelorus Brücke starten, weil dann immer noch 20 km bis zur nächsten Hut zu gehen sind. Im Gegensatz zu gestern Nachmittag ist heute im Ort nichts los. Könnte sein, dass es am Feiertag, dem Waitangi Day liegt. Aber keine fünf Minuten später kommt ein vollgeladenes Auto vorbei und drin sitzt die Neuseeländerin, die wir schon auf dem Queen-Charlotte-Track kennengelernt hatten. Ihr Mann wandert auf dem TA, sie hat das Begleitfahrzeug und diverse Lebensmittel für ihn an Bord. Sie räumt Platz für uns frei und wir sind dankbar für den Ride zur Pelorus Bridge. Von dort gehts erstmal eine ganze Zeit auf Asphalt, dann wirds aber irgendwann schottrig und die Gegend immer schöner. Ein paar Mountainbiker und Motorräder sehen wir und sogar drei Wanderer kommen uns entgegen. Einer sogar barfuß, auf Schotterstraße bestimmt kein Vergnügen. Bis zu den Emerald Pools wird der Trail richtig schön und wir hoffen sehr, dass es so weitergeht. An den Pools sind einige Touristen und auch Einheimische, die hier baden. Wir gehen aber weiter, denn wir müssen bis zu unserer Hütte noch einiges laufen. Es geht bergauf und gibt viele Wurzeln, der Trail ist fast wie der AT in Maine. Das Wetter ist spitze und wir können es kaum glauben, wie toll der TA hier sein kann. Die Hütte ist nach drei Stunden dann endlich zu sehen und es sind schon Leute dort, denn diverse Klamotten liegen auf der Wiese ausgebreitet. Das müssen die Holländer sein, die Waschtag gemacht haben. Wir finden einen guten Zeltplatz, denn die Hütte sieht etwas runter und verdreckt aus. Außerdem sind die Sandflies extrem aggressiv hier. Ich versuche mich am Fluss ein wenig zu waschen, aber auch hier werde ich sofort angefallen und muss mich umgehend wieder anziehen. Ganz ins Wasser einzutauchen, um vor den Biestern zu flüchten, schaffe ich nicht. Das Wasser ist nämlich echt frisch. Wie gut, dass ich in Havelock noch "Good bye Sandfly" gekauft habe. Das Teebaum-Manuka-Lavendel-Mandel-Öl riecht super für uns, die Sandflies mögen es nicht so gerne, aber irgendwie erwischen manche doch immer noch ein wenig unbehandelte Haut. Das gute Öl kann gegen DEET nicht in Konkurrenz gehen, aber es kann definitiv dagegen "anstinken", denn es riecht angenehm und fühlt sich sogar auf unserer trockenen Haut gut an. Die Sandflies sind fiese Biester, und leider werden die Stiche weiterhin bei mir zu unglaublichen Beulen. Aber auch gegen den Juckreiz soll das Öl etwas helfen, na dann.
Wir gehen früh ins Zelt und lesen noch lange. Um uns herum summt und brummt es mächtig. Nochmal raus zu gehen wäre wahrscheinlich lebensbedrohlich. Das Wetter ist auch am nächsten Morgen noch super und wir sind die ersten, die auf den Trail starten. Die Holländer und auch das australische Pärchen, was spät am Nachmittag noch kam, schlafen ein wenig aus. Wir kommen um 8.40 Uhr los und schon nach kurzer Zeit gibts die erste, sehr wackelige Hängebrücke über den Fluss. Diesmal nur für eine Person und das ist auch gut so, denn das Ding wirkt schon ein wenig in die Jahre gekommen. Die Farbe des Flusses unter uns ist wunderschön türkis und glasklar. Bis zur nächsten Hütte ist es nicht zu weit und wir machen dort eine ausgiebige Mittagspause, um Kraft zu schöpfen für den nächsten heftigen Anstieg. Nur drei Stunden und ca. 650 Höhenmeter später, kommen wir an der großen Rocks Hut an, wo es tatsächlich eine richtige Toilette (flush toilet) gibt. Auf dem Regal steht sogar eine Flasche von unserem Brennstoff, so dass wir auffüllen können und unseren etwas knappen Bestand aufbessern können. Dann ist sogar ein Nachmittagskaffee möglich. Den Kaffee "gönne" ich mir meistens in den teureren Hotels, ist zwar nur Instantpulver, aber ab und zu schmeckt das neben dem Tee auch ganz gut und ich kann mich vielleicht etwas daran gewöhnen, den Kaffee auch ohne Milch zu genießen. Später kommt noch das holländische Paar in die Hütte. Wir entscheiden uns diesmal alle, indoor zu übernachten. Die Zeltplätze um die Hütte sind nicht so schön und außerdem wird es abends empfindlich kalt, sogar in der Hütte kühlt es ganz schön runter, als erstmal die Sonne weg ist. Toll, wenn man in so einer Hütte nur zu viert ist und es wunderbar ruhig ist. Das hört sich mit 16 Leuten wahrscheinlich ganz anders an. Am Morgen kommt ein junger Deutscher vorbei, der bis Mitte März die gesamte Südinsel gehen will, weil dies sein Geburtstag ist, na viel Spaß. Außerdem kommt Lost Kiwi vorbei, den wir irgendwo mit dem Bus oder Auto überholt haben. Er hat einen neuen Rucksack und neue Schuhe und ist unfassbar schnell unterwegs. Er will trotz der Sturmwarnung weitergehen, und vor dem großen Regen noch den Fluss versuchen zu überqueren. Wir überlegen hin und her und entscheiden uns dann, nach Nelson abzusteigen, wo wir das Wetter abwarten wollen. Wir finden ein gemütliches Zimmer bei Airbnb bei einer holländischen Familie, die super nett, unkompliziert und sehr hilfsbereit sind. Wir können hier zwar nicht kochen, aber das nehmen wir in Kauf, denn es ist wirklich schön und sogar bezahlbar. In Nelson versuchen wir am nächsten Tag, meine Wanderstöcke reparieren zu lassen, aber in vier Outdoorläden hat nur einer eine Leki Reparaturkiste und das Teil, was kaputt ist, finden wir darin nicht... oh Mann. Das ist irgendwie enttäuschend. Auch neue Schuheinlagen sind schwer zu finden, aber im letzten Laden gibt es dann glücklicherweise neue Merinosocken, Gerichte und sogar Schuheinlagen für mich, juchuh!
Wir kaufen noch etwas fürs Abendessen und machen uns wieder auf zu unserer Unterkunft. Wir sind von dem "Konsumgedöns" ganz schön genervt und wollen das am liebsten alles vermeiden, aber leider gehts manchmal einfach nicht anders. Wir hoffen, nach dem großen Regen am Montag wieder loswandern zu können. Mal sehen, wie sich dieser Tropensturm auf der Südinsel auswirkt.

Montag, 5. Februar 2018

Te Araroa: Wellington - Picton - Havelock

Die Tage in Wellington haben uns sehr gut getan. Wir hatten eine kleine, aber feine Unterkunft über AirBnB etwas oberhalb der City. Aber die Busverbindung war in Ordnung und Jim hat uns sogar vom Busbahnhof abgeholt und am Ende auch wieder zur Fähre gebracht, was mal wieder kiwitypisch sehr hilfsbereit war. Jim fährt übrigens ein Elektroauto und ist total begeistert von seinem Japan-Import. Wir waren von dem leisen, schadstoffarmen Auto auch angetan. Wir haben in unserer Bude viel gelesen, konnten auch im Garten sitzen, waren aber auch im Te Papa Museum und haben unser Postpaket abgeholt und neu bestückt. Denn nun kommt unser zweites Paar Schuhe zum Einsatz, meine vermatschten Dinger sind entsorgt, 2talls Schuhe haben wir nochmal vorsichtshalber behalten. Neue Schuhe sehen nicht nur klasse aus, sie riechen auch noch nicht so käsig. Wenigstens ein paar Tage wird uns dieses schöne neue Gefühl bleiben.
Die Wetteraussichten sind leider mal wieder bescheiden, denn das nächste Tief rollt heran, was viel Regen und Wind mitbringen soll, es fällt sogar mal das Wort Zyklon. Unsere Fährfahrt haben wir perfekt gebucht, ausgerechnet am heftigsten Tag wollen wir zur Südinsel nach Picton übersetzen. Wir vergewissern uns nochmal bei Interislander, ob die Fähre wirklich fahren kann, aber sie gehen davon aus. Mal sehen, was mein Magen dazu sagt. Die Überfahrt ist tatsächlich gar nicht so heftig, es gibt Wind, Regen und auch Wellen, aber wir sitzen im Lookout, so dass ich auch immer wieder aufs Meer schauen kann, ohne dass mir komisch wird. In Picton angekommen regnet es zwischenzeitlich Katzen und Hunde und wir stellen uns bei der I-Site noch unter, nachdem wir dort den Pass für den Queen Charlotte Track gekauft haben. Der Weg ist glücklicherweise kein Great Walk, gehört aber offiziell zum Te Araroa. Das Boot, was uns zum Start nach Ship Cove bringen wird, brauchen wir ausnahmsweise mal nicht vorzubuchen. Wir bringen unsere Klamotten in unsere Unterkunft und stürzen uns dann in den Supermarkt, denn wir haben uns entschieden, zwei Essenpakete nach Arthur's Pass und nach St. Arnaud zu schicken, weil die Einkaufsmöglichkeiten dort sehr begrenzt sind. Uff, der Einkaufswagen ist unfassbar voll und wir ernten auch entsprechende Blicke von manchen Einheimischen. Gar nicht so einfach, das Essen für 15 Tage zu kalkulieren, aber am Ende können wir zwei übervolle Pakete pünktlich an der Post abgeben. Was für ein Nachmittag. Wir besorgen uns noch ein paar frische Sachen fürs Abendessen, dann gehts in die Unterkunft, wo ein französisches Paar amTisch sitzt und sich zum Essen eine Flasche Wein gönnt. Das ist also kein Klischee...
Das Boot zum Trailhead des Queen Charlotte Tracks startet am nächsten Tag um 9 Uhr und mit uns sind einige andere Wanderer an Bord, die aber offensichtlich Gepäcktransport mitgebucht haben, denn sie gehen alle nur mit einem kleinen Tagesrucksack los. Der QCT ist sowohl ein Mountainbiketrack als auch ein Nobelwanderweg, denn es geht über viel privates Land, wo es eben auch Unterkünfte (noble Lodges) und Zeltplätze gibt, die auch mal privat sind. Das Wetter ist an diesem Morgen perfekt, sonnig, nicht zu heiß. Wir sitzen an Deck des Bootes draußen und genießen einen super Blick übers Wasser. Es dauert nicht lange, da sehen wir Seelöwen in einer Bucht, wir stoppen am Felsen, wo sich sehr seltene Kormorane sonnen, ein blauer Pinguin schwimmt vorbei und dann begegnen wir einer großen Zahl von Delphinen, die ganz nah am Boot vorbei schwimmen. Was für ein Erlebnis, ich bin total begeistert!
Als wir dann in Ship Cove los gehen wollen, bekomme ich leider meinen einen Wanderstock nicht mehr gelöst, den ich für die Fährüberfahrt klein machen musste. Nach vielen vergeblichen Versuchen frage ich beim Bootführer nach Werkzeug, was er auch glücklicherweise hat. Nachdem ich es tatsächlich geschafft habe, das Ding loszudrehen, lässt es sich in meiner Wanderhöhe leider nicht mehr fixieren. So ein Pech. 2tall versucht alles mögliche, aber die Schraube ist durch und das wars. Aber es gibt ja Tape und so können wir nach ca. einer Stunde "Stockwerkeln" endlich auf den Queen Charlotte Track starten. Die Stimmung ist aber bei mir im Keller, denn irgendwie sind wir beide frustriert und ich komme mir ziemlich doof vor. Dann wird auch noch das Wetter schlecht und wir stapfen schweigend in unseren Schlumpfkostümen bergauf. Der Weg ist aber ganz schön und auch die Laune wird nach einigen Kilometern wieder besser. Später auf dem Weg machen wir Halt an einer Lodge, gönnen uns ein Getränk, bewundern etwas den Luxus und gehen dann aber weiter zu unserem Campingplatz. Diesmal ist es ein privater Platz von einem älteren Ehepaar, der wirklich schön gemacht ist. Es gibt ein Shelter zum Unterstellen und Kochen, diverse Picknicktische, Solarduschen und eine piekfeine Toilette mit Handwaschbecken, Spiegel und Feuerlöscher. Da könnten sich die DOC Campsites mal eine Scheibe von abschneiden. Mit uns sind noch zwei Neuseeländer dort, ein Holländer und ein Schotte. Wir haben abends beim Essen ganz gute Gespräche und hoffen, dass sich das Wetter in den nächsten Tagen ein bißchen bessert. Für den nächsten Tag haben wir uns nämlich 25km vorgenommen.
Der Morgen ist noch etwas bedeckt, aber der Weg entschädigt mit super tollen Blicken und einem gelungenen Wanderweg. Das ist mal ein richtiger Trail und wir können gar nicht verstehen, dass manche Hiker den QCT als langweilig empfinden. Uns gefällt er super, es gibt sogar in guten Abständen Picknickbänke, die wir ausgiebig nutzen. Wir müssen zwischendurch auch immer mal wieder etwas bergauf klettern, aber insgesamt ist es ein toller Weg und auch unser Campingplatz hat einen super Blick auf die Bucht von Picton. Die Hühnchen "Wekas" sind allerdings auch schnell da und gucken immer mal wieder, ob nicht etwas für sie abfällt. Diese flugunfähigen Viecher sind ziemlich frech und man muss aufpassen, dass sie einem nicht die Sachen klauen. Sie haben außerdem einen ähnlichen Ruf wie die Kiwis und viele verwechseln die beiden Tiere häufig miteinander. Leider ist es am Abend ziemlich kalt und auch wenn wir uns mit dem holländischen Pärchen noch etwas unterhalten, gehen wir bald ins Zelt, um nicht komplett zu erfrieren. In der Nacht macht sich übrigens ein Possum über das Shelter her und veranstaltet eine ziemliche Sauerei auf der Kochzeile. Das sind auch ganz schön freche Fellviecher. Possums nerven ja nicht nur Touristen, sondern sie fressen auch viele heimische Bäume einfach kahl, im Gegensatz zu den Wekas, die hier gerne gesehen sind, weil sie die richtigen Pflanzen und Samen fressen und dann “hinten raus“ verteilen.
Der dritte und schon letzte Tag auf dem QCT ist super sonnig und das Meer leuchtet türkis in den vielen Buchten. Es gibt einige wenige Häuser, die inzwischen wohl ein Vermögen kosten, was bei der Lage sehr gut vorstellbar ist, es sieht einfach traumhaft aus und man hat keine Nachbarn. Manche Häuser sind ausschließlich per Boot zu erreichen und die Jettys werden dann wohl auch mal von Seehunden belagert. Keine Nachbarn, aber freche Seehunde, das ist hier der Deal. Wir treffen ein paar Mountainbiker, aber auch viele Tageswanderer, die bei diesem schönen Wetter unterwegs sind. Es geht ganz schön steil rauf und runter, trotzdem kommen wir am Nachmittag relativ früh an der Campsite an, obwohl wir viele Pausen und Ausblicke genossen haben. Wir treffen wieder das holländische und das neuseeländische Paar, die ebenfalls an der Doc Campsite kurz vor Anakiwa übernachten. 2tall hat ein schönes Plätzchen für die Nacht gefunden und so schlummern wir wohlig müde ein. Bis Anakiwa sinds am nächsten Tag nur noch 3 Kilometer flacher Weg. In dem kleinen Ort ist leider kein Café offen, wo wir vielleicht ein zweites Frühstück hätten einnehmen können. Deswegen gehts direkt weiter, um nach Havelock zu kommen. Da es mal wieder nur Straße ist, halten wir den Daumen raus und werden auch prompt mitgenommen. Zwar nur bis zu Kreuzung, wo unser Fahrer leider in die andere Richtung muss, aber das hilft uns schon enorm. Also gehen wir nochmal los und nach 3 Kilometern hält ein Typ an, der uns verrät, dass er Pilot ist. Er hat gerade ein paar Tage frei und besucht Leute und nimmt immer mal wieder Hitchhiker mit, super! In Havelock freuen wir uns über eine Dusche, eine Waschmaschine und gutes Essen. Die nächsten Tage geht es in die Richmond Ranges, dann wirds bergig und wir können nur hoffen, dass unsere Traillegs uns nicht im Stich lassen.

Dienstag, 30. Januar 2018

Te Araroa: Whanganui - Wellington

Nach der Busfahrt mit dem Intercity und einem erholsamen Tag in einem sehr ruhigen Motel in Palmerston North geht es erstmal auf der Hauptstraße raus aus der Stadt. Es ist viel Verkehr, aber immerhin gibt es hier einige Radfahrer, die sogar einen eigenen Weg haben. Das macht uns die Stadt sympathisch. Leider ist es warm und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch, so dass wir schon nach ein paar hundert Metern wie aus dem Wasser gezogen sind. Durch kleine Parks gehts immer weiter raus aus der Stadt, wo wir ganz idyllische Wege an einem Flüsschen entlang gehen. Schade, dass diese schönen Abschnitte nur so kurz sind, denn bald schon wechseln sich wieder Schotter und Asphalt ab.
Nach knapp 20 km erreichen wir einen kleinen Zeltplatz am Fluss, der auch bei den Einheimischen beliebt ist, denn immer wieder fahren Autos vor, und Mensch und Hund gehen gemeinsam baden. Kurz nach unserer Ankunft erreichen auch Lost Kiwi und San Remo den Zeltplatz, zusammen bauen wir unsere Nachtlager auf und haben einen unterhaltsamen Abend am Picknicktisch.
Am Morgen macht sich Lost Kiwi als erstes auf den Weg und rast wie von Sinnen los. Will er tatsächlich eine Marathon Strecke bis zum Outdoorcenter gehen? Zuzutrauen wäre es ihm, denn er hat ja schon auf dem Timbertrail 52 km an einem Tag gemacht... Wir wissen noch nicht so genau, wo wir am Abend campen können, hoffen aber, dass es unterwegs ein Plätzchen geben wird, wo es auch Wasser gibt. Wir klettern nach dem Halfwaypoint erstmal langsam hoch und transpirieren wie in der Sauna. Leider durchwandern wir dann mal wieder ein großes Gelände, wo viel abgeholzt wurde. Es sieht nicht schön aus und wir sind froh, als wir irgendwann in den Burton Track abbiegen können. Der Track ist nach einem Farmer benannt, der hier über 30 Jahre allein mit seinen Viechern gelebt hat und leider von einer Hängebrücke gestürzt ist. Verletzt, wie er war, ist er erst zu seinen Hunden gekrochen, um sie zu füttern, bevor er sich dann selber Hilfe bei seinen Nachbarn gesucht hat. Er hat das am Ende nicht überlebt, aber eine Gedenktafel erinnert an ihn, und wir sind schon beeindruckt, dass sich jemand so schwer verletzt durch dieses Gelände geschleppt hat. Der Weg ist mal wieder matschig, aber auch grün, es gibt eine Flussüberquerung, und wir werden von Gorse und Flachs zerkratzt und von Sandflies zerstochen. Wir sind nach 24 km ziemlich ko und müssen jetzt nur noch was zum Zelten finden, denn offiziell gibt es hier nichts, da es "private land" ist. An einem alten Blechschuppen liegen uns zuviele Scherben und Reste von Schrothülsen. Das ist schon etwas unheimlich und wir sind auch etwas frustriert, weil es nichts zu geben scheint, wo wir die Nacht verbringen können. Dann hören wir San Remo, der uns ruft, weil er an einem zusammen gebrochenen Haus einen Platz zum Zelten gefunden hat. Toll, denn der Boden ist weich und wir sind durch die Bäume sogar etwas geschützt. Ich hole noch Wasser am nächsten Stream und lasse mir auf dem Weg noch ein paar Brombeeren schmecken, die jetzt reif werden. Der kleine Fluss ist nicht super, aber ich kann unsere Flaschen füllen, werde allerdings in der Zeit von den Sandflies massiv attackiert. Ich weiß nicht, wieviele Stiche ich am Ende habe, aber die Unterschenkel sehen gruselig aus und an den Juckreiz in den nächsten Tagen möchte ich jetzt noch nicht denken. Während ich Wasser schöpfe, kommt ein Auto mit zwei jungen Männern vorbei, die aber wegen einer Schranke nicht in den Weg einbiegen können. Ich zeige mich und sage, dass ich hier Wasser hole, was sie ziemlich irritiert. Keine Ahnung, was die hier wollten, aber ich habe sie definitiv dabei gestört.
Die Nacht ist sehr ruhig und trotzdem schlafen wir alle wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und der Wärme wenig erholsam. Heute also der Mangahaho-Makahika-Track, der 2008 vom Primeminister offiziell eröffnet wurde. Wir müssen einiges an Höhenmetern durch Matschlöcher und Matschpassagen aufsteigen, genießen einen Lookout und schlingern dann wieder runter zum Makahika Fluss, den wir diverse Male kreuzen müssen. Zum Glück hat er nur wenig Wasser und die diversen Steine, die bestimmt von anderen Hikern an günstige Stellen gelegt wurden, helfen uns, trocken über das Wasser zu kommen. Meine Stöcke sind mir dabei eine große Hilfe und so schaffe ich es, nicht abzurutschen und meinem Trailnamen, Good Grip, mal wieder alle Ehre zu machen. Leider gibt es die Tradition eines Trailnamens auf dem Te Araroa hier noch nicht. Schade, denn meinen richtigen Namen kann hier kein Mensch aussprechen, außer San Remo natürlich.
Nach vielen Stunden harter Wanderarbeit kommen wir am Outdoorcenter an und werden super freundlich mit kühlen Getränken und Broten begrüßt. Auch ein Shuttle in die Stadt wird organisiert und eine kurze Zusammenfassung der Tararuas wird uns von John auf der Veranda dar gebracht. Wir alle drei entscheiden uns aber erstmal, in die Stadt Levin zu fahren, um dort unsere Akkus wieder aufzuladen und meinen Geburtstag zu feiern. San Remo geht in den Holiday Park, wir nächtigen im Motel. Wir sind erhitzt, kaputt und ziemlich genervt, was den Trail hier in Neuseeland betrifft. Wir haben überhaupt keine Lust mehr auf diese Matschwege, die eigentlich unpassierbar sind.
Meinen Geburtstag feiern wir mit Apfelkuchen, Kerzen und einer wunderbaren Karte von 2tall. Auch das Skypen mit meiner großen Schwester und ihrem Mann machen diesen Tag hier in der Ferne für mich besonders. Abends treffen wir noch San Remo, um beim Inder zu essen, und auch er hat die perfekte Geburtstagskarte, meine Lieblingsschokolade und natürlich San Remo Nudeln für mich. Es gibt nichts Schöneres, als Geburtstag zu haben. Danke euch allen!
Im Laufe des Tages überlegen wir nochmal, ob wir die Tararuas wirklich von Levin laufen wollen. Die letzten Erfahrungen wirken immer noch nach, wir sind ausgelaugt und irgendwie auch wandermüde, so dass wir schließlich schon hier einen vorläufigen Cut machen und die Nordinsel für uns abschließen. Wir fahren mit dem Bus nach Wellington und mieten uns ein paar Tage in einem AirBnB ein, um wieder "Grund unter die Füße" zu bekommen, der uns bei dem ganzen Matsch verloren gegangen ist. Wir wollen dem Te Araroa aber noch eine Chance auf der Südinsel geben und hoffen, dass wir dort noch ein paar schöne Wandertage haben werden. Happy trails!

Samstag, 20. Januar 2018

Te Araroa: Taumarunui - Whanganui

Ein zusätzlicher Ruhetag in Taumarunui bringt etwas Erholung, wenn sich aber die schlechte Wettervorhersage als komplett falsch herausstellt, ist das schon etwas ärgerlich. Denn den Ruhetag hatten wir uns wegen kräftiger Regenschauer "verordnet".  Wir haben also tatsächlich zum ersten Mal eine Waldpassage ausgelassen, die 42 Traverse, und haben dabei schon ein schlechtes Gewissen bzw. waren davon leicht genervt.
Am folgenden Nachmittag nehmen wir den Intercity Bus von Taumarunui nach National Park (30 Minuten Fahrt) und begeben uns auf alte Spuren. Vor vier Jahren haben wir hier den Northern Circuit gemacht, aber wegen Wolken, Nebel und Regen rein gar nichts gesehen. Also nun ein zweiter Versuch. Und tatsächlich sind die Aussichten für den nächsten Tag ganz gut. Ab mittags soll es sich zwar zuziehen, aber eventuell haben wir dann ja schon ein paar Sachen gesehen. Der Ort National Park besteht vorwiegend aus Unterkünften, Hotels und Lodges, die wohl besonders im Winter hier ihr großes Geschäft machen. Netterweise bekommen wir in unserer Unterkunft ein Upgrade und haben sogar ein eigenes Badezimmer. Wir gehen noch kurz zum kleinen, völlig überteuerten Supermarkt und bekommen einen Eindruck vom Ort, der leider stellenweise etwas herunter gekommen ist. Zwischen kleinen Privathäusern stehen auch mal luxuriöse Ferienvillen, die das ambivalente Gefühl verstärken. Ok, wir wollen hier ja nicht leben, sondern nur den Tongariro Crossing machen, aber ein komisches Gefühl bleibt trotzdem. Am nächsten Morgen geht es mit einem Shuttlebus zum Start, wo schon Unmengen an Leuten aus Tour-Bussen ausgespuckt wurden. Wir finden es schrecklich und starten direkt, um von diesen Massen wegzukommen. Der Te Araroa geht von der anderen Seite hoch, hat natürlich mehr Höhenmeter und verläuft entgegengesetzt des Touristromes. Wir haben den etwas leichteren Aufstieg und den leichteren Rucksack, ohne Zelt, Isomatte, Schlafsack. Wir slackpacken mal wieder und zahlen dafür einen hohen Preis. Mit diversen Deutschen, Schweizern, Chinesen, Schweden usw. geht es unzählige Treppen hoch, bis wir ein Plateau erreichen, woran wir uns auch noch erinnern können. Dann ein letzter Aufstieg und wir sind am höchsten Punkt (1886m) angekommen und können die blauen Seen sehen. (Ja, auch hier können wir Seen sehen. Das geht nicht nur in Maine.) Auf dem Gipfel treffen wir San Remo, alias Steffen, der von der anderen Seite hochgekraxelt ist. Er erzählt uns, was wir verpasst haben, sind aber doch relativ erleichtert, dass auf der 42 Traverse nicht das schönste Stück des Te Araroas liegt. Wir machen eine kleine Mittagspause an den Seen und atmen schwefelhaltige Luft ein, die zum Glück nicht so stark ist, dass sie uns die Sinne vernebelt. Eine Touristin holt erstmal ihren Aquarellblock und Farben heraus, um diese besondere Mondlandschaft einzufangen. Das Wasser der Emerald Lakes und auch die Spitze vom Mount Ngauruhoe (Mount Doom aus "Herr der Ringe") dürfen nicht berührt bzw. bestiegen werden. Seit diesem Jahr gibt es das Verbot, weil die Landschaft für die Maoris heilig ist. Gut so, denn inzwischen laufen über 100000 Menschen jährlich den Tongariro Crossing.  
Es ist deutlich kühler hier oben und nach gefühlter Ewigkeit ziehen wir mal wieder unsere Jacken an. Beim Abstieg treffen wir Dan aus Hawaii wieder und auch Karima läuft an uns vorbei, die Ende November mit uns im Bus nach Kerikeri saß. Es dauert dann noch ca. 2,5 Stunden, bis wir mit all den Leuten unten am Carpark wieder ankommen. Wir sind von der Höhe, aber vielleicht auch von der Touriveranstaltung, etwas geflasht und haben Kopfschmerzen. In unserer Unterkunft kochen wir uns einen großen Pott Nudeln und gehen früh schlafen. Komischer Tag irgendwie.
Wir fahren am nächsten Tag wieder mit dem Intercity Bus zurück nach Taumarunui und lassen uns von der Kanufirma abholen, denn sie werden uns morgen mit dem Kleinbus nach Whakahoro nehmen, von wo der TA zur Bridge of Nowhere geht. Die "Macher" des Trails haben sich da eine wirklich unfassbare Wegführung ausgedacht. Denn von der Brücke, mitten im Wald, kostet es ein Vermögen, sich dort ein Kanu hinbringen zu lassen und man kann nur auf dem Fluss weiterkommen, sonst gibt es da nichts. Die meisten Wanderer starten also früher mit dem Kanu und machen entweder 3 Tage mit dem Kanu bis Pipiriki oder 5 Tage bis Whanganui. Die Flussfahrt gilt als Great Walk und muss deswegen extra gebucht werden, kostet deswegen natürlich auch mehr. Wir haben ja vor 4 Jahren diese Tour schon gemacht und wollen diesmal bis zur Bridge laufen. Dann lassen wir uns mit dem Jetboot nach Pipiriki bringen und steigen dort auf die Fahrräder nach Whanganui. Eine logistische Meisterleistung, die 2tall da für uns erbracht hat, denn Fahrräder, Jetboot und Gepäcktransport werden natürlich von drei verschiedenen Firmen angeboten. Verrückt. Die Nacht vor dem Shuttle nach Whakahoro verbringen wir bei der Familie, die den Kanuverleih betreibt und die uns auch die Fahrräder verleiht. Sie stellen eine große Wiese für Zeltplätze bereit, aber auch einen Container. Da die Wetteraussichten mal wieder mäßig sind, entscheiden wir uns für den Container. Es ist schwülheiß und die Temperaturen im Container liegen bei ca. 30°C. Letztendlich stellen wir das Zelt neben den Container unter ein Dach auf und können quasi mit "offenen Türen"schlafen. 
Der Familienbetrieb der Kanufirma ist schon original. Es ist alles etwas chaotisch, aber sie sind super hilfsbereit und organisieren für jeden die entsprechende Tour. Am Abend erleben wir noch eine indische Jetboottour, da das Boot direkt vor unserem Container vollbeladen mit dem Trecker zu Wasser gelassen wird. Die Inder binden sich ihre Kappen, Hüte und Turbane mit weißen Tüchern um den Kopf, als hätten sie Zahnschmerzen. Das sieht wirklich witzig aus. Nach einer wilden Drehung auf dem Wasser grinsen aber alle so breit, dass klar ist, dass keiner von ihnen Schmerzen hat. 
Leider schlafen wir sehr unruhig im Zelt. Haben wir ja auch länger nicht gemacht, nach diversen Tagen in weichen Hotelbetten. Wir gehen um 8 Uhr zum Haus, wo eine Kanugruppe noch ihre Sicherheitsunterweisung erhält. Währenddessen checkt 2tall nochmal Mails und wir bekommen einen heftigen Dämpfer, denn seine Kreditkarte ist gesperrt, weil illegal eine Menge Geld abgehoben wurde. Die Karte wurde also gehackt und wir sind total geschockt. 2tall versucht noch, die Kreditkartenfirma zu erreichen, aber das klappt leider nicht. Wir sind ja die nächsten 4 Tage in der Wildnis, wo es keinen Handyempfang geben wird, und so müssen wir abwarten und hoffen, dass es kein Problem gibt mit der Rückerstattung des Geldes. Doof, denn es macht uns ganz schön unruhig.
Um 10 Uhr lässt uns der Bus an der DOC Campsite Whakahoro raus, wo der Fahrrad- und Wanderweg (Mangapurua-Kaiwhakauka Track) zur Bridge of Nowhere geht. Das gesamte Gebiet sollte nach dem 1. Weltkrieg eine  große Siedlung werden. Die Siedler bekamen Geld dafür, dass sie das Land gerodet und Flächen für die Schafzucht geschaffen haben. Aber es stellte sich heraus, dass es sich doch alles nicht so entwickelte wie erhofft und so wurde 1942 der letzte Siedler gebeten, das Gebiet zu verlassen. Am Wegesrand sehen wir immer wieder Holztafeln, mit den Namen der Siedler, die hier gelebt und versucht haben, sich ein neues Leben aufzubauen. Die Landschaft ist schroff, aber auch schön, wir genießen die Ruhe und treffen nur vereinzelt mal auf Mountainbiker, die hier in einem Tag durchrasen. Wir sehen noch alte Kamine, die mitten auf Schafsweiden stehen. Aber auch Schafe und Rinder sind rar, vorwiegend hören wir Vögel und ab und zu flüchtet ein Kaninchen vor uns. Unsere erste Nacht wollen wir an der Trig Campsite machen. Aber leider gibt es da kein gutes Wasser. Das kleine verborgene Rinnsal ist überfüllt mit Mückenlarven. Es wurde aber eine Gedenkstätte errichtet, die an die ersten Siedler hier erinnert. Es gibt Bilder und Namen und die neuseeländische Flagge flattert über unseren Köpfen. Wir entscheiden uns, weiter bis zur Johnsons Campsite zu gehen, wo es auch ein Shelter mit Wasser geben soll. Es ist ein langer Tag und wir sind von dem schwül-heißen Wetter ziemlich kaputt. Die Campsite ist groß, aber irgendwie komisch angelegt, denn das relativ große Shelter bietet zwar Wasser und Kochgelegenheiten, aber darin sitzen und essen kann man leider nicht. Bei schlechtem Wetter ist das natürlich doof, aber immerhin haben wir Glück und können draußen am Picknicktisch sitzen und unsere Gerichte genießen. Um die Campsite herum gibt es einen kleinen Garten und auch zwei Zelte, die mit Planen, Wäscheleinen und Grillplätzen ausgestattet sind. Auch liegen alte Matratzen und Handtücher hier herum, dass wir uns fragen, ob hier vielleicht Obdachlose leben oder andere Leute einen Zweitwohnsitz haben. Es ist etwas unheimlich, aber wir bleiben allein und schlafen sogar relativ gut auf dem hohen Gras.
Weil wir ja am Vortag so einen langen Tag gemacht haben, lassen wir uns an diesem Morgen Zeit, lesen auch noch etwas und gehen dann langsam zur nächsten Campsite, die nur ca. 8km entfernt ist. Wir überqueren diverse Hängebrücken und laufen an Abbruchkanten entlang, die beeindruckend aussehen und nicht ungefährlich sind. Die Moutainbiker müssen hier schieben und wir hoffen, dass von den Steilwänden nichts runter kommt, während wir da entlang gehen. Unsere Campsite ist schnell erreicht und 2tall kann noch das Zelt reparieren, während ich versuche, das Wasser zu finden. Angeblich soll es am Wasserfall etwas geben und der einfache Weg soll 20 Minuten lang sein. Leider finde ich den Weg nicht, da die Wildschweine mächtig gewühlt haben und der Rest überwuchert und nicht ausgeschildert ist. Ich kehre also genervt um und gehe einfach den Trail zurück, wo 2tall an einer Brücke eine Möglichkeit gesehen hatte, ans Wasser zu kommen. Nach 1,5 km erreiche ich den kleinen Fluss und bin froh, mit vollem Rucksack wieder an der Campsite anzukommen. Wir haben noch den Nachmittag und können lesen und uns ausruhen, auch wenn es zeitweise extrem windig und böig ist. Zum Glück beginnt es erst am Abend zu regnen, als wir mit Kochen und Essen fertig sind, denn hier gäbe es kein Shelter und bei dem Wind hätten wir auch unmöglich unter dem Vorzelt kochen können. Leider kühlt es trotz des Regens nicht ab und wir wachen verschwitzt, mit viel Kondensflüssigkeit im Zelt am nächsten Morgen auf. Alles ist klebrig, feucht, nass... nicht schön. Ein kleines trockenes Zeitfenster ermöglicht es uns, draußen zu frühstücken und Tee zu kochen. Immerhin. Aber schon kurz nach dem Aufbruch fängt es richtig an zu pladdern und hört auch bis zur "Bridge to Nowhere" nicht mehr auf. Wir sind allein auf der Brücke und genießen es, nach 4 Jahren von der anderen Seite aus über dieses beeindruckende Konstrukt zu laufen, was stolz über der Schlucht und zwischen den Farnen trohnt. Wir laufen weiter Richtung Whanganui River und hoffen, irgendwo unten am Landing einen Unterstand zu finden, denn bis das Jetboot abfährt, ist noch etwas Zeit. Uns kommen ein paar nasse Gestalten entgegen und einer davon ist Thomas, der das Jetboot fährt. Und, glücklicherweise, gibt es sogar ein Shelter, wo wir warten können. Ein paar Kanuten sehen wir am Shelter, die dort essen, aber sich teilweise dagegen entscheiden, zu der Brücke zu gehen. Wir empfehlen ihnen dringend, das zu machen, aber sie packen ihr Essen wieder ein und paddeln von dannen, komisch.
Wir steigen mit einer Gruppe Studenten aus Oregon ins Jetboot und düsen los. Es ist laut, stinkt nach Diesel und der Fahrtwind ist ganz schön kalt. Aber der Whanganui River beeindruckt uns mal wieder sehr, es ist immer noch so schön wie vor vier Jahren. Das Flusstal ist einzigartig und wir werden etwas wehmütig. Vielleicht hätten wir doch einfach nochmal die Kanutour machen sollen? Bei der ersten heftigen Stromschnelle bin ich sehr froh, im Jetboot zu sitzen und auch die letzten zwei Tage waren von der Landschaft einzigartig. So haben wir nochmal einen ganz anderen Eindruck bekommen, was "hinter" der Brücke lag und wo die Siedler ihr neues Leben damals begannen. 
Leider muss ich aber auch nochmal anmerken,  dass sich das DOC (Department of Conservation) hier keine Lorbeeren verdient hat, denn sowohl die Kilometerangaben auf dem Track waren fast alle falsch und von der Wassersituation möchte ich gar nicht erst anfangen. Die Shelter sind kaum wandertauglich und die Campsites eher Buckelpisten und nicht gemäht. Wir haben leider mal wieder den Eindruck, dass, wie schon auf dem Timber Trail, für die Mountainbiker hier eine Menge gemacht wird, die Wanderer aber eher eine untergeordnete Rolle spielen. Vielleicht liegt es an einem großen Rad Event, was hier im nächsten Monat stattfinden soll, denn dann werden ca. 600 Mountainbiker durch dieses Gelände rasen.
In Pipiriki leisten wir uns bei der Jetbootfirma wegen des fiesen Wetters eine Cabin und versuchen uns, ein wenig trocken zu legen, was bei dem permanenten Regen und der hohen Luftfeuchtigkeit schwierig ist. Immerhin gibt es eine warme Dusche und eine Gemeinschaftsküche, wo wir abends unsere Gerichte machen können. Auch unsere Räder sind schon aus Taumarunui geliefert worden und morgen werden wir dann nach langer Zeit mal wieder radeln, mal sehen, wie wir in Whanganui am Meer dann ankommen. Hoffentlich werden wir etwas besseres Wetter haben. San Remo und Lost Kiwi müssten heute mit dem Kanu aus Whakahoro gestartet sein, auch für sie wäre es schön, wenn sie nach dem Regentag heute auch nochmal Sonne auf dem wunderschönen Fluss haben werden. Am Abend haben wir noch eine sehr unterhaltsame Zeit in der Gemeinschaftsküche mit einem Ehepaar aus Christchurch, zwei Waliserinnen, die am Mount Cook ein Jahr gearbeitet haben und einem Ehepaar aus Holland. Wir erzählen vom Wandern, aber auch die Maorikultur und die Deutsche Regierung sind spannende Themen. Das sind die positiven Seiten des Backpackerdaseins, die wir sehr genießen.
Am Morgen unseres Radfahrtages regnet es immer noch und wir bewaffnen uns mit Regenklamotten, Helm und Warnweste. Die Räder sind leider schlecht gewartet und auch zu klein. Bei mir geht es so gerade, aber 2tall leidet auf den 76km schon erheblich. Das ist echt schade, denn der Weg am Fluss ist wirklich toll und trotz Regen bekommen wir einen weiteren wunderschönen Eindruck von dem Whanganui River. Wir kraxeln ordentlich hoch und haben auch wilde Abfahrten, bevor es an 2talls Fahrrad kräftig knackt und eine Speiche gerissen ist. Zum Glück gibt es in meiner Satteltasche gutes Werkzeug, dass 2tall die anderen Speichen so anziehen kann, dass das Hinterrad zwar eiert, aber noch fahrtauglich ist. Oh mann, die letzten Tage haben wir mit einigen Dingen nicht uneingeschränkt Glück gehabt, aber bisher hat sich immer noch alles irgendwie regeln lassen, it all works out somehow oder wie der Kölner sagt: "Et hätt noch immer jut jejange..." oder so ähnlich.
Wir bringen die völlig verdreckten Räder (auch auf der Straße gab es immer wieder Matschlöcher) zu einem Shop in der Fußgängerzone in Whanganui. Danach gönnen wir uns erstmal Kaffee und Kuchen und müssen den Tag nochmal Revue passieren lassen. Schon wieder viel passiert, nur in den letzten Stunden. Leider sind unsere Rucksäcke noch nicht im Hostel angekommen, aber wir können in unser Zimmer und uns schon mal etwas an das Hostelleben akklimatisieren. Unser Zimmer liegt zwischen den Toiletten und dem Garten. Die Geräuschkulisse ist interessant vielfältig und leider wird alles von Musik und lässigen Reisenden untermalt, die sich darüber aufregen, dass man sich auf manchen Campingplätzen nicht mal duschen könnte. Das Hostel wird von einem deutschen Ehepaar geführt, die versuchen, die lockere Art der Kiwis zu leben, aber es wirkt doch etwas verkrampft und eher gespielt locker. Sie sind super nett und hilfsbereit, aber es fühlt sich nicht ganz authentisch an. Nun ja, wir werden nach einem Ruhetag hier unser Postpaket weiter nach Wellington schicken und dann den Bus nach Palmerston North nehmen. Der Trail besteht mal wieder nur aus Asphalttreterei, die wir auslassen. Die Wetterfront bringt auch schon wieder viel Regen und wir werden gucken müssen, wann das Weiterwandern wieder Sinn macht.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Te Araroa: Te Kuiti - Taumarunui

Unseren ersten neuseeländischen Tropensturm haben wir in Te Kuiti überstanden, wie gut ist es, wenn man bei so einem Wetter vier Wände und ein Dach um sich herum hat. Auch wenn die Auszeit ihren Preis hatte, waren wir wirklich froh, hier zu sein. Te Kuiti ist zwar als Townstop gut geeignet, weil es einen großen Supermarkt gibt und alles relativ dicht beisammen ist, allerdings wirkten viele Leute unzufrieden und nicht sehr glücklich. Auch wir drei Wanderer wurden eher mit skeptischen als mit offenen Gesichtern bedacht. Woran es liegt, können wir nicht sagen, aber selbst die Mitarbeiter im Supermarkt wirken genervt und irgendwie frustriert. Aber die Besitzer des Motels kommen uns noch sehr entgegen, schenken uns zwei Wäscheladungen und die Telefonanrufe und so gibt es in Te Kuiti doch noch einen versöhnlichen Ausklang.
Leider regnet es am Morgen, als wir wieder starten, immer noch und wir tingeln mal wieder in voller Schlumpfmontur los. "Der blaue und der rote Schlumpf auf großer Tour". Am Ortsrand treffen wir Twig und Steffen. Twig versucht, einen Lift zum Timber Trail zu bekommen, weil sie die Flußwanderung, die uns an diesem Tag bevor steht, mittels Slackpacking vor dem Sturm gemacht hat. Slackpacking ist das Wandern ohne den großen Rucksack, gemütlich mit einem kleinen Daypack, weil man am Abend wieder zu seinen Klamotten zurückkehrt oder diese transportiert werden. Leider sind ihre Schilderungen über diesen Trailabschnitt nicht gut und Steffen sitzt wahrscheinlich nicht nur wegen des Regens so unmotiviert unter dem Dach und macht keine Anstalten loszuwandern. Wir tapern aber trotzdem nach kurzem Erzählen los und dürfen erstmal durch nasse Wiesen und Sträucher pirschen, um wirklich von oben bis unten den nassen Genuss des Trails zu erfahren. Schade, dass der Weg hier so gar nicht gepflegt wird, d.h. die Wege sind teilweise so zugewuchert, dass man weder den Boden noch den weiteren Weg erkennen kann. Im Laufe des Tages wirds leider noch viel heftiger, doch dazu später mehr. Zum Glück hört es irgendwann auf zu regnen und auch die Landschaft verändert sich. Es gibt Felswände, ein schönes Flussufer, einen Picknickplatz mit Tischen, Stühlen und sogar einem Gummireifen, falls man sich im Fluss ein wenig treiben lassen möchte. Die Sonne ist so warm, dass wir alles wieder trocknen und uns etwas erholen können. Leider fängt das Elend dann erst richtig an und wir werden im Laufe des weiteren Weges echt stinkig. Denn wir müssen über umgestürzte Bäume am Hang klettern, uns von Brombeersträuchern zerkratzen lassen, mal wieder durch knietiefen Matsch robben und uns Wege suchen, die steil am Ufer des Flusses entlang gehen. Die Wege sind schlecht markiert und teilweise auch gefährlich, weil das Flussufer sehr steil ist und wir eigentlich nie die Füße gerade aufsetzen können. Das verdient eigentlich überhaupt nicht den Namen Trail und wir wundern uns, dass auf diesem Teil nicht schon viel mehr passiert ist. 2tall rutscht ein paar Mal gefährlich am Hang aus und auch ich trete in ein Loch und verliere den Halt. Später erfahren wir von Steffen, dass auch er gestürzt ist. Glücklicherweise kommen wir alle ohne große Verletzungen davon, aber wir sind sauer und enttäuscht über diese Wegführung. Ich finde es unzumutbar. Als wir nach vielen Stunden "Wanderarbeit" auf der Wiese ankommen, wo privat ein kleiner Zeltplatz entstanden ist, sind wir so positiv überrascht, dass wir uns schon fast wieder mit dem Trail versöhnt haben. Es gibt einen Schuppen mit Picknicktisch, Wasser, eine Wäschleine, ein Plumpsklo und ein kühles Bier, was quasi wie für uns bereit gestellt wurde. Weltklasse. Man gibt 5$ freiwillig in eine Box und freut sich, besonders nach so einem Tag, dass es Menschen gibt, die gut zu den Wanderern sind. Steffen und 2tall genießen das Bier und nach einem schnellen Abendbrot sind wir um 21 Uhr im Zelt. Wie gut, dass es so lange hell ist. Am nächsten Tag spüren wir noch deutlich, was wir gestern leisten mussten und wir sind entsprechend müde und sprachlos auf der Schotterstraße unterwegs. Zwei Farmer sehen wir, die ihre Kühe und Schafe auf andere Weiden treiben, ansonsten ist an so einem Sonntag Morgen im Nirgendwo nicht viel los. Bis zum Highway sind es einige Kilometer und wir hoffen, dass wir von dort wenigstens nach Benneydale kommen, um dort einen weiteren Lift zum Start des Timbertrails zu bekommen. Nach ca. 15 Minuten Warterei hält schon ein Pickup mit einem Typ, der aussieht, als wäre er gerade aus dem Rugby Stadion entsprungen. 2tall macht vorne auf dem Beifahrersitz Konversation, der Typ ist staubtrocken, aber super hilfsbereit, denn er fährt uns direkt zum Trail, obwohl er eigentlich in Benneydale wohnt.
Am Start des Trails treffen wir auf einen Dänen, der auch einen Lift bekommen hat, aber erstmal zum Campingplatz will. Er sieht etwas gestresst aus und wenn wir es richtig verstanden haben, hat die letzten Tage bei dem Sturm irgendwo draußen in seinem Zelt verbracht...
Der Timbertrail ist eine alte Route der Holzwirtschaft. Er beginnt wunderbar, er ist grün, schattig und wirkt wie ein perfekter Weg durch einen botanischen Garten. Der Trail ist eigentlich für Radfahrer angelegt, es gibt Touranbieter, die Räder verleihen und Shuttles anbieten, damit die Radler möglichst wenig bergauf fahren müssen. Es gibt Kilometeranzeigen, Schilder, Infotafeln und wir bekommen einen Eindruck, was hier für die Fahrradfahrer auf die Beine gestellt wurde. Wir Wanderer sind geduldet, aber nach dem gestrigen Tag am Fluss kommt da schon etwas Neid auf, dass hier für eine Menge Geld dieser Weg in die Landschaft gefräst und ausgebaut wurde und diverse Hängebrücken entstanden sind, wobei eine Brücke bis zu 500000$ kostet. Wir steigen sanft bis auf 980 m hoch und lassen es aber mit dem Aufstieg zum Pureora Summit, weil die Sicht vermutlich gleich Null ist. 1,8 km vom Trail entfernt gibt es die Bog Inn Hut, die wir für die Nacht ansteuern. Eine alte Hütte von 1960 mit Holzplanken und einem Ofen, aber auch inzwischen mit Wasser und Toilette. Steffen und die zwei Franzosen sind schon dort. Später kommt noch ein Amerikaner, der ungefähr die doppelte Strecke von dem rennt, was wir so gehen. Verrückte Amis. Wir zelten hinter der Hütte, haben ein feines, ruhiges Plätzchen, fast ohne Kondensation und schlafen ganz gut hier oben. Für den nächsten Tag wollen wir bis zur Campsite Piro Piro gehen (21km) und nicht die über 40 km bis zur Campsite#10. Leider wird der Trail irgendwann breiter und auch die Schotterstraßen nehmen zu. In der prallen Sonne wirds zum Ende dann leider anstrengend und auch gar nicht mehr so schön. Wir schleppen uns zur Campsite, wo Steffen schon den einen oder anderen Camper kennengelernt hat. Es ist ein riesiger Platz mit kleinen Sheltern, Picknicktischen und Toiletten. Die meisten Shelter sind allerdings von Campern belegt, die ihre Autos direkt davor parken und teilsweise auch Planen aufgespannt haben. Immerhin haben wir einen Picknicktisch, wo wir uns etwas ausbreiten und kochen können. Etwas später kommt noch Vivian aus Dänemark auf den Platz, die nun Northbound unterwegs ist. Steffen kennt sie aus Ahipara, wir haben sie am Dome das erste Mal getroffen. Wir erzählen viel und freuen uns über die Trailgemeinschaft, die hier schnell entsteht, weil nicht so viele Wanderer unterwegs sind.
Die Campsite #10 liegt ungefähr 20-25 km vor uns. Leider geben die Trailnotes, die Schilder oder auch die App unterschiedliche Längenangaben an, so dass wir nicht so genau wissen, wie weit es wirklich ist. Schade, denn als Wanderer ist man nicht ganz so flexibel wie die Radler und macht eben nicht mal locker 5 km mehr. Das kann mit schweren Beinen, Blasen oder schmerzhaften Füßen ziemlich lästig werden. Immerhin ist der Weg wieder schöner, es gibt schattige, kühle Abschnitte, einige Hängebrücken (bis zu 140m lang) und auch kleine Shelter, die wir für Pausen gut nutzen können. Am Wegesrand liegen immer mal wieder rostige Bahnschienen, Räder oder anderes Zeug, die zur ehemaligen Bahnlinie gehören, die hier in den 30er Jahren die gefällten Bäume heraustransportiert hat. Leider sehen wir auch Müll, der vermutlich von irgendwelchen Hikern stammt, die ihr Zeug nicht rausschleppen wollten. Das wäre schade, wenn die Hiker dadurch auffallen, dass sie ihren Krempel nicht wieder mitnehmen oder die Shelter mit ihrem Namen und Datum beschmieren. “Shelley“ hat das im Dezember an den Hütten mit ihrem Edding gemacht und es ist bitter, wenn andere diesem schlechten Beispiel folgen würden.
Die Campsite#10 ist klein, hat ein Shelter und eine Toilette, allerdings keinen Wassertank. Steffen hat aber schon den Stream gescoutet, so dass wir davon billig profitieren können, auch wenn der Zugang zum Flüsschen gar nicht so einfach ist. Wir bleiben an diesem Abend zu dritt und Steffen erhält endlich einen Trailnamen: "San Remo". Denn sein Abendessen besteht fast immer aus San Remo Nudeln, die er inzwischen jedem empfiehlt, manchmal verschenkt er sogar eine Tüte, um die Leute einfach mit dem sagenhaften Geschmack zu überzeugen ;-)
Auf den letzten 17 Kilometern auf dem Timbertrail sehen wir noch die Spirale, die der Zug damals gefahren ist, einen sehr dunklen Tunnel und diverse alte Brückenreste von damals. Der Weg ist eben und geht bergab, so dass wir richtig flott unterwegs sind. Leider gehts wegen Holzarbeiten am Ende nochmal auf eine Umleitung mit Schotterstraße, die uns dann doch etwas müde macht. An den Containern, wo die Fahrradverleih-Firma ihren Sitz hat und es auch eine kleine Campsite gibt, stehen einige Autos. Doch leider fährt keiner in Richtung Taumarunui, bei dem wir mitfahren könnten. Wir müssen also wohl doch noch auf der Straße bis zum Highway laufen. Aber der goldene Daumen hat mal wieder seinen großen Einsatz und nach 3 Minuten hält ein Auto, was uns direkt an Steffen vorbei und uns alle drei vor den Pizzaladen von Taumarunui fährt. Cool!
Was die nächsten Tage bringen, müssen wir noch austüfteln. Zwischen kilometerlanger Straßenlatscherei, dem Tongariro Crossing und der Bridge to Nowhere am Whanganui River liegen noch ein paar organisatorische Herausforderungen. Dazu kommt das Wetter, was uns zusätzlich eventuell noch den Weg erschwert. Wir werden berichten, wie es hier auf dem Te Araroa mit uns weitergeht.