Donnerstag, 24. Oktober 2013

Vom Donnelly River Village nach Pemberton

Nach einem verzweifelten Versuch von 2Tall noch einen weiteren Ruhetag in DRV zu verbringen, ging es bei bedecktem und leider auch nieseligem Wetter trotzdem los. Denn ich fühlte mich in diesem Örtchen nicht so wohl und wollte weiter...
Vorher haben wir aber noch ausgiebig die alte Schule inspiziert, die als Unterkunft für Hiker auf dem Bibbulmun Track und Biker auf dem Munda Biddi Track umfunktioniert wurde. John und Hazel haben dort die Nacht verbracht und im Gegensatz zu unserem Cottage, konnte man dort relativ günstig für 25 Dollar unterkommen.
Der Weg war leider eher trostlos, denn ein Bulldozer hatte den Track verbreitert und einfach mal diverse Äste und Sträucher platt gewalzt. Zum Wandern wars ok, aber schön ist eben anders.
Einziges Highlight an diesem Tag war ein kleines Quokka, was wir im Unterholz entdeckt haben. Nach den großen Beutlern, war das schön zu sehen.
Nach 16 km kamen wir am Tom Road Shelter an. Der Deutsche, der Schweizer (die beiden Gestalten haben wir schon in Collie kennengelernt und sie sollten für die nächsten vier Nächte unsere Begleiter werden...) und ein Australier waren schon dort und führten "sehr angeregt ein intensives Gespräch"... nein, das taten sie eben nicht, denn sowohl der 20-jährige Thüringer als auch der 40-jährige Schweizer sind extrem ruhig und wie sich in den nächsten Tagen auch herausstellen sollte, sehr verhaltensauffällig. Dazu aber später mehr.
Der nächste Tag fing schon mit Prasselregen am Morgen an und leider gabs nicht eine Regenpause auf dem 23 km langen Weg bis zum Boarding House Shelter. Das war schon heftig und ging ziemlich an die Substanz. Zu dem Regen gabs nämlich noch diverse umgekippte Bäume, die es zu überklettern galt, und das ist mit einem langen Poncho eine akrobatische Leistung. Die Mittagspause fiel deswegen auch nur kurz aus, aber glücklicherweise gab es an der "One-Tree-Bridge" eine überdachte Infotafel, die wir für eine Snickerspause und ein Schlückchen Wasser nutzen konnten.
Wir waren sehr erleichtert und froh als wir endlich am Shelter ankamen. Aber es gilt weiterhin für uns: the worst day on the track is better than the best day in school.
Am nächsten Morgen mussten wir leider in die noch nass-klammen Klamotten steigen, was kein Vergnügen ist. Es hilft nur, schnell und zügig loszulaufen, um warm zu werden und die Socken und Shirts am Körper zu trocknen.
Der Weg gefiel uns auf diesem Abschnitt sehr gut, denn etwas oberhalb des Donnelly Rivers hatten wir einen schönen Blick und auch die Sonne war mal wieder da. Nicht nur wir genossen Licht und Wärme, auch zwei Dugits (einheimische Giftschlangen) nutzten die Sonne, um sich auf dem Track aufzuwärmen. 2Tall hatte das erste Reptil aber noch rechtzeitig gesehen, dass alle anwesenden Lebewesen auf dem Track Zeit hatten, diese Begenung zu verarbeiten. Die Schlange, in dem sie einfach ins Unterholz schlängelte und wir, indem wir erstmal stehen blieben, um die Schnappatmung wieder in einen physiologischen Rhythmus zu bringen. Das war ganz schön aufregend. Aber wenn die Begegnungen weiterhin so distanziert bleiben, sind wir voll zufrieden :-)
Am nächsten Tag war nach dem Aufstehen klar, dass es für Good Grip ein extrem anstrengender Tag werden sollte. Nach den ersten zehn Metern fing sie mit der Gähnerei an und das sollte sich den ganzen Tag auch nicht mehr ändern. Was für eine Quälerei. Aber vielleicht auch kein Wunder, denn die Nächte sind weiterhin sehr kalt und zusätzlich gibt es ja diesen schweizerischen Schnarcher im Shelter, den wir auch leider bis Pemberton nicht mehr loswerden :-( Dieser Schweizer ist leider auch sonst nicht wirklich angenehm, denn er furzt ziemlich laut und rücksichtslos im Shelter herum, was ihm unter uns den Trailnamen "Fürzi" eingebracht hat. Der junge Deutsche aus Thüringen hängt wie eine Klette an ihm und ist durch seine Ausrüstung einfach absurd auffällig. Denn er trägt eine Tasche zusätzlich zu seinem Rucksack vor dem Körper herum, in der er einen riesigen Gaskocher hat. Er sieht morgens aus, als wenn er mit seiner Tasche zur Bushaltestelle gehen würde, was ihm den Trailnamen "Case" bescherte. Die beiden sind schon sehr schräg, weil sie außerdem leider die üblichen Kommunikationsformen nicht beherrschen. Die Atmosphäre war deswegen in den letzten Tagen etwas unterkühlt. Ich habe tatsächlich immer wieder versucht, eine Unterhaltung zu initiieren, aber da ist es einfacher sich mit den krächzenden Koookaburras zu unterhalten als mit Fürzi und Case. Keine Ahnung, was mit den beiden los ist, aber wenn sie irgendwas von sich geben, dann nur in kurzen grunzenden Sätzen, und irgendwie total unbeteiligt.
Das Shelter "Beavis", was wir auf dieser Section kennengelernt habem, ist bis jetzt unser Favorit auf dem gesamten Track. Es hat einen kleinen Pool, seichte Wassercascaden nebendran und ist umgeben von riesigen Karri-Bäumen. Die halbe Nacht knatterten Frösche im Wasser und es war einfach sehr, sehr idyllisch. Die Frösche haben hier tatsächlich eine andere "Sprache", ich würde es jetzt nicht als Quaken bezeichnen, aber es klingt bizarr schön :-)
Der Tag nach Pemberton war mit 23.7 km keine Kleinigkeit und deswegen entschlossen wir uns, relativ früh zu starten. Um kurz nach sieben (absoluter Rekord für uns) waren wir auf der Piste und versuchten, die Kälte mit Wandern zu vertreiben. Es war ein toller Weg mit viel Wasser (See, Staudamm, Flüsschen, Wehr....) und schon um kurz vor zwei betraten wir das Städtchen Pemberton. Erstmal zur Visitorinformation, dachten wir, die könnten uns mit der Unterkunftssuche helfen. Aber die ältere Dame dort war leider hoffnungslos überfordert. Sie wusste, dass es einige Hotels hier gibt, aber mehr Hilfe gabs dann schon nicht mehr. Als wir es dennoch wagten, nach gefriergetrockneten Gerichten zu fragen, war sie komplett überfordert... tja, da gäbe es wohl noch Hiker-Fortbildungsbedarf!
Wir haben aber dann doch noch etwas Schönes zum Übernachten gefunden, ein Motel etwas ab vom Schuss, dafür aber direkt am Track mit kostenlosem Wifi und einer Waschmaschine. Gebucht, gebongt, hier werden wir uns von den Strapazen der letzten Tage erholen und die nächsten drei Nächte verbringen. 

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