Dienstag, 24. Dezember 2013

Abel Tasman Inland Track


Nach den tollen Küstenabschnitten im Abel Tasman National Park, freuten wir uns auf Fernsichten und darauf, den bereits erwanderten Teil von oben betrachten zu können. Dazu mußten wir aber erstmal hoch gehen und zwar ca. 600 Höhenmeter. Das fing nach der Whariwharangi Hut ganz lieblich an, und wir wunderten uns über den breiten, sanft ansteigenden Weg. Bald schon konnte wir auf die Hut herunter blicken, der Zeltplatz war im dichten Grün gar nicht mehr zu erkennen.
Am ersten Abzweig konnten wir dann endlich die Wainui Bay weit überblicken und wieder einmal kamen uns Himmel und Meer zu blau, der Strand zu gelb und die Häuser zu klein vor ;-) Wir hatten schon Höhe gemacht, aber oben angekommen waren wir noch lange nicht. Es wurde steiler und sehr schweißtreibend, denn noch ging es nicht durch den Wald, sondern über schattenlose Wiesen, die wohl zu dem angrenzenden Farmland gehörten.
Irgendwann... endlich, ging es dann in den Wald, und in was für einen. Die Bäume waren mit Moosen und Flechten übersäht, der Track war schmal und sehr "wurzelig". Ja, so hatten wir uns den Inland Track vorgestellt, mystisch, bezaubernd, eben einfach nur schön.
Die Kletterei hatte aber bis kurz vor der Awapoto Hut kein Ende und als es dann noch kräftig anfing zu regnen, waren wir sehr erleichtert in die trockene Hütte gehen zu können. Leider war die kleine, sehr gemütliche Hütte voll mit Klamotten: Schlafsäcke, Gasherd, Kühlboxen, Lebensmittelkartons, brandneue, verpackte Zelte... Das war ein Schock, wir tippten natürlich wieder auf eine Schulklasse, aber es stellte sich heraus, dass 7 Arbeiter mit dem Hubschrauber für ein paar Tage eingeflogen wurden, um Ratten- und Marderfallen aufzustellen. Diese Viecher fressen nicht nur Kiwis, sondern auch diverse andere heimische Vögel und deswegen werden diese Projekte wohl großzügig von reichen Naturliebhabern gesponsert.
Nach und nach trudelten die 7 Männer ein, belegten die Hütte, machten doofe Witze, aber großzügigerweise bekamen wir noch ein Eckchen zum Schlafen in ihrem Chaos frei gemacht. Wir waren echt bedient, wollten aber bei diesem Mistwetter auch nicht zelten oder noch weitere drei Stunden bis zur nächsten Hütte gehen. Wir mußten uns irgendwie arrangieren, was mir besonders schwer fiel, denn ich fühlte mich in dieser Situation als einzige Frau mit stinkenden und furzenden Männern echt nicht wohl. Aber Mark war ja an meiner Seite, immerhin.
Später kam noch ein anderer Wanderer in die Hütte, ein amerikanischer Triple Crowner. Der Typ hatte schon alle drei großen Weitwanderwege in den USA gemacht (Appalachian Trail, Pacific Crest Trail und Continental Divide Trail) und hatte dementsprechend viel zu erzählen. Nachdem wir ausgiebig Trailtalk gemacht hatten, wurde es aber um 21.30 Uhr ruhig in der Hütte und auch die Fallensteller verhielten sich ruhig.
Leider fing am nächsten Morgen um 5.30 Uhr der erste schon an zu kramen und die Nachtruhe wurde unterbrochen. Dementsprechend früh machten wir uns um 8 Uhr auf den Weg und gingen weiter bergauf, um die höchsten Stellen dieses Tracks (mehr als 1000m über dem Meer) irgendwann passieren zu können. Das Wetter war wieder gut, nur die tiefhängenden, nassen Zweige erfrischten uns phasenweise... Wir kamen gut voran und wir überlegten, ob es möglich sei, den ganzen Weg bis Marahau in einem Tag zu schaffen. Ich hatte genug von belagerten Hütten und sehnte mich nach einer Dusche. Die Kilometerangabe in unsere Broschüre war ok, von der nächsten Hütte sollten es noch weitere 11.5 km sein. Das erschien uns machbar, auch wenn es recht steil bergab ging. Also, los, im Stechschritt mit höchster Konzentration ging es die rutschigen Felsen und Wurzeln bergab. Der Weg war schwierig und wir hatten Glück, dass keiner über irgendetwas stolperte. Als wir gegen 14 Uhr an der Hütte ankamen, sahen wir das Schild, dass es bis Marahau noch 15.1 km sein würden. Was für ein fataler Zahlendreher, wir waren ziemlich entsetzt, machten uns aber auf den Weg, weil wir es trotzdem bis Marahau schaffen wollten. Wir hatten ein gutes Tempo drauf, schwitzten allerdings auch wie die Tiere.
Es sollte noch ein Shelter auf dem Weg geben, dort wollten wir unsere letzte Pause machen, bevor es den finalen Abstieg zur Küste runter ging.
Das Shelter erwies sich als 2 Personen Hütte, ziemlich neu mit einem unfassbar tollen Blick aufs Meer. Wir setzten uns auf die kleine Terrasse vor der Hütte und überlegten hin und her, ob wir die Nacht nicht besser hier verbringen sollten: wir sind total kaputt, es sind noch weitere 8 steile Kilometer, der Blick ist hervorragend und das Holyoake's Shelter wie für uns gemacht. Also gut, ich schob meinen Wunsch nach einer Dusche auf, wusch mich provisorisch am Regenwassertank und wir genossen Aussicht und Sonnenuntergang auf unserer kleinen Terrasse.
Der nächste Morgen begrüßte uns erneut mit Sonne und wir konnten den letzten Teil unseres Tracks ausgeruht und ausgeschlafen antreten. Es wurde ein schöner Weg mit tollen Blicken, aber auch steilen Abschnitten. Und plötzlich hörten wir Stimmen und waren schon unten auf dem Coast Track, den wir nochmal ein kurzes Stück bis zum Beginn des National Parks gehen mußten.
Das war eine gelungene, große Runde im Abel Tasman und als wir im Café vor einem warmen Mittagessen und kühlen Getränken saßen, waren wir extrem relaxed, aber auch ein wenig wehmütig, weil schon wieder ein wunderbarer Abschnitt unseres Wanderjahres zu Ende ging.

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