Dienstag, 31. Dezember 2013

Zwischen den Jahren in Akaroa

Nach der etwas anderen Erfahrung in Arthurs Pass mit einer beeindruckenden Berglandschaft und der runtergekommenen Unterkunft, freute ich mich wieder sehr aufs Meer und die Küstenlandschaft.
Bevor wir aber in Akaroa ankamen, machten wir einen Stop in Christchurch. Die Stadt wurde 2011 von einem heftigen Erdbeben erschüttert und man kann die erheblichen Schäden noch deutlich erkennen. Vor manchen Fassaden standen 4 Container, die die bröckelnde Wand abstützten oder einfach nur die Strasse vor abstürzenden Fassaden schützten? Auch eine Einkaufsstrasse wurde komplett in diverse Container verlegt, weil die Geschäftsräume zerstört wurden. Die Stadt wirkte auf uns noch ziemlich "geschockt" von diesem Ereignis und selbst wir Touristen fühlten uns ein wenig deplatziert in dieser Landschaft aus Containern und Baugruben. Es bleibt zu hoffen, dass Christchurch sich fängt und Investoren findet, um die Stadt wieder aufzubauen.
Die 75km lange Fahrt nach Akaroa wurde nochmal sehr bergig und die Serpentinen bei Regenwetter nicht unbedingt vertrauensseliger, aber wir schafften es, unversehrt, dank des sicheren "Piloten" Mark :-)
Akaroa versucht sich als französisches Küstenörtchen mit den entsprechenden Strassen- und Hotelnamen. Unsere Unterkunft nennt sich "La Rochelle" in der Rue Lavaud. Das Ganze kommt sehr gewollt herüber, ist wegen des französischen Seemanns Lavaud aber sogar historisch begründet. Nun gut, wir sind vorwiegend wegen der Hector Delfine hier, die es nur hier in Neuseeland gibt, leider aber auch schon wegen der intensiven Fischerei vom Aussterben bedroht sind.
Der Laden, der die Delfintouren anbietet, war sehr touristisch und ich war mir nicht sicher, ob ich in diese Maschinerie investieren will. Ich begab mich zu einer Gruppe, die so aussahen, als hätten sie die Tour gerade beendet. Als ich sie anspreche, kommt mir die absolute Begeisterung entgegen und sie zerstreuten meine letzten Zweifel: jaaa, ich will auch mit den Delfinen schwimmen! Also gut, die Kreditkarte gezückt und die Reservierung für die Tour am nächsten Tag klar gemacht.
Bei übelstem Regenwetter haben wir dann den Rest des Tages in unserem Zimmer mit lesen, entspannen und beginnender Vorfreude auf die Schwimmtour am nächsten Tag verbracht.
Das Wetter wurde leider nicht besser, aber den Delfinen würde es ja wohl kaum etwas ausmachen und ich hätte einen Wetsuite an. Mark hat sich entschieden, als Zuschauer und Fotograf mitzukommen, aber nicht baden zu gehen.
Ausgestattet mit Neoprenschuhen, Schnorchel und dickem Tauchanzug gings mit 11 anderen aufs Boot und dann raus aus der Bucht. Die Wellen waren heftig und ich fing an zu überlegen, ob ich in diesen hohen Wellen überhaupt schwimmen gehen möchte. Mein Vestibulärsystem hatte viel zu verarbeiten und sendete merkwürdige Botschaften an meinen Magen. Ich hoffte inständig, dass ich die Tour, ohne mir das Frühstück nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, schaffen würde. Dann stoppte das Boot zum ersten Mal, einige gingen langsam ins Wasser, aber die Delfine waren wieder weg. Ich war froh, dass ich noch gewartet habe, denn im nassen Wetsuite war es auf dem Boot saukalt. Es ging nochmal an einen anderen Ort, alle hielten Ausschau und versuchten in dem hohen Seegang, die schwarze, abgerundete Rückenflosse zu sehen. Und dann waren plötzlich ca. 10 Tiere am Boot und ich im Wasser. Die Wellen waren als Schwimmer deutlich angenehmer als auf dem Boot. Nachdem ich mich ein wenig eingeschaukelt habe, startete ich mit meinen Gesängen in den Schnorchel. Singen und Klickgeräusche sind wohl interessant für diese kleinste, sehr neugierige Delfinart der Welt. Es dauerte nicht lange und schon schwammen einige Delfine um uns herum. Das war ein unglaubliches Gefühl und ich lachte, juchzte wie ein Kleinkind. Ich hörte Mark vom Boot rufen, dass ich mal woanders hinschwimmen sollte, auf der anderen Seite wären doch ganz viele... lustig! Bei dem Seegang war das nicht so einfach, sich "mal eben" von einem zum nächsten Punkt zu begeben. Ich blieb einfach da, wo ich war, und wartete... und dann kamen sie auch in meine Nähe. Es war so toll und ich total begeistert. Die Wellen waren auch gar nicht mehr so bedrohlich und ich genoss es sehr, so nah an den Delfinen sein zu dürfen. Wenn sie sehr nah kamen, sollten wir uns laut Guidin und Skipper um die eigene Achse drehen... mit den Wellen rauf und runter und dann noch drehen? Gar nicht so leicht zu verdauen, diese vielen Bewegungen...
Nach ca. 30 Min. mußten wir leider aus dem Wasser, die Zeit war schon um, too bad. Es hätte stundenlang so weitergehen können. Zum Abschied zeigte uns aber ein Delfin nochmal all sein Können beim "Wellenreiten". Das sah so leicht und spielerisch aus, das sind die wahren Surfer.
Auf der Rückfahrt konnte ich nicht viel sagen, Mark und ich standen hinten auf dem Boot und wurden vom Motor zugedröhnt... ja, ok, es gab auch nicht mehr viel zu sagen, weil es so wunderbar war ;-)
Zurück an der Wharf konnte ich eine heiße Dusche nehmen, was auch nötig war, denn meine Fingerspitzen waren schon gefühllos. Für sehr viel Geld gabs auch noch "persönliche" Fotos, die aber leider nicht so eine gute Qualität hatten, darum haben wir sie nicht gekauft.
Was gabs sonst noch in Akaroa? Einen tollen Scenic Drive mit fantastischen Blicken auf die Bucht. Mit den beiden fetten Kreuzfahrtdampfern, die wohl in der Nacht eingelaufen waren, bekamen wir am Lookout einen Eindruck, wie groß die Bucht bzw.die Vulkankrater hier sind.
Also, Akaroa ist unbedingt eine Reise wert, allein schon wegen der kleinsten Delfine der Welt!

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