Donnerstag, 20. Juli 2017

Goldsteig Marktredwitz - Neunburg v. Wald

Die Anfahrt mit dem Auto nach Marktredwitz ist schon ganz schön lang, und bei sommerlichen Temperaturen brauchen wir nicht nur viel Sitzfleisch, sondern auch ab und zu mal die Klimaanlage. Wir malten uns schon in den schönsten Sonnenfarben aus, wie wir in den nächsten Tagen mit kurzen Hosen und T-Shirt durch die Landschaft wandern würden, aber dann kommt es doch alles ganz anders als man denkt, gell?
Wir gönnen uns ein kleines Päuschen auf dem Zimmer und schlendern dann aber nochmal los, denn direkt hinter unserem ersten Hotel befindet sich ein schönes Waldstück, was wir bei dem herrlichen Wetter noch nutzen, um uns nach der langen Fahrt die Beine zu vertreten. Wir gehen zu den Wendener Steinen und genießen ein wunderschönes Abendlicht, was wir als einen gutes Omen unseres Osterurlaubes nehmen.
Am Montag starten wir morgens gut ausgeruht und nicht mehr autbahn-seekrank ein letztes Mal mit unserem Vehikel nach Waldershofen, wo wir das Auto für die 10 Tage stehen lassen wollen. Direkt hinter dem Gartenzaun an unserem Parkplatz zeigt sich eine Dogge, die auf unser kleines Autolein hoffentlich gut aufpasst. Sie wirkt erst ganz ruhig, aber als 2Tall sie fotografiert, blafft sie plötzlich los und erschreckt uns mit ihrer tiefen Stimme erheblich. Der kleine Adrenalinstoß hilft aber beim Start, macht die Beine schnell und lässt uns schnell das gelbe Goldsteig- Schild finden. Los geht’s, auf dem Premiumwanderweg in Bayern.
Das Wetter ist perfekt, nicht zu heiß, aber sonnig. Wir müssen erstmal einige landwirtschaftliche Wege nutzen. Die Traktoren stauben uns leider kräftig ein, wenn sie mit ihren Gülleanhängern an uns vorbei rasen. Wir treffen aber auch auf einige MTB Fahrer und Hundespaziergänger, die alle sehr freundlich grüßen. Auf ein „Grüass Gott“ können wir uns aber irgendwie noch nicht einlassen, na, mal sehen, vielleicht nach den 10 Tagen im Ausland. Nach einiger Zeit sehen wir vor uns einen anderen Wanderer mit einem ziemlich großen Rucksack. Er schwankt auch ganz schön, mit seinem Gepäck. Kurz vor dem Marktredwitzer Haus sehen wir ihn dann auf einer Bank verschnaufen, aber wir gesellen uns nicht zu ihm, denn wir wollen einkehren und freuen uns schon auf eine kleine Mahlzeit mit bester Aussicht, die uns schon im Rother Wanderführer angekündigt wurde. Zur Weißensteinruine geht es nach Süppchen und Apfelstrudel schneller als erwartet und wir überholen sogar einige Familien, die mit ihren Kindern auf dem Ausflug interessante Debatten führen. Familienausflüge sind eben nicht immer entspannt, oder?
Wir klettern nacheinander auf den Turm der Burgruine (13. Jh.), der zwar restauriert wurde, aber bei diesem starken Wind doch irgendwie unsicher auf uns wirkt. Im Rother wird von einer einsturzgefährdeten Burg gesprochen und wir sind deswegen etwas irritiert, kommen aber beide wieder heile unten an und gehen weiter bergab am Kiebitzstein (ein natürlicher Bogen aus Fels) vorbei bis nach Friedenfels. Wir sind gut in der Zeit und deswegen recht früh an unserer Unterkunft der Schloss Schänke. Das Hotel sieht schon von weitem mit der angegliederten Brauerei eindrucksvoll aus und wir freuen uns schon sehr auf Dusche und Abendessen. Leider sind die Türen zu, aber 2Tall hatte ja telefoniert und wir rufen erstmal auf der Festnetznummer an, die auch am Eingang steht. Leider ist nur ein AB dran, aber was soll es, das Wetter ist super, wir sitzen auf der Terrasse vor dem Eingang und trinken erstmal einen Tee, wird ja sicher gleich einer kommen, war ja alles geregelt. Tja, dem ist dann aber auch nach 1 Stunde immer noch nicht so. So langsam werden wir schon etwas unruhig, aber das Hotel sieht jetzt nicht komplett verlassen aus, und 2 Nachrichten auf der Mailbox müssten doch eigentlich reichen, dass da gleich irgendeiner um die Ecke kommen wird, um uns zu begrüßen. Nix da, keine Anzeichen von Nichts… wir forschen nochmal auf der Homepage des Hotels und finden noch eine andere Festnetznummer, die wir anrufen. Und zum Glück geht ein „Trailangel“ ran, denn diese Frau verschafft uns ein Zimmer in der Pension nebenan. Es ist ihr alles sichtlich unangenehm, denn es gab vor ein paar Wochen ein Pächterwechsel in der Schloss Schänke, der neue Pächter ist noch nicht da und der Typ, mit dem 2Tall alles geregelt hat, ist raus. Wie jetzt… und keine Nachricht über unsere Reservierung?? Das muss ja ganz übel gelaufen sein. Nicht nur die Frau kümmert sich um uns, nein, auch der Geschäftsführer (Schänke, Brauerei..) kommt irgendwann mit seinem fetten SUV vorgefahren und möchte uns zum Essen in den nächsten Ort fahren. Am Montag ist nämlich in Friedenfels alles dicht und er hat angeblich schon eine tolle Idee, wo er uns hinfahren will. Der Tag scheint aber unter keinem guten Stern zu stehen, denn am Marktredwitzer Haus (kennen wir ja schon ;-) steht ein Schild „Wegen Trauerfall geschlossen“ und auch die Pizzeria im nächsten Ort hat zu. In Erbesdorf findet sich dann schlussendlich eine Pizzeria und wir sind von der gesamten Situation ziemlich geplättet und wissen nicht so ganz, ob wir lachen oder nur den Kopf schütteln können. An dem Abend gibt es dann noch ein heftiges Gewitter, was absolut zu diesem Tag passt. Bizarr. Unser Zimmer ist übrigens besonders, es gibt nämlich kein Badezimmer im eigentlichen Sinne, sondern ein Zimmerchen mit Toilette und Dusche und ein Waschbecken im Schlafraum. Die Nasszelle ist allerdings etwas eng, Tür und die Toilette sind so nah beieinander, dass wir mit unseren langen Beinen nur schräg aufm Pott sitzen können, sonst geht die Tür nämlich nicht zu… nein, dazu gibt es kein Bild im Blog, vergesst es!
Es gibt leider Handwerker in der Pension, die mich pünktlich um 6.30 Uhr wecken. Gut, die Matratze war nun auch nicht unbedingt so gemütlich, dass ich da noch eine Stunde hätte drauf rumrollen können, aber ausgeschlafen bin ich nicht. Nach einem leckeren Frühstück und selbstgebackenem Kuchen sind wir kurz vor 10 Uhr startklar und gehen ein letztes Mal an der Schloss Schänke vorbei und werfen nochmal einen bösen Blick in die dunklen Fenster. Hilft ja alles nix… wir verlassen den Ort bei deutlich reduzierten Temperaturen und streifen uns schon nach ein paar Metern Handschuhe und Mütze über. Die Seenlandschaft, die dann bald kommt, sollen wir, laut Wegführung, eigentlich umgehen, weil ein Bahnübergang gesperrt ist. Das ignorieren wir aber einfach mal und freuen uns über eine tolle Gegend, in der wir sogar brütende Schwäne sehen. Beim Bahnübergang müssen wir noch nicht mal unter den Schranken durchtauchen, sondern können einfach den ausgetrampelten Weg außen herum und über die Schienen nehmen. Da waren wir wohl nicht die Ersten, die das so geregelt haben… Weiter gehts an Fischinformationstafeln und dem Trimm-dich-Pfad vorbei, der mit seinen Anweisungstafeln tatsächlich exakt nach Turnvater Jahn aussieht. Hier ist die die Zeit irgendwie stehen geblieben… auch die Biber fühlen sich hier wohl, wir sehen viele alte und recht frische angespitzte Bäume, leider aber keine Biberburg und auch keinen lebenden Kandidaten. Dann kommen uns Waldarbeiter in die Quere und wir müssen ausweichen und schlendern idyllisch an einer Autobahn entlang. Die Waldarbeiter haben mit Wanderern, glaube ich, so gar nix am Hut, denn da wird einfach mal ein Stück gesperrt, ob es eine andere Möglichkeit gibt, zum Ziel zu kommen, ist denen völlig wumpe…. Dank GPS und guten Karten, lotst 2Tall uns da aber immer ganz sicher wieder raus.
Unsere Unterkunft "Zum goldenen Stern" hat um 15.30 Uhr zwar noch nicht auf, aber wir klingeln und uns wird prompt aufgemacht, tolles Gefühl ;-) Auch wenn am Nachmittag noch im Goldenen Stern die Heizung ausfällt, wird es uns mit der entsprechenden zünftigen Musik und dem angefeuerten Kachelofen schön warm in der Gaststube. Die veganen Absichten werden von einigen von uns mal einfach über den Haufen geworfen und plötzlich steht ein einsames Jägerschnitzel auf unserem Tisch… also, ich wars nicht.
Das Frühstück ist nach dem guten Abendessen etwas mau , es besteht aus Filterkaffe mit Kaffeesahne, weißen Semmeln und Stachelbeermarmelade. Deswegen kehren wir noch in den kleinen Dorfladen neben der Burg ein und decken uns mit süßen Teilchen ein, die uns aber gar nicht so gut bekommen, ein zünftiges Lunchpaket finden wir dann zum Wandern doch irgendwie besser. Auf gehts ins liebliche Waldnaabtal mit bizarren Felsformationen mit ungewöhnlichen Namen wie Kammerwagen, Teufelsbutterfass und Gletschermühle. Es ist dort wirklich sehr idyllisch an und wir lassen uns an diesem Tag viel Zeit, die schönen Stellen bei Sonnenschein auf den diversen Bänken zu genießen. Das Bächlein plätscherte links, die Felsen und Douglasien zieren den rechten Hang, sehr hübsch... einzig und allein die vielen Taschentücher hinter Büschen und Bäumen nerven und stören unsere Augen sehr. Liebe Mädels, denn ich gehe mal davon aus, dass ihr dafür verantwortlich seid, auch Damen können "abschütteln". Dazu braucht es nicht ein ganzes Taschentuch, und wenn schon Papiertuch, dann doch bitte einbuddeln, das geht mit jeder Fußspitze am Wanderschuh ganz ordentlich. Ihr selber kommt vielleicht nicht nochmal an eurer "Markierung" vorbei, aber diverse andere Leute müssen sich das dann ansehen und sind definitiv „not amused“.
Auch an der Waldnaab sehen wir wieder einige angespitzte Biberbaumstämme, aber leider keinen Biber. Es ist ein toller Weg, und auch wenn eine Gastwirtschaft „Blockhütte“ direkt am Weg liegt, kehren wir nicht ein, sondern wandern wir einfach den angeblich kraxeligen Weg, für den man unbedingt Trittsicherheit benötigt, weiter. Es ist halb so wild, es gibt Treppen, kleinere Felsen und viele Wurzeln. Also, alles gut machbar für uns, auch mit kleineren Blasen und einem mal wieder beginnenden Schienbeinkantensyndrom. Es ist wirklich kaum zu fassen... auf dem Soonwaldsteig hatten wir nix und hier beginnen die ersten Blessuren schon nach 2 Tagen, das muss an der Höhenluft liegen, in Bayern ist eben doch alles anders ;-)
Wir laufen an der Waldnaab bis Neuhaus, wo wir beim heimischen Bäcker noch einen Kaffee draußen an der Hauptstraße trinken. Da sitzt wahrscheinlich sonst kein Mensch, denn jeder, der mit seinem Auto vorbei fährt, guckt uns mit großen Augen etwas ungläubig an. Unser Hotel liegt nur ein paar Schritte weiter und das Beste an diesem Etablissement ist die Sauna, die ich am Nachmittag für mich allein habe und ausgiebig nutze. Herrlich!
Wir sehen hier an den Häusern übrigens häufig das Wort Zoigl. Das ist ein selbstgebrautes Bier, was wir aber bisher nicht probiert haben. In der Zeit, wo man in der Stube sein Bierchen schlürft, hängt draußen der sechszackige Bierzeigl. Inzwischen ist aus dem Zeigel ein Zoigl geworden, aber das kann nach einem gewissen Konsum von Selbstgebrautem ja schon mal passieren.
Die Nacht endet mit einem extremen Glockengeläut, um 7 Uhr gibt es hier gratis Kirchenglocken-Konzert im Ort. Ich kann es aber mit einem Hechtsprung zum Fenster etwas eindämmen und unsere Schlummerstimmung noch bewahren. Das Frühstück macht dann aber alles wieder wett und mit einem super leckeren Cappuccino (fr)essen wir das halbe Buffet leer und den Rest packen wir dann auch noch in unsere Dosen. Die Frau am Nebentisch guckt etwas pikiert, aber als Wanderer sind wir da schon, was komische Blicke angeht, immun. Wir starten bei noch trockenem Wetter und schlendern durch das beschauliche Neuhaus bis zur Waldnaab, wo es einige Kilometer entlang geht. Leider müssen wir mal wieder die AB kreuzen und das Rauschen begleitet uns noch eine ganze Weile. Unter der AB Brücke kreuzen wir den Weg eines Rehs, was sich panisch in den nächsten Zaun stürzt. Das sind Schreckensmomente für uns und ist furchtbar mit anzusehen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass bei so einer Wucht, nicht auch Verletzungen entstehen, Zäune helfen also nicht nur...
Etwas später passieren wir eine Pferderennbahn, eine sehr kleine, für kleine Pferde. Die gehörte wohl zu dem angrenzenden Isländer-Gestüt. Leider sehen wir aber nur diverse Hufspuren und Böppelhaufen, aber kein Pferdchen, schade :-( Mit einigen Schauern und Schlumpf-Kostüm kommen wir um ca. 16 Uhr am Sparrer-Wirt an. Trotz einiger Pausen und Fußbalsamierungen finden wir uns für die 21 km ganz schön flott und genießen den „Regenwaldduschkopf“ in einem relativ neuen Gästehaus, auch wenn es direkt an einer viel befahrenen Straße liegt
Wir sind für jedes Frühstücksbuffet eine Plage. Wenn wir einige Tage gewandert sind, knurren uns am Morgen schon so die Mägen, dass es uns selbst manchmal etwas unheimlich ist. Und wenn es dann endlich soweit ist, stürzen wir uns auf Kaffee, Brötchen, Orangensaft, Kuchen, Müsli... das ist schon erstaunlich, was wir so wegputzen können. Aber es schmeckt natürlich auch immer viel besser, wenn wir uns nur an den gedeckten Tisch setzen müssen. Beim Sparrer-Wirt wars mal wieder so lecker, dass wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben und bei den ersten Kilometern, nur rollend vorwärts kamen. Vielleicht liegt es aber auch an dem langen Vortag, die 21 km sitzen uns doch noch etwas in den Knochen und wir müssen uns erst einmal wieder locker laufen. Zum Glück können wir direkt über die Straße beim Sparrer in den Wald gehen, um auf den Goldsteig zu kommen. Das ist ein schöner Zuweg, deutlich besser, als auf Asphalt zu latschen. Das Wetter ist sonnig, trocken und eignet sich hervorragend für einen weiteren Wandertag.
Die Streckenführung verläuft durch Waldstücke, aber auch über Felder. Da kreuzen dann mal ein Reh, ein Eichhörnchen und ein Mountainbiker den Weg und wir schlendern gemütlich unserer Wege. An der Wolfslohklamm treffen wir auch endlich mal wieder Menschen, aber ansonsten ist es sehr ruhig auf dem Goldsteig, was uns gut gefällt. Das Teufelsbutterfass (eine Felsformation) lassen wir dann kurz vor dem finalen Schlussanstieg doch rechts liegen, denn zusätzliche Wege sind bei 2Tall am Nachmittag einfach nicht mehr drin („I hate side trips…“). Die letzten 100 Höhenmeter schaffen wir, ganz langsam und mit Blick auf die Leuchtenburg. Wir erreichen um 15.30 Uhr die Gaststätte und Pension "Zum Burgkrug". Das Zimmer ist ok, ausnahmsweise gibt es mal keinen Fernseher, aber eine heiße Dusche, was uns wichtiger ist und außerdem einen Burgblick, wenn man sich weit genug aus dem Fenster lehnt.
Am Abend wird dann extra für uns die Gaststube angeheizt und das Licht angeschaltet, nachdem wir den Hausherrn beim Snookergucken unterbrechen müssen... das Essen ist ok, auch wenn das Allzweck-Allerlei-Gemüse sowohl in der Gulaschsuppe als auch dann auf unserer vegetarischen Pizza zu finden ist. Das macht uns aber nichts aus. Komisch wird es allerdings, als eine Gruppe junger Männer, die sich das Bier reinziehen, laute Musik auf ihrem Handy hören und auf dem rollbaren Billardtisch ein paar Runden spielen, die Gaststube „entern“. Sie haben wohl schon einiges getankt, denn nicht alle können überhaupt noch gerade stehen und rülpsen frei raus. Ich bitte den einen, sein Handy etwas leiser zu stellen, was er sofort macht und mir weismachen will, dass er heute Geburtstag hat. Na, herzlichen Glückwunsch. Wir sind froh, als sie irgendwann wieder los ziehen und wir allein an unserer Pizza knuspern können.
Wir befürchten fürs Frühstück schon ein reduziertes Angebot, weil das Abendessen auch eher „schlicht“ daher kam, aber wir werden mit kleinen Teilchen, Saft und diversen Brötchen überrascht. Das war für unser Lunchpaket perfekt und so schmierten wir kräftig und kamen um 9.35 Uhr los. Wir machten noch einen kleinen Abstecher zum Bäcker, in der Hoffnung, dass es ein schokoladiges Quengelregal gäbe, dem war aber leider nicht so. Ein paar Schlümpfe und andere Gummitiere, sonst nix. Immerhin noch ein Schokocroissant und einen Donut mit Schokoglasur, die wir dann noch für den Weg käuflich erwerben, um für die 20 km gerüstet zu sein. Wir sind nach dem Ort in einem schönen Waldstück und werden von knatternden Jungs auf Mopeds belästigt. Wir wechseln mehrmals Blicke und auch die Jungs fühlen sich wohl nicht ganz wohl, durch den Wald zu lärmen. Im Laufe des Tages wandern wir dann durch ein weiteres Flußtal, dem schönen „Pfreimdtal“. Die Pfade sind toll und die Ruhe hier gefällt uns sehr. Kurz vor unserem Ziel gehen wir noch durch Kaufnitz. 2Tall ist in kreativer Robert-Gernhardt Stimmung: Bilden sie mal einen Satz mit Kaufnitz! „Trotz Werbung sagt die Antje heuer, ich kauf nitz, Alter, viel zu teuer.“
Unser Bedarf nach Zucker und Süßkram ist inzwischen so groß, dass wir in Thännesberg die Tankstelle stürmen und uns eindecken. Die haben wir für die nächsten Jahre erstmal finanziell saniert. Am Abend essen wir in einem anderen Hotel, weil unser Etablissment nichts anbietet. Das wird aber zur bizarren Veranstaltung, weil das Essen doch so ganz anders ist, als erwartet. Im Grunde genommen werden wir immer satt und es ist ja auch ein wahnsinniger Luxus, jeden Tag Essen zu gehen, aber wir nehmen auch nicht mehr alles hin, und wenn man auf der Karte eine Pizza con tonno bestellt, und dann aber eine Salami Pizza erhält, weil im Kleingedruckten der Karte steht, dass die Pizza Tonno ohne Thunfisch sei, werden wir stutzig.
Der Tag fängt damit an, dass meine Thermoskanne nur mit lauwarmem Wasser gefüllt wird und ich bei jedem Schluck aus meiner Kanne darüber genervt bin, dass ich das nicht gecheckt habe. Es wird kalt und regnerisch und ein heißer Tee wäre da eine echte Hilfe gewesen, nun gut. Wir starten auf dem geologischen Pfad, der zwar eine Menge Infotafeln bereithält, aber leider auch viel Schotterautobahnen bietet. Am Ende des Pfades gibt es eine Grube mit Steinen, die natürlich alle ganz geologisch sind und auch zum Mitnehmen dort rumliegen. Ich kann mich gerade noch zurückhalten, mir den Rucksack mit Steinen vollzuladen… Wir passieren die Burgruine Wildenstein, die Jakobus Kapelle mit dem Beginn eines Jakobsweges und kämpfen uns durch Wind und Regen. Insgesamt ist es eher eine ernüchternde Etappe, die ihren Höhepunkt am späten Nachmittag hat, als die Unterkunft in Oberviechtach nicht auf hat, und wir als Antwort auf einen Anruf eine dreiste SMS zurück geschickt bekommen. Zum Glück gibt es eine Konditorei in Ort, die tolle Kuchen und Kaffee anbieten, so dass wir die Zeit überbrücken können. Als es dann endlich Zeit zum Einchecken ist, ist der Typ sowas von unverschämt, dass wir uns um eine andere Übernachtungsmöglichkeit kümmern und zum Glück auch noch was finden, nämlich wieder in der leckeren Konditorei, die auch Fremdenzimmer anbieten. Wir sind schon noch länger irritiert über so viel Dreistigkeit von der eigentlich gebuchten Unterkunft und können das Erlebte nicht einfach so abhaken… Für das Abendessen gehen wir in die Pizzeria nebenan und freuen uns über die gute Atmosphäre und die leckere Pizza dort.
Die Wetteraussichten hören sich nicht gut an und mit voller Montur, Skiunterwäsche, Mützen und Handschuhe ziehen wir am nächsten Tag durch den Ort. Es gibt aber auch noch nette Leute in Oberviechtach, denn wir werden gefragt, ob wir uns verlaufen hätten und zum Goldsteig wollten. Klar, wollen wir, aber wir wissen, Dank GPS, wo es lang geht ;-) Die erste Tee Pause können wir in einem überdachten Bushäuschen machen und wir sind froh, dass wir etwas Schutz haben, denn es fängt an zu schneien und im Laufe der Zeit, werden die Flocken immer dicker und fallen ganz langsam und idyllisch in die schöne Landschaft. Wir können uns nicht satt sehen, an diesem Schauspiel. Immer wieder bleiben wir stehen und bewundern die weiße Pracht. Nach 4,5 Stunden Dauerschnee, völlig verfroren, nass und kaputt reicht es uns aber komplett mit der Idylle und wir wollen nur noch in die Unterkunft. Wir sind echt fertig und genießen die heiße Dusche im Krämerhof noch mal viel mehr als an den anderen Tagen. Wir hoffen, dass sich das Wetter etwas beruhigt, denn einen weiteren Schneetag können wir uns nicht vorstellen.
Der Schnee ist am Morgen immer noch da und wir sind uns unsicher, ob es eine gute Idee ist, weiter zu wandern, aber die Wetteraussichten sehen besser aus und wir starten in unseren letzten Wandertag in Richtung Eixendorfer-See.
Wir wagen uns hinter Thanstein ins Kulzer Moos, auch wenn unser Wirt davon abrät, aber der Rother empfiehlt diesen Abstecher, den wir auch nicht bereuen. Da gibt es einen schönen Plankenweg, viele Birken und natürlich Infotafeln über den Torfabbau. Kurz hinter dem Moorstück teilt sich der Goldsteig in einen nördlichen und südlichen Teil. Wir gehen ein Stück auf dem südlichen Teil, passieren noch die Schwarzenburg und verlassen dann aber bald den Goldsteig, um zum Stausee zu gelangen. Der Weg am See entlang ist für Radfahrer sicher toll, aber wir haben das Gefühl auf Asphalt zu latschen und so kommen wir ganz schön platt am Panoramahotel an. Auch hier gibt es wieder eine Saunalandschaft, die ich ausgiebig nutzen kann. Ich war zwar diesmal nicht allein, aber was gibt es Schöneres nach einem Wandertag, den Körper richtig durchzuheizen.
Am Abend gibt es dann nach dem Essen noch Champions-League auf Großbildleinwand, aber leider verlieren die Bayern gegen Real und die Stimmung ist entsprechend schlecht, denn wenn Bayern verliert und auch der Urlaub quasi vorbei ist, sinkt die gute Stimmung schon mal ins tiefe Tal der Traurigkeit *sniff*.
Der letzte Tag unserer Tour. Wir laufen ca. 5km nach Neunburg vorm Wald, um dort in den Bus nach Schwandorf zum Bahnhof zu kommen. Es klappt alles gut, denn Busse und Bahn sind pünktlich. Für das letzte Stück von Marktredwitz nach Waldershofen gönnen wir uns ein Taxi, was uns zu unserem Auto mit Dogge bringt.
Fazit dieser Osterferien? Das Stück Goldsteig, was wir jetzt gesehen haben, ist immer noch geprägt von viel Landwirtschaft. Aber wir haben eine Ahnung bekommen, wie einsam es in bestimmten Gegenden in Bayern sein kann. Vielleicht wird es im weiteren südlicheren Verlauf noch etwas pfadiger und wilder, denn dann gibt es ja auch noch ein paar Hügel, die es zu erklimmen gibt und die sicherlich auch nochmal dem Goldsteig einen besonderen Flair geben. Happy trails!


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