Freitag, 3. November 2017

AT: Buchanan - Daleville

Kurz vor unserem Zielort Daleville stoppten wir ein letztes Mal in Buchanan. Das Motel lag verkehrsgünstig an der Interstate, Restaurant und Tanke direkt nebenan. Die Tanke nutzten wir zum Auffüllen der Futterbeutel, leider war das Angebot sehr begrenzt, aber für zwei Tage konnten wir den Tankstellenfraß akzeptieren. Auch das Motel bot zum Frühstück leider auch nur verpackte Kuchen, Kekse und Riegel an, so dass ich nach diesen zwei Tagen tatsächlich innerlich eine Plastikphobie entwickelt habe. Ich konnte nix Verpacktes mehr sehen, da stellten sich sofort meine Darmzotten auf und rebellierten...
Ungünstigerweise hatte das Restaurant, was uns am Sonntag ja sehr gut bewirtet hatte, Montag und Dienstag Ruhetag. Im Ort sollte es aber noch etwas anderes geben, so dass 2Tall mit dem Motelmitarbeiter verabredete, dass er uns abends in den Ort bringen würde. Leider war dann aber kein Fahrer da und ein älterer Herr, der offensichtlich zum Motel gehörte, bot uns die älteste Karre auf dem Hof an. Die kannten wir schon, weil wir mit dem Gefährt auch vom Trail abgeholt wurden, aber selber zu fahren, war nochmal ein besonderes Erlebnis. 2Tall hatte erstmal den Schaltknüppel in der Hand, das Armaturenbrett war mit Klebeband geflickt, die Tankanzeige stand konstant unter Null, aber irgendwie kamen wir zu der Dorfkneipe, wo wir tatsächlich auch etwas zu Essen bekamen. Die ganze Situation war zwar absolut absurd und wir hatten doch Sorge, dass wir mit der Klapperkiste nicht mehr heil zurückkämen, aber es funktionierte. Wir waren an dem Abend satt, nicht wirklich zufrieden, aber gestärkt für die letzten zwei Tage auf dem Trail.
Für das morgendliche verabredete Shuttle mussten wir dann auch erstmal wieder telefonieren, aber letztendlich kamen wir da an, wo wir hin wollten. Wir sind ja immer wieder irritiert, dass manche Sachen, trotz Absprache, nicht klappen. Gut, das ist jetzt kein typisch amerikanisches Problem, aber hier waren wir, als Wanderer, viel mehr von den Leuten abhängig. Das war schon manchmal nervig, denn an diesem Tag wollten wir 17 Meilen machen, und wenn dann eine Stunde einfach wegfällt, hätten wir die letzten Meilen im Dunkeln wandern müssen, was mir überhaupt nicht behagen würde. Aber wir konnten um ca. 9.15 Uhr loswandern und hatten mal wieder einen herrlichen, klaren, sonnigen Tag. Wow, dieser blaue Himmel war einfach toll und wir genossen diesen vorletzten Tag so sehr. Denn nicht nur das Wetter war super, auch die verfärbten Blätter und die grandiosen Aussichten in die Gegend gaben einfach nochmal alles. Wir gingen häufig parallel zum Blue Ridge Parkway und kreuzten ihn auch immer mal wieder. Um kurz vor 17 Uhr erreichten wir das Shelter und von weitem konnten wir schon ein Feuer erkennen. Erst waren wir etwas enttäuscht, weil wir gerne allein den letzten Abend am Shelter verbracht hätten, aber die beiden Männer, die nur kleine Sections gehen wollten, waren super nett und fragten uns viele Sachen über den AT. Später kam sogar noch ein Thruhiker und so wurde es ein schöner Abschlussabend für uns. Die Nacht wurde mit 4°C nochmal eisig, aber am nächsten Morgen konnte ich in kurzer Hose losgehen, auch wenn ich zusätzlich mit Jacke und Handschuhen ausgestattet war.
Die letzten 11 Meilen bis Daleville zogen sich dann noch etwas hin und mit einigen Aufstiegen wurden wir sogar nochmal richtig gefordert. Die letzte Meile ging dann allerdings parallel der Interstate und die Geräuschkulisse war entsprechend nervig. Als wir das Motelschild sahen, waren wir erstaunt, erleichtert, glücklich, stolz, aber auch ein wenig traurig, dass der Appalachian Trail nun für uns beendet war. 1200 km waren die letzten Wochen ein hartes Stück Arbeit, und wir haben an manchen Tagen sehr gelitten. Aber die Natur, der Wald, das Abenteuer, draußen zu sein, hat uns auch diesmal wieder sehr gefallen. Für mich ist es immer wieder spannend, aus Flüssen und Bächen trinken zu können, auch wenn wir das Wasser immer mit chemischen Tropfen behandelt haben. Wir haben tolle Menschen kennengelernt, aber auch viele Menschen getroffen, die diese Erfahrungen nur mit Hilfe von Drogen "ertragen" können. Das war uns in den letzten Jahren auch immer mal wieder begegnet, aber wir hatten das Gefühl, dass der Drogenkonsum hier in den USA doch sehr zugenommen hat.
Der Appalachian Trail ist ein besonderer Weg und wir sind stolz, dass wir ihn innnerhalb der letzten 6 Jahre komplett erwandern durften.
Happy trails!

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